Die Rolle von Sexualität für hochsensible Frauen

Das Thema Sexualität ist  ein sehr intimes und individuelles. Hochsensible Menschen könnten gerade in der Sexualität eine Ausdrucksform finden, in der sie ihre  Gefühle und Sinneseindrücke ganzheitlich und wertfrei fließen lassen können, so als würde sich ein Korken auf einer zum Bersten gefüllten Flasche lösen und der gesamte Inhalt sich explosionsartig entleeren. Vielleicht haben sie gerade in dieser nonverbalen Kommunikation das seltene Gefühl, gesehen und verstanden zu werden. Das kann sein.

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Suxualität zwischen zwei Menschen

Ganz allgemein setzt eine Intimität zwischen zwei Menschen voraus, dass sich beide vertrauensvoll öffnen und fallenlassen und ihren Kopf quasi ausschalten können. Die körperliche Verbindung ist umso inniger, je mehr beide Partner ihren eigenen Körper und den des anderen spüren und auch mögen. Beide Partner sollten tief und vertrauensvoll verbunden sein, Berührungen zulassen und ihre Bedürfnisse ausdrücken können und in gleichem Maße die Fähigkeit besitzen zu geben und zu nehmen.

Für Hochsensible nehmen wahrscheinlich mehr als für andere Ehrlichkeit, Zärtlichkeit und Stimmungen einen ganz großen Stellenwert in der Sexualität ein, da sie Dissonanzen und Ablehnung überdeutlich spüren können. Durch ihre besondere Sensibilität ist aber auch ihre Entspannung durch störende Reize schnell zu irritieren. Geräusche, Gerüche, Lichtverhältnisse, falsche Worte und unangenehme Berührungen können Hochsensible schnell „aus dem Konzept“ bringen, mechanischer Sex ist nur schwer zu ertragen. Ängste und Zurückhaltung, die sie vielleicht manchmal im Kontakt mit Menschen zeigen, müssen sich nicht zwingend auf die Sexualität übertragen. Gegebenenfalls brauchen sie nur eine längere Phase des Nachempfindens und der Zärtlichkeit nach dem Sex.

Einige Hochsensible verinnerlichen Bilder aus ihrer Umgebung, den Medien oder ihrer eigenen Geschichte, die sie in gefühlsstarken Momenten überwältigen können. So kann es passieren, dass diese Bilderflut vor ihrem geistigen Auge auftaucht, wenn sie sich entspannen und auf den Partner/die Partnerin einlassen. Vergleiche mit Idealen, wie man beim Sex auszusehen und sich verhalten sollte, plötzlich aufkommende Eifersuchtsgefühle, gesellschaftliche Ansprüche an Experimentierfreude und verwegene Stellungen, Träume, die sie noch bildhaft vor Augen haben, können unvorbereitet vor dem geistigen Auge auftauchen und veranlassen, dass sie urplötzlich den Bezug zu ihren Gefühlen verlieren.

Manche Hochsensible haben nicht gelernt, sich selbst Bedürfnisse zuzugestehen und sanft deren Befriedigung einzufordern. Sie sind unter Umständen ausschließlich auf die Befriedigung des Partners/der Partnerin konzentriert und „erledigen“ die Sexualität wie eine Aufgabe. Zufrieden sind sie dann, wenn der Partner/die Partnerin zufrieden ist.

Andere brauchen in der Sexualität die immer gleichen Abläufe, um nicht durch neue Reize oder Situationen verunsichert zu werden. Das kann möglicherweise zu Konflikten zwischen Partnern führen, die unterschiedliche Vorstellungen in der Sexualität haben.

Wie generell in der Beziehung braucht es auch im Sexualleben daher unbedingt eine vertrauensvolle Kommunikation zwischen beiden Partnern und viel Rücksicht, um Missverständnisse oder Übergriff, ja sogar manchmal Schmerzen vorzubeugen. In dieser höchst sensiblen und innigen Situation seine Grenzen zu artikulieren, ist sicher nicht ganz so einfach. Hochsensible Menschen wollen in der Regel nicht enttäuschen, ihre PartnerInnen nicht irritieren, die Situation nicht verkomplizieren. Trotzdem ist gerade in der Sexualität der verbale oder nonverbale Ausdruck eigener Bedürfnisse, Phantasien, Wünsche und Grenzen unumgänglich und eine lohnende Investition in ein harmonisches Sexualleben.

Obwohl es sich eher nüchtern anhört, sollte jeder Part für sich auch ehrlich die Frage beantworten, ob im Sex wirklich die Lust vorrangig ist oder eher die Suche nach Bestätigung, Sicherheit, Bindung, Anerkennung, Wiedergutmachung oder auch die Sehnsucht nach Nachwuchs.

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