Alkohol und Hochsensibilität

Alkohol ist ein durchaus brisantes Thema, was auch und gerade für hochsensible Menschen Gefahren und Risiken mit sich bringen kann. Schon für normalsensible Menschen ist die allzeit verfügbare und gesellschaftlich anerkannte Droge Alkohol längst nicht immer einfach zu beherrschen.

Mehr als 96 % der deutschen Bevölkerung im Alter zwischen 18 und 64 Jahren trinken Alkohol, mehr als 1,6 Millionen trinken missbräuchlich und etwa 1,77 Millionen Menschen in Deutschland sind abhängig von der Droge Alkohol. Am Alkohol sterben in Deutschland pro Jahr fast 75.000 Menschen und die Droge verursacht 26,7 Milliarden € Krankheitskosten im Jahr. Dem gegenüber stehen 3,3 Milliarden € staatliche Einnahmen aus Steuern, die auf alkoholische Getränke, mit Ausnahme von Bier, erhoben werden.

Alkohol gehört in Deutschland also fest zur Kultur dazu, er ist auf jeder Feier dabei und die erste Reaktion auf einen Schock, einen Schreck oder eine schlechte Nachricht ist üblicherweise „Trink erst mal n Schnaps“.

… und der Trunk ist ein großer Beförderer von drei Dingen: rote Nasen, Schlaf und Urin. Buhlerei befördert und dämpft er zugleich: Er fördert das Verlangen und schwächt das Tun.

William Shakespeare

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Wie wirkt Alkohol bei hochsensiblen Menschen?

Wie auch Kaffee, Medikamente und andere Drogen, wirkt Alkohol bei manchen hochsensiblen Menschen stärker als bei normalsensiblen. Sie vertragen weniger, spüren den Rausch intensiver, aber auch die Versuchung, die Welt dort draußen mit ihrer Masse an Reizen einfach auszusperren und einfach mal nichts mehr zu spüren, einfach mal nicht mehr hochsensibel zu sein und gar nichts mehr mitzubekommen, kann sehr, sehr groß sein.

Und es funktioniert, der Alkohol kann eine Mauer errichten, die zwischen dem hochsensiblen Menschen und all den Reizen und Eindrücken steht, denen er Tag für Tag nahezu schutzlos ausgesetzt ist.  Der Alkohol kann Schallmauer und Schutzwall sein und dafür sorgen, dass weniger Informationen zum Gehirn vordringen die verarbeitet werden müssen.

Genau hier liegt die Gefahr: Wenn die Alltagsdroge Alkohol benutzt wird, um den vermeintlichen „Fluch“ der Hochsensibilität auszuschalten, wenn man Zuflucht, Ruhe und Normalität im Alkohol sucht. Dann ist der Schritt hin zum Alkoholismus eigentlich schon getan, denn selbst wenn noch nicht jeden Tag und nicht in großen Mengen getrunken wird, ist der Grundstein zur Sucht, zur seelischen Abhängigkeit, zur Instrumentalisierung der Droge als Seelentröster und Weltverbesserer gelegt.

Wer also hochsensibel ist und Hilfe, Erleichterung oder Trost im Alkohol sucht, der sollte sich bewusstmachen, dass er im schlimmsten Fall eine Gabe, mit der es nicht immer ganz einfach ist umzugehen, gegen die chronische und nicht selten tödliche Krankheit Alkoholismus eintauscht – ein Tauschgeschäft, bei dem man nicht gewinnen kann.

Wie sollten hochsensible Menschen mit Alkohol umgehen

Am besten ist es als hochsensibler Mensch Alkohol überhaupt zu meiden bzw. einen sehr bewussten Umgang damit zu pflegen. Alkohol wirkt zunächst wie ein Verstärker und verstärkt alle Eigenschaften, die der hochsensible Mensch mit sich trägt, die positiven und die negativen. Die Situationen, die man ohne Alkohol schlecht erträgt, werden noch unerträglicher, die Gedanken, die einem im Kopf herumschwirren und sich nicht abschalten lassen, werden mehr, schneller und unkontrollierbarer und die Flut von Reizen, die von außen kommt, verstärkt sich. Erst bei höherem Alkoholkonsum kommt es zu einer Dämpfung, die zwar als Erleichterung empfunden werden kann, aber auch der erste Schritt in eine Abhängigkeit sein kann.

Das, was viele hochsensible Menschen aber am dringendsten brauchen, Ruhe, Entspannung und ein Herunterfahren der überreizten Wahrnehmung, findet  nicht statt, auch wenn das subjektive Empfinden bei hohem Alkoholkonsum etwas anderes vorgaukelt.

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