Hochsensible und ihre Träume

Hochsensible Menschen leiden oft an Schlafstörungen und sind im Alltag oft sehr müde, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass sie mehr träumen als normalsensible Menschen. Tag für Tag strömen auf den hochsensiblen Menschen viele Reize ein, die das Gehirn nicht immer entsprechend verarbeiten kann und einige dieser Reize werden in Träumen verarbeitet. Brigitte Holzinger, Leiterin des Instituts für Bewusstseins- und Traumforschung in Wien, bezeichnet Träume sogar als „Psychotherapie im Schlaf“.  Diese und weitere Meinungen zur Bedeutung und Funktion von Träumen lassen sich hier nachlesen.

Tägliche Reize und nächtliche Träume

Das Gehirn hochsensibler Menschen lässt mehr Reize ungefiltert durch als das Gehirn normalsensibler Menschen, so dass hochsensible Menschen oft unter einem permanenten Gefühl der Reizüberflutung leiden. Viele dieser Reize, die während des Tages nicht verarbeitet werden konnten, werden daher nachts im ins Traumbewusstsein geholt.

Das Prinzip ist natürlich nicht anders als bei normalsensiblen Menschen, doch da auf hochsensible Menschen so viele Reize und Eindrücke einprasseln, sind ihre Träume oft zahlreicher, intensiver und detaillierter und das kann durchaus den Schlaf beeinträchtigen. Aufgrund aufwühlender Träume kann es passieren, dass man nachts oft wach wird und nur schlecht wieder einschlafen kann. Noch schlimmer wird es, wenn es sich bei den Träumen um Alpträume handelt, die dazu führen, dass man regelrecht Angst davor bekommt, einzuschlafen.

Um zu vermeiden, Nacht für Nacht von wilden Träumen gepeinigt zu werden, können hochsensible Menschen folgende Tipps und Tricks anwenden:

  • Vor dem Schlafengehen sollten Sie keine aufregenden und aufwühlenden Fernsehsendungen schauen, keine spannenden Bücher lesen und keine erhitzten Diskussionen führen. Versuchen Sie stattdessen, sich bei einer Tasse Tee zu entspannen
  • Nehmen Sie sich am Abend vor dem Zubettgehen die Zeit, den Tag noch einmal gedanklich durchzugehen. Welche Besonderheiten gab es, was hat Sie gefreut, gestresst, geärgert oder besonders mitgenommen? Schreiben Sie diese Begebenheiten kurz auf und haken Sie sie dadurch bewusst als erledigt und vergangen ab
  • Führen Sie ein Traumtagebuch. Legen Sie Notizblock und Stift neben das Bett und wenn Sie nachts aufgewühlt aufwachen, schreiben Sie Ihre Träume kurz auf
  • Wenn Sie unter wiederkehrenden Alpträumen leiden, versuchen Sie es mit der sogenannten Imagery Rehearsal Therapy. Wenn Sie aus dem Alptraum erwachen, überlegen Sie sich eine alternative Strategie, mit der angsteinflößenden Situation im Traum umzugehen, geben Sie dem Traum bewusst eine positive Wendung und einen glücklichen Ausgang. Damit können Sie der Alptraum-Situation den Schrecken nehmen.
  • Konzentrieren Sie sich vor dem Einschlafen darauf, wovon Sie träumen wollen. Entspannen Sie sich während des Einschlafens ganz bewusst und stellen Sie sich eine Situation vor, in die Sie sich hineinträumen möchten.

Wenn’s so recht schwarz wird um mich herum, habe ich meine besten Besucher.

Johann Christoph Friedrich von Schiller

Klarträume

Hochsensible Menschen neigen mehr als normalsensible Menschen zu den sogenannten Klarträumen. Damit werden Träume bezeichnet, in denen der Träumende realisiert, dass er sich in einem Traum befindet, anstatt das Traumszenario einfach nur zu erleben.

Die Besonderheit des Klartraums wird in der Psychotherapie darin gesehen, dass der Traum von dem luziden Träumer gelenkt werden kann und dass der Träumer auch mit Figuren in seinem Traum in Dialog treten kann und so von seinem eigenen (Unter)Bewusstsein mehr über den Sinn und die Bedeutung des Traums erfahren kann.

Auf diese Art und Weise ist es unter anderem möglich, Alpträumen den Schrecken zu nehmen und sie zu einem positiven Ende führen. Die Fähigkeit zu luzidem Träumen ist in jedem Menschen vorhanden und laut einer Studie unter Psychologiestudenten aus dem Jahr 2004 gaben nur 18% der Befragten an, nie einen Klartraum zu erleben. Mit Hilfe von Mediation und anderen Techniken ist es auch möglich, das Klarträumen zu erlernen, so dass Träume bewusster gesteuert werden können. Zu den bekanntesten Methoden gehört dabei die sogenannte DILD Methode (Dream Induced Lucid Dream) in der der Klartraum von einem normalen Traum aus eingeleitet wird. 

Gerade für hochsensible Menschen bietet der Klartraum die Möglichkeit, mehr über sich selbst zu erfahren und Teile des Unterbewusstseins zu erreichen, die im Wachzustand verborgen bleiben.

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