Warum Meditationsapps nicht die Lösung sind

Meditieren ist voll im Trend und inzwischen hat sich auch in Deutschland herum gesprochen welche gesundheitlichen Vorteile Meditieren mit sich bringt. Kluge Geschäftsleute versuchen natürlich davon zu profitieren und wie würde das einfacher gehen, als eine App zu verkaufen, die sich wirklich jeder auf sein Smartphone laden kann?

Die Funktionsweise dieser Apps ist simpel: sie enthalten oft geführte Meditationen über relativ kurze Zeiträume von wenigen Minuten. Das passt halt zu unserem gestressten Alltag. Frei nach dem Motto „Zeit habe ich eigentlich nicht, aber meditieren ist gut und daher investiere ich eben mal 7 Minuten“.

Was kann schon schief gehen?

Zunächst einmal sollte man wissen, dass Meditation sehr individuell ist. Jeder Mensch ist anders und reagiert auch anders auf entsprechende Methoden. Es gibt keine „one size fits all“ Lösung, die für jeden sinnvoll ist. Alleine schon die Tatsache, dass jeder Mensch – insbesondere in unterschiedlichen Situationen – länger braucht um überhaupt einen meditativen Zustand zu erreichen. Profis schaffen dies nach zwei Atemzügen, andere wiederum gar nicht. Die meisten benötigen zumindest mehrere Minuten. Häufig eben so lange, dass die App schon wieder piept und einem zur erfolgreichen Meditation gratuliert. Juhu, Meditation für heute abgehakt, morgen dann wieder…

Es ist natürlich positiv, wenn sich Leute aufgrund solcher Apps überhaupt erst mit Meditation beschäftigen. Die wirkliche Lösung sind sie aber nicht. Das zeigt auch eine neue Metastudie von Gal, Stefan und Cristea, die darlegt, dass Apps zwar zu einem gewissen Grad sinnvoll sind, jedoch wiederum keinen Einfluss in Bereichen hat, in denen klassische Meditation erwiesenermaßen positiven Einfluss hat. Apps helfen z.B. nicht mit Stresssituationen umzugehen. Dabei wäre zu erwarten, dass jemand der meditiert nicht nur ein grundsätzlich niedrigeres Stress-Level hat, sondern eben auch in Situationen, die andere psychisch fordern gelassener und rationaler handelt.

Ein Faktor, der mit jeder App noch hinzukommt, ist einfach der, dass diese zusätzlichen "Stress" bringt. Und das in einen Alltag, in dem wir uns eigentlich von Stress befreien möchten. Es ist also etwas paradox, aber wenn ich wegen einer App die zusätzliche Verpflichtung habe, etwas zu machen, à la „Ich muss heute noch irgendwie meditieren, meine App hat mich schon zum zweiten mal aufgefordert“, trägt das nicht unbedingt zur Stressbefreiung bei.

Ein weiterer Punkt, der grundsätzlich auch bei geführten Meditationen problematisch ist, ist der, dass ein Hauptziel jeder Meditation sein sollte nur im gegenwärtigen Augenblick zu verweilen und sich von jeglicher Form zu lösen. Und zu Form gehört auch Sprache. Eine Aufforderung „an nichts zu denken“ ist wiederum nicht hilfreich weil man dabei doch wieder beginnt zu denken wie man an nichts denkt. Es ist natürlich paradox aber das liegt in der Natur der Sache. Die Herausforderung beim Meditieren ist schließlich Gedanken auszuschalten ohne jeden Zwang und Aufforderung dazu.

Eine Meditationsapp, die Sinn macht ist lediglich ein Timer der einen daran erinnert, dass man irgendwann auch wieder zum Alltag übergehen muss. Bei einer richtigen Meditation verliert man jeden Bezug zu Zeit und nur selten kann man es sich erlauben 1 Stunde statt 10 Minuten zu meditieren – und die Kinder nicht vom Fußballtraining abzuholen…

Viel wichtiger als jede App wäre eine tägliche Meditationsroutine zu entwickeln. Das bedeutet man hat seinen festen Platz, eine ungestörte Umgebung, das richtige Licht, den richtigen Sitz z.B. auf einem Kissen, usw. Und dieser Routine so lange zu folgen bis sie tatsächlich auch zum Alltag gehört und man nicht mehr von irgendeiner App zum Meditieren aufgefordert werden muss.

Quelle:

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0165032720328317

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