Hochsensible Mütter und Väter

Die Erziehung eines Kindes ist eine ganz besondere Herausforderung. Gleichzeitig kann jede Elternschaft eine Krise für eine Partnerschaft bedeuten. Die „Freiheitsberaubung“ und Fremdbestimmung, die permanente Ansprache und die zahlreichen Forderungen durch ein Kind können beide Elternteile überfordern und durch den Vergleich mit einem Idealbild einer guten Mutter/eines guten Vaters enorm unter Druck setzen.

Hochsensible Eltern

Hochsensible Eltern leiden mit dem Kind, wenn es traurig ist und fühlen sich für dessen Schmerz verantwortlich. Noch mehr als andere wünschen sie sich das Kind vor jeglichen Schwierigkeiten schützen zu können, geben dabei häufig ihre eigenen Bedürfnisse nahezu vollständig auf und haben dennoch manchmal das Gefühl, nicht genug getan zu haben. Auch wenn sie völlig übermüdet und erschöpft sind, gönnen sie sich keine Auszeit. Ein unbeschwerter Umgang mit ihrem Kind fällt ihnen genauso schwer, wie eine konsequente Erziehung. Ihr Bedürfnis nach einem harmonischen Zusammenleben wird immer wieder erschüttert durch Auseinandersetzungen und unbequeme Grenzsetzung.

Eltern können ihre Beziehung und sich selbst nur vor Entfremdung schützen, wenn sie ihre Bedürfnisse als Frau/Mann und PartnerIn nicht mit der Geburt eines Kindes vergessen. Das ist elementar wichtig. Wer seinen eigenen Bedürfnissen und Grenzen gerecht wird, hat ein gutes Gefühl für das richtige Maß an Nähe und Distanz und die Identifikation mit den jeweiligen Rollen als Mensch, als PartnerIn, als Elternteil.

Tipps, die die Elternschaft erleichtern können

  • Nimm Dir die Schwere der Alleinverantwortung, indem Du Dir bewusst machst, dass Dein Kind auch ein eigenständiger Mensch ist. Wenn Du bei Deinen Entscheidungen bei Dir bleibst und eine Überidentifikation mit dem Kind vermeidest, erleichtert das den unbeschwerten Umgang mit dem Kind und entlastet Dich in Deiner Verantwortlichkeit. Du machst nicht Dein Kind, es wird nicht wie ein leerer Krug ausschließlich durch Deinen Einfluss gefüllt, sondern bringt auch ein Repertoire an eigenen Eigenschaften mit in diese Welt.
  • Gib Deinem Kind die Chance, eigene Erfahrungen zu sammeln und Neues auszuprobieren. Du musst es nicht von Schwierigkeiten schützen, im Gegenteil: Versuche Deinem Kind die Angst vor „Fehlern“ zu nehmen. Lass Dein Kind gedanklich los und mute ihm auch Rückschläge, Konflikte und Enttäuschungen zu. Du schenkst ihm dadurch Frustrationstoleranz und gleichzeitig Kompetenzen, die es Widerstände aushalten lässt und für das Leben stärkt.
  • Lass Dich nicht von dem Schmerz Deines Kindes überwältigen, sondern nimm eine übergeordnete Perspektive ein in dem Bewusstsein, dass Schwierigkeiten nun mal zum Leben dazugehören und der Mensch an ihnen wächst. Nur so behältst Du Deine Stärke und sicherst Deinem Kind den Halt.
  • Trete für Deine Bedürfnisse ein und gib ihnen Raum. Damit lehrst und erlaubst Du Deinem Kind, sich selbst auch abzugrenzen und ernst zu nehmen. Du vermeidest so ein dauerhaftes Gefühl der Erschöpfung, das Dich nur noch reagieren, aber nicht mehr agieren lässt.
  • Hab keine Gewissensbisse, Grenzen zu setzen. Dein Kind lernt daraus, Deine Entscheidungen und die anderer zu respektieren.
  • An Deiner Selbstachtung orientiert sich das Kind. Ein Kind erlangt sein Selbstwertgefühl auch durch Dein Vorleben.
  • Erlaube auch Dir Fehler und kommuniziere diese. Du bist zwar ein Elternteil, aber auch ein Mensch.
  • Versuche, präsent zu sein und Dich nicht in einem Zeitkontinuum von Vergangenem und möglichem Zukünftigem zu verlieren. Übertrage Schmerzen und Traumata aus Deiner Kindheit nicht auf Dein Kind. Jeder einzelne Moment ist neu und es wert, für sich beurteilt zu werden.
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