8 Tipps für hochsensible Menschen gegen Angst

Ängste sind etwas sehr Natürliches und jeder von uns kennt das Gefühl, sich vor irgendetwas zu fürchten. Oftmals sind es unterschiedliche Situationen, in denen Menschen ein Gefühl von Angst zeigen. So fürchtet sich Person A vor dem Fliegen, Person B schlägt sich mit Prüfungs- und Vortragsangst herum und Person C fühlt sich unwohl bei dem Gedanken, ein Konzert mit vielen  Menschen besuchen zu müssen. Ängste sind so verschieden wie wir Menschen und basieren auf dem Produkt unserer Lernerfahrungen. Psychologen sprechen hier von Konditionierung. Haben wir in unserer Kindheit eine negative Erfahrung gemacht – diese muss uns heute gar nicht mehr großartig bewusst sein – so wird diese mit negativen Gefühlen gekoppelt und zieht sich durch unser weiteres Leben. Oft generalisieren sich Ängste: Hatten wir als Kind Angst vor Mäusen, weil wir diese einmal als furchterregend abgespeichert haben, so kann sich diese Angst auf weitere Tiere ausweiten.

„Wenn einer keine Angst hat, hat er keine Phantasie.“ – Erich Kästner

Menschen, die das Gefühl der Angst nicht kennen, gibt es nicht. So komisch es klingen mag, aber Angst sicherte schon seit jeher das Überleben der Menschen. Das Gefühl ist essentiell und sorgt dafür, dass wir gefährliche Situationen erkennen, diese richtig einschätzen und uns dementsprechend verhalten. In der Zeit, als Steinzeitmenschen den Planeten bevölkerten, war es äußerst wichtig, die Begegnung mit einem Mammut zunächst einmal als Gefahr einzustufen, um dann zu fliehen oder in den Kampf zu gehen. Psychologen nennen dies die „Fight or Flight“-Situation. Ängste sind also nichts Außergewöhnliches. Problematisch wird es nur, wenn sie überhand nehmen und auch in völlig unbegründeten Situationen auftauchen. Dann kann es sein, dass dieses Gefühl zur Qual wird und das Leben einschränkt. Besonders hochsensible Menschen kennen das Gefühl der Angst im Alltag. Meist wirkt hier ein Schutzmechanismus: Da bestimmte Situationen zuviel Stress auslösen und überfordern, bewerten wir diese negativ. So kann sich leicht eine Angst entwickeln und dazu führen, dass die jeweilige Situation nicht mehr aufgesucht wird.

Vermeidung ist nicht der richtige Weg

Menschen, die unter Ängsten leiden, neigen dazu, bestimmte Situationen nicht aufzusuchen. Diese Vermeidungsstrategie mag zunächst aufgehen, denn man kann sich entspannen und muss sich dem Stress der angstauslösenden Situation nicht aussetzen. Allerdings hat dies zur Folge, dass die Angst durch Vermeidung weiter steigt. Mit der Zeit entsteht eine so große Hürde, dass die Situation  unter keinen Umständen mehr aufgesucht werden kann – die Angst ist zu groß geworden und beherrscht die Person. Damit es nicht soweit kommt, ist es wichtig, sich im Kampf gegen seine persönliche Angst aktiv zu zeigen. Wir verraten Ihnen, wie Sie die ersten Schritte angehen und das Gefühl langfristig besiegen. Als Basis für unsere Tipps dienen Strategien aus dem Bereich der Verhaltenstherapie, welche auch ausgebildete Therapeuten bei Patienten anwenden.

„Es gehört Mut dazu, sich seiner Angst zu stellen und sie auszuhalten.“ – Hoimar von Ditfurth

1. Entspannungstechnik erlernen

Das A und O in angstauslösenden Situationen ist es, entspannt zu bleiben. Dies ist leichter gesagt als getan. Damit die Entspannung eintritt, ist es ratsam, sich mit Entspannungsverfahren – beispielsweise Meditation, Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung – auseinanderzusetzen. Diese können alleine in den eigenen vier Wänden erlernt werden und beinhalten u.a. Elemente zur richtigen Atmung und Entspannung der Muskulatur.

2. Sport treiben

Sport ist die Methode der Wahl, wenn es darum geht, Stress abzubauen. Durch Bewegung werden Cortisol, Adrenalin & Co abgebaut, so dass man automatisch entspannter wird. In diesem Zustand dauert es länger, bis sich die typischen Angstsymptome zeigen.

3. Kleine Ziele stecken

Wichtig ist, dass Sie sich langsam an Ihre persönliche Angst herantasten. Wenn Sie zum Beispiel unter Flugangst leiden und schon lange mehr keinen Flieger von innen gesehen haben, ist es nicht ratsam, sofort einen Langstreckenflug zu planen. Konzentrieren Sie sich auf kleine Schritte, denn jeder Erfolg zählt.

4. Angsttagebuch schreiben und Angsthierarchien bilden

Manchmal verdrängen wir unsere Ängste, so dass wir gar nicht genau benennen können, wovor genau wir uns eigentlich fürchten. In dem Fall ist es ratsam, ein Angsttagebuch zu führen. Ist es der Vortrag vor den Kollegen, der Ihnen schwerfällt oder doch eher der Small Talk mit dem Chef? Notieren Sie Ihre Ängste und bilden Sie Hierarchien. Starten Sie hier mit den Dingen, die Ihnen am wenigsten Angst bereiten.

5. Die Macht der Gedanken verstehen

Ängste sind in vielen Fällen erworben und finden zunächst in unserem Kopf statt. Eine negative Situation in der Vergangenheit ist verantwortlich für unser Gefühl. Es ist wichtig, dass Sie verstehen, dass Ihre Angst oft keine greifbare Ursache im „Jetzt“ hat, sondern in Ihrem Kopf erschaffen wird und die negativen Gefühle und Vorstellungen mit sich zieht.

6. Imaginäre Vorstellung

Da es vielen Menschen schwerfällt, sich in eine Situation zu begeben, die Angst auslöst, ist es ratsam, sich zunächst in der Vorstellung damit auseinanderzusetzen. Stellen Sie sich vor, was passieren könnte und brechen Sie diese Imagination nicht ab. Machen Sie das Ganze immer und immer wieder und Sie werden schnell merken, dass auch Ihre körperlichen Symptome, wie Nervosität oder Schwitzen, abnehmen.

7. Sich an die Angst heranwagen

Wenn Sie die vorherigen Tipps beherzigt haben und sich sicherer fühlen, kann es nun in die Praxis gehen. Beginnen Sie mit der Angst, die in Ihrem Tagebuch ganz oben steht und die geringste Angst auslöst. Tasten Sie sich langsam heran. Sollten Sie Gefühle der Angst bemerken, dann versuchen Sie trotzdem durchzuhalten. Ist dies nicht möglich, probieren Sie es noch einmal an einem anderen Tag.

8. Mit einem Arzt oder Therapeuten sprechen

Ist die Angst inzwischen so groß geworden, dass Sie es alleine nicht mehr schaffen? Dann kann ein Gang zum Hausarzt oder zu einem Psychotherapeuten angeraten sein. Hier können Sie offen über Ihre Ängste sprechen und sich über Hilfsangebote beraten lassen.

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