Hochsensibel: Ein Gespür für Körpersprache

Aus der Mimik und Gestik eines Menschen können wir viel mehr erfahren als aus dem gesprochenen Wort. Unser Körper zeigt, wie es uns wirklich geht. Wir können unseren nonverbalen Ausdruck nicht so sehr kontrollieren wie unsere Worte, mit unserem Körper weniger täuschen als mit dem, was wir bewusst formulieren. Menschen, die nicht die gleiche Sprache sprechen, können sich über die Körpersprache hervorragend verständigen. Um aber Mimik und Gestik wirklich lesen zu können, braucht es große Aufmerksamkeit, ein gutes Gespür und die richtige Interpretation. Bewusst Körpersprache in ihren feinsten Facetten zu lesen, setzt ein entsprechendes Wissen voraus. Nicht alle Gesten sind eindeutig.

Verschließt sich ein Mensch oder geht er auf Abwehr, dann versucht er sich oft zu schützen, indem er Arme und Beine verschränkt, wohingegen geöffnete Arme und Beine, mit beiden Füßen fest auf dem Boden Offenheit und Standhaftigkeit signalisieren. Geballte Fäuste verdeutlichen eine große innere Anspannung, wie zum Beispiel Wut.

Je mehr wir einen Menschen kennen, umso deutlicher spricht sein Körper zu uns. Je nachdem, wie wir uns selbst gerade in der Situation fühlen, interpretieren wir bewusst oder unbewusst das, was sein Körper uns zu sagen scheint. Seine Gedanken können wir aber deswegen noch lange nicht lesen.

Die Deutung der Körpersprache

Hochsensible können ein besonderes Gespür für Unstimmigkeiten – zwischen dem, was ein Mensch sagt, und dem, was sein Gesamtausdruck vermittelt – haben. Sie können Dissonanzen und Stimmungsveränderungen lange vor anderen spüren und es kann sie extrem irritieren, wenn die Menschen um sie herum etwas anderes vorgeben, als sie zu spüren meinen. Für sie ist Verlässlichkeit ganz besonders wichtig. Spüren sie, dass ihr Gegenüber eigentlich etwas anderes ausdrückt, als ihnen mit Worten vermittelt wird, können sie in Gedanken lange mit dieser Unplausibilität beschäftigt sein. Besonders empathische Hochsensible lassen sich wenig täuschen, wenn ein Mensch zu verstecken versucht, wie er sich fühlt. Sie nehmen deutlich wahr, wenn Geist, Körper und Seele nicht im Einklang sind. Da sie generell offener sind für verschiedene Arten von Reizen, können sie auch in der nonverbalen Kommunikation mehr wahrnehmen als andere.

So gibt es einige Hochsensible, die ungern telefonieren, weil ihnen dabei wichtige Informationen über ihren Gesprächspartner verloren gehen. Sie brauchen den Gesamtendruck, um in all ihren Sinnen angesprochen zu werden und verstehen zu können.

Die Körpersprache des Hochsensiblen

Umgekehrt können sie mit ihrer eigenen Körpersprache ihre Emotionen und ihr Selbstbewusstsein wirksam beeinflussen. Wer zum Beispiel dazu tendiert, aus Ängstlichkeit die Schultern nach vorne fallen zu lassen wird merken, wie er wieder freier atmen kann und weniger ängstlich ist, wenn er die Schultern strafft. Die Arme nicht vor der Brust sondern umgekehrt hinter sich zu verschränken, signalisiert dem Beobachter Sicherheit statt Unsicherheit. Hochsensible, die die Wirksamkeit von Körpersprache erkennen und tendenziell eher nach innen gerichtet sind, sind besonders offen für die Beeinflussung ihrer Gefühle durch eine bewusste Haltung und Mimik.

Es ist ganz wichtig sich bewusst zu machen, dass nicht nur der Geist und die Gefühle den Körper lenken, sondern auch die Körperhaltung einen Einfluss auf unsere Gefühle und Gedanken haben kann. Es lohnt sich also, seine Gestik zu kontrollieren und auszuprobieren, wie deren Veränderung auf das eigene Selbstbewusstsein wirkt.

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