Soziale Phobie oder einfach hochsensibel?

Wenn die Reize der Umwelt zu anstrengend werden und der Rückzug in die eigenen vier Wände im Mittelpunkt steht, kann dies auf eine soziale Phobie hinweisen. Doch nicht immer muss das der Fall sein. Besonders hochsensible Menschen kennen dieses Phänomen und so besteht durchaus die Möglichkeit, dass es sich nicht immer um eine Erkrankung handeln muss. Doch wie erkennt man, ob man selbst nur hochsensibel ist oder doch unter einer sozialen Phobie leidet?

„Angst haben wir alle. Der Unterschied liegt in der Frage wovor.“ — Frank Thiess

Fakt ist, dass die Übergänge fließend sind und es keine klare Trennung gibt. Ein wichtiges Merkmal ist jedoch, dass Hochsensibilität schon von klein auf ein Thema gespielt hat. Da neuste Studien vermuten, dass es sich hierbei um ein stabiles Persönlichkeitsmerkmal handeln könnte, ist es sehr selten, dass die Hochsensibilität plötzlich auftritt. Oft begleitet sie einen schon das ganze Leben, ohne dass es einem bewusst ist. Klar war nur, dass äussere Reize schon der Kindheit anstrengen und man sich mehr Ruhepausen gönnen muss als einige andere Menschen.

Doch auch die soziale Phobie manifestiert sich schon sehr früh. Vielleicht wurde man ausgelacht, als man ein Referat vor der gesamten Klasse halten musste oder es ist etwas peinliches im Freundeskreis passiert und man hat damit die Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Was folgte war eine Angst im Umgang mit anderen Menschen und die Sorge, irgendwann wieder im Mittelpunkt stehen zu müssen.

„Man braucht nichts im Leben zu fürchten, man muss nur alles verstehen.“ — Marie Curie

Nicht immer leicht zu unterscheiden

Es gibt jedoch einen Knackpunkt, der eine Unterscheidung zulässt: Bei der sozialen Phobie handelt es sich um eine Angst, die sich auf viele Lebensbereiche ausweiten kann. Bei der Hochsensibilität hingeben spricht man von einer Überforderung aufgrund von Reizüberflutung. Eine Gefühl der Angst steht hierbei also nicht im Mittelpunkt. Dennoch ist es nicht ausgeschlossen, dass die Hochsensibilität mit der Sozialphobie zusammenfliessen kann. So gibt es Menschen, die sich aufgrund der Überforderung in sozialen Situationen immer weiter zurückziehen. Ein falsches Kodieren im Gehirn kann eine Angst zur Folge haben: Die betroffene Person weiß, dass sie sich in sozialen Situationen unwohl fühlt und meidet diese. Manchmal gibt es auch bestimmte Vorfälle, die einen in diesem Verhalten bestätigen können. Dadurch kann es durchaus passieren, dass die Hochsensibilität in der sozialen Phobie mündet. Ein Erlebnis allein reicht allerdings nicht aus, um eine Sozialphobie zu entwickeln.

Symptome einer Sozialphobie

Um herauszufinden, ob die Hochsensibilität oder die Sozialphobie im Mittelpunkt steht, ist es notwendig, sich die Merkmale der sozialen Störung laut ICD-10 anzuschauen. Folgende Symptome kennzeichnen eine soziale Phobie:

  • Im Mittelpunkt steht die Angst vor der Betrachtung anderer Menschen in kleineren Gruppen. Menschenmengen sind selten ein Problem.
  • Die Angst kommt überwiegend in sozialen Situationen auf.
  • Es folgt ein Vermeidungsverhalten, d.h. die angstauslösende Situation wird gemieden.
  • Die Störung zeigt sich meist bereits im Jugendalter.

Doch nicht nur das Zusammentreffen mit anderen Menschen löst Angst aus; auch das Essen und Sprechen in der Öffentlichkeit kann bereits zu unangenehmen Symptomen, wie beispielsweise Herzrasen, Erröten, Schwitzen, Zittern, Durchfall und Übelkeit, führen. Der zentrale Gedanke ist meist, dass man sich peinlich verhält und dieses Verhalten beschämend oder demütigend für den Betroffenen sein kann. Manchmal steigert sich die Angst so sehr, dass sie in einer Panikattacke mündet.

Das Wichtigste jedoch ist, dass Betroffene mit der Angst nicht alleine bleiben müssen. Die soziale Phobie ist sehr gut durch Psychotherapie zu behandeln. Hierfür ist es jedoch notwenig, sich seinem Arzt anzuvertrauen, so dass dieser die richtigen Wege für eine Behandlung einleiten kann. Hochsensibilität hingegen ist keine Symptomatik, sondern eine Persönlichkeitseigenschaft. Zudem hat diese sehr viele positive Seiten und dadurch auch einen sehr geringen bzw. keinen Leidensdruck im Vergleich zur Sozialphobie.

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