Intuition und Hochsensibilität

Es gibt etwas in uns, dass auf eine feinsinnige Art schlauer ist als unser Verstand: Unsere Intuition. Die innere Stimme ist – unbeeinflusst – tief mit unserer Seele verbunden und kann eine ganz starke, richtungsweisende Kraft sein, wenn wir sie nutzen. Sie ist wie ein Kompass.

Obwohl mehr oder weniger jeder Mensch sie in sich „trägt“, wird generell eher von weiblicher Intuition gesprochen. Ein männliches Pendant scheint irgendwie verpönt oder mit dem Bild des Mannes nicht vereinbar zu sein. Wahrscheinlich weil die Intuition eine stark gefühlsbetonte Stimme zu sein scheint, obwohl sie ein intelligentes und reifes Zusammenspiel von Emotionen und Verstand repräsentiert.

Intuition entwickelt sich nicht wie ein langsamer Prozess. Sie durchfährt Dich sozusagen wie eine Explosion, urplötzlich und unvorbereitet. Sie beteiligt sich an jedem Bereich, von der eigenen Zielformulierung, über den zwischenmenschlichen Bereich bis zum Business. Sie schubst uns und sie warnt uns und in den meisten Fällen hat sie Recht, auch oder gerade wenn wir sie mit Gewalt versuchen zum Schweigen zu bringen. Lange Gedankenkonferenzen, die uns über Tage, Wochen und Monate beschäftigt und dennoch nicht zum Ergebnis geführt haben, können durch die Intuition mit einem Schlag beendet werden und dabei völlig überraschende Lösungen hervorbringen.

Ein wunderschöner Vergleich ist der der Zen-Buddhisten. Sie beschreiben die innere Stimme als „Brunnen, der nahrhaftes Wasser enthält“. Das Bild beschreibt, dass derjenige, der die Fähigkeit besitzt seine Intuition zu nutzen, einen wertvollen Kontakt zu sich selbst und seinen Bedürfnissen erhält. Weil die Intuition eben genau weiß und berücksichtigt, was Du wirklich willst.

Leider lernt der Mensch viel zu häufig, seiner Intuition nicht zu trauen. So pflegt er Beziehungen, die ihm nicht guttun, geht einer Arbeit nach, die ihn nicht ausfüllt, erfüllt Rollen, die seiner Persönlichkeit eigentlich nicht entsprechen, und lässt die Tage vorbeiziehen, ohne wirklich zu leben.

Dabei arbeitet, wer seinem Bauchgefühl nicht traut, aktiv gegen sich. Er ergreift an wichtigen Entscheidungswegen nicht seine Chance, die für ihn in diesem Augenblick beste Entscheidung zu wählen, sondern folgt stattdessen dem Mainstream, den Konventionen oder Normen und zahlt dafür mit persönlicher Lebensqualität und Selbstvertrauen. Menschen, die nur ihrem Verstand trauen, fühlen sich häufig zerrissen, weil sie einen wichtigen Teil ihres Selbst ignorieren.

Hochsensible und Intuition

Hochsensible können oft ein besonders intuitives Gespür haben, das für andere ganz schwer nachzuvollziehen sein kann. Sie spüren zum Beispiel Wünsche und Bedürfnisse ihrer Mitmenschen, bevor diese sie selbst wahrnehmen. Es ist, als könnten sie zuweilen schon in die Zukunft sehen.

Viele Hochsensible haben aber auch gelernt, ihrem Gespür eben nicht zu trauen. Sie versuchen sich im Laufe ihres Lebens immer mehr auf ihren Verstand zu reduzieren und das, was sie eigentlich als besondere Gabe haben, zu unterdrücken. Sie werden sehr skeptisch und unsicher in Bezug auf ihre innere Stimme und wünschen sich zeitgleich verzweifelt die Bestätigung, dass sie doch richtig liegen mit ihrem Empfinden.  Die Sehnsucht nach „Ganzheitlichkeit“ wächst.

Wir Menschen sollten uns vergegenwärtigen, dass Regeln, Pflichten, Pläne und Sorgen beliebig sind, wir aber selbst bestimmen können, wie wir unsere Pläne schmieden und ob wir unser Schicksal in die eigene Hand nehmen und unserer Intuition zu trauen lernen.

Oder wie Albert Camus sagt: „Ein selbstbestimmter, hellwacher Mensch traut seiner inneren Stimme eher als einem vermeintlichen Schicksal. Das ist seine Würde.“

Zugang zu Deiner Intuition

Zwischen dem rationalem Kopf und dem Bauchgefühl zu unterscheiden, wird mit der Zeit des Erwachsenwerdens immer schwerer. Die Intuition wird zunehmend weniger zugelassen, bis sie die Führung an den Kopf komplett abgibt. Wenn Du den Zugang zu Deiner Intuition wiedererlangen möchtest, kannst Du dies üben.

Eine Grundvoraussetzung ist Achtsamkeit. Versuche dazu,

  • wieder Ruhe in Deine Gedanken zu bringen, sie zu ordnen und Dich dann zu fragen, welche Gedanken wirklich zu Dir gehören und welche erlernt sind – am besten an einem konkreten Beispiel, einer Entscheidung, die ansteht. Dazu stellst Du Dir eine Frage und lässt alle Antworten zu, die Dir durch den Kopf schießen (Brainstorming).
  • Deine Gedanken aufzuschreiben und sie danach zu sortieren, wohin sie gehören und welches Gefühl sie erzeugen.
  • Dich dann zu fragen, an welcher Stelle wirklich Du gedacht und gefühlt hast und an welcher Du einer Regel, Deiner Erziehung, einem Plan, einer Anweisung von außen gefolgt bist. Wann warst Du bei Dir und wann im Außen? Welche Gedanken haben Dein Inneres beruhigt, welche haben Unruhe gebracht? Welche kamen spontan und welche musstest Du erzwingen?
  • herauszufinden, was die Antwort auf Deine Ursprungsfrage wäre, wenn Du Deinem ersten Impuls getraut hättest?
  • Folgende Frage ehrlich zu beantworten: „Kann es sein, dass Dein erster Impuls gar nicht so falsch war?“
  • jetzt zu üben, bewusst erste kleinere Entscheidungen gemäß Deinem Gefühl zu fällen und beobachte, was passiert.
  • mit der Zeit und mit wachsendem Selbstvertrauen immer weitreichendere (größere) Entscheidungen nach Deinem ersten Impuls zu fällen. Gibt es Grenzen? Wo liegen diese? Wie weit kannst Du Dich von Deinem Gefühl leiten lassen? In welchem Bereich ist es sinnvoll, Deiner Intuition zu vertrauen? Kannst Du vielleicht noch ein bisschen mehr wagen? Wie fühlst Du Dich bei intuitiven Entscheidungen?

Mit Übung wirst Du immer besser Deine intuitiven Potentiale erkennen, sie für Dich nutzen und vermehrt danach leben lernen.

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