5 Vorschläge für DEIN hochsensibles Selbstvertrauen

Sensibilität und manche ihrer Bedürfnisse, die damit einhergehen, werden von der Gesellschaft in vielen Situationen nicht geschätzt. Das führt dazu, dass viele hochsensible Menschen sich oder zumindest Eigenschaften als „nicht richtig“ oder sogar als „falsch“ wahrnehmen.

Ein gesundes Selbstvertrauen ist für HSM noch wichtiger als für viele andere Menschen. Es ermöglicht es, die eigenen Grenzen besser wahrzunehmen und besser zu verteidigen. Gleichzeitig können erst mit einem ausreichenden Selbstvertrauen Stärken auch als solche wahrgenommen werden, auch wenn andere Charaktereigenschaften in einer Leistungsgesellschaft gefragter sind.

Doch wie kann ein Mensch sein Selbstvertrauen tatsächlich stärken?

Wenn Sie Ihr Selbstvertrauen verbessern möchten, sind Sie in guter Gesellschaft. Die Anzahl der Ratgeber zu diesem Thema spricht Bände darüber, wie groß der Bedarf in der Bevölkerung ist. Um das Selbstvertrauen zu stärken ist es wichtig zu begreifen, wie sich Menschen mit gutem und schlechtem Selbstvertrauen voneinander unterscheiden.

Wir zerstören unser Selbstvertrauen selbst

Menschen, die ein schwaches Selbstvertrauen haben, haben ein bestimmtes Denkmuster erlernt. Sie erklären Erfolge mit den Umständen („Ich habe deswegen eine gute Note, weil die Prüfung leicht war“) und Misserfolge mit den eigenen Fähigkeiten („Ich habe deswegen eine schlechte Note, weil ich dumm bin“).

Bei Menschen mit starkem Selbstvertrauen ist es genau umgekehrt. Sie erklären Misserfolge mit den Umständen („Die Prüfung war sehr schwer“), während Erfolge mit den eigenen Fähigkeiten erklärt werden („Ich bin intelligent und fleißig“).

Das gleiche Denkmuster findet sich im Alltag ständig wieder. So erklären Menschen mit geringem Selbstvertrauen sich beispielsweise die Absage einer Freundin damit, dass sie nicht gemocht werden. Jemand mit „gesundem“ Selbstvertrauen denkt, dass der Freundin etwas dazwischen gekommen ist.
Menschen zerstören also ihr Selbstvertrauen, indem sie sich für negative Ereignisse die Schuld geben, egal ob dies gerechtfertigt ist.

Eine andere Taktik, die ebenfalls von Menschen mit geringem Selbstvertrauen angewandt wird, ist, Kritik oder Misserfolgen deutlich mehr Gewicht beizumessen als Lob und Erfolgen. Das leuchtet auch durchaus ein: Wer Erfolg mit äußeren Umständen erklärt und Misserfolg mit eigenen Defiziten, merkt sich Kritik und misst Lob weniger Bedeutung bei.
Auf diese Weise schwächen Menschen ihr Selbstvertrauen jedoch immer weiter und im schlimmsten Fall geraten sie in eine Abwärtsspirale.

Erste Schritte zu einem besseren Selbstvertrauen

Wenn Sie Ihr Selbstvertrauen stärken möchten, müssen Sie aufhören, es zu zerstören. Allerdings ist dieser Schritt nicht leicht. Wer nicht begriffen hat, dass er nicht weniger wert ist, sondern nur durch Denkmuster die Annahme festigt, dass er es ist, wird keinen dauerhaften Erfolg haben. Überhaupt in Erwägung zu ziehen, Selbstvertrauen verdient zu haben, ist jedoch für jemanden mit einer jahrelangen Selbstwertproblematik alles andere als leicht.

Es gehört oft mehr Mut dazu, seine Meinung zu ändern, als ihr treu zu bleiben.
Friedrich Hebbel

Hochsensible Menschen mit geringem Selbstvertrauen, müssen sich für den Gedanken, etwas wert zu sein, erst öffnen. Hierfür gibt es keinen Kardinalsweg. Es gibt jedoch sehr wohl Ansätze, die dies erleichtern. Um eine dauerhafte Verbesserung zu erreichen, müssen sich Betroffene jedoch viel Zeit nehmen und regelmäßig an ihrem Selbstvertrauen arbeiten.

Sich selbst als Freund behandeln

Der Ansatz, sich selbst freundschaftlicher zu behandeln, dürfte für viele HSM der richtige sein. Aufgrund der hohen Empathiefähigkeit beachten sie Bedürfnisse und Gefühle anderer stark und nehmen sich selbst oft zurück. Wer weiß, dass er an seinem Selbstwert arbeiten könnte, sollte deswegen damit anfangen, sich als Freund zu sehen. Die folgenden Fragen können dabei helfen:

  • Wie kritisiere ich mich selbst? Würde ich das Gleiche einem Freund vorwerfen? Würde ich es genauso formulieren?
  • Welche Fehler verzeihe ich mir nicht? Würde ich das Gleiche einem Freund vorhalten? Und wie lange? Würde ich nicht nach einer Entschuldigung/Klärung verzeihen oder es zumindest versuchen?
  • Welche Bedürfnisse stelle ich für andere zurück? Würde ich wollen, dass ein Freund das Gleiche für mich täte?

Auf diese Weise stellen Menschen häufig erst fest, wie schlecht sie sich selbst behandeln und lernen, mit sich etwas wohlwollender umzugehen.

Den inneren Kritiker ausschalten

Viele Menschen haben eine innere Stimme, die auch als „innerer Kritiker“ bezeichnet wird. Der innere Kritiker ist einer der Hauptzerstörer des Selbstvertrauens. Der ziemlich fiese Zeitgenosse zieht alles ins Negative. Folgende Sätze sind

  • Ich kann nichts.
  • Niemand mag mich.
  • Niemand liebt mich.
  • Ich bin hässlich.
  • War ja klar, dass ich das nicht schaffe.
  • Wie kann man nur so blöd sein?

genau die Waffen, mit denen der innere Kritiker Misserfolge noch viel schlimmer und größer macht: Niemand würde den inneren Kritiker in seinem Freundeskreis dulden, im Kopf haben ihn jedoch viele. Die Lösung lautet auch hier: Den inneren Kritiker durch einen Freund ersetzen.

Wann immer dieser auftaucht, kann er durch einen verständnisvollen Freund ersetzt werden. Was würde dieser anstelle des Kritikers sagen?

Sichtweise ändern

Es ist zudem sinnvoll, langsam zu hinterfragen, ob das negative Selbstbild stimmt. Hierfür gibt es verschiedene Übungen:

  • Erfolge in Beruf, Freundschaft, Liebe, Familie und Alltag aufschreiben.
  • Fähigkeiten in Beruf, Freundschaft, Liebe, Familie und Alltag notieren.
  • Ein Erfolgstagebuch führen und jeden Tag drei Erfolge (und seien sie noch so klein) notieren.
  • Komplimente annehmen, ohne sie abzuschwächen oder direkt zurückzugeben.

Perfektionismus aufgeben

Viele Menschen und unter ihnen gerade die HSM neigen zum Perfektionismus. Oft wird deswegen jeder Fehler zum Defizit. Die meisten Menschen sind dabei sogar der Meinung, dass sie alles beim ersten Versuch können müssen. Dabei sind Fehler Teil eines jeden Lernprozesses. Wer keine Fehler macht, lernt nichts dazu und bleibt immer nur auf dem alten Entwicklungsstand.

Misserfolg ist lediglich eine Gelegenheit, mit neuen Ansichten noch einmal anzufangen.
Henry Ford

Fehler sind also eine Möglichkeit, Verbesserungspotenzial zu entdecken. Nicht mehr und nicht weniger.

Kennen Sie als HSM die Probleme mit einem schwachen Selbstvertrauen? Haben Sie weitere Tipps, wie man sein Selbstvertrauen stärken kann? Wir würden uns freuen, wenn Sie uns und andere im Kommentarbereich daran teilhaben ließen.

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