5+1 Tipps für mehr Energie im Alltag

Hochsensibilität und Müdigkeit – zwei Themen, die sehr häufig Hand in Hand gehen. Dabei sind gar nicht unbedingt Schlafstörungen allein für die andauernde Müdigkeit verantwortlich, sondern vielmehr eine Reizüberflutung durch den ständigen Überschuss an Informationen, die das Gehirn und das Nervensystem des hochsensiblen Menschen verarbeiten müssen.

Oft ist das umso frustrierender für die Betroffenen, da sie die andauernde Müdigkeit nicht einmal durch ausreichend Schlaf ausgleichen können.

Wir möchten daher einen genaueren Blick auf die Zusammenhänge zwischen Hochsensibilität und andauernder Müdigkeit werfen und Ihnen verraten, wie Sie zu mehr Ruhe und Entspannung finden können und sich dadurch weniger müde fühlen.

Hochsensibel und dauernd müde

Die andauernde Müdigkeit eines hochsensiblen Menschen kann verschiedene Ursachen haben.
 Sie kann zum einen durch eine permanente Reizüberflutung des Gehirns und des Nervensystems ausgelöst werden, wodurch sich der HSM ständig müde fühlt, obwohl er eigentlich genügend Schlaf bekommt. Sie kann aber auch durch Schlafstörungen hervorgerufen werden, unter denen hochsensible Menschen besonders häufig leiden. Oft kommen auch beide Faktoren zusammen.

Permanente Reizüberflutung

Das Gehirn eines hochsensiblen Menschen nimmt wesentlich mehr Reize auf, empfindet diese intensiver und hat daher mehr Arbeit zu leisten als das Gehirn einer nicht-hochsensiblen Person. Das Nervensystem arbeitet ständig auf Hochtouren, um all die Reize zu verarbeiten und verbraucht dabei natürlich viel Energie. Vergleichbar ist das etwa mit einem Computer, der eine wesentlich größere Menge an Input verarbeiten muss und dadurch zwangsläufig mehr Energie verbraucht als ein Computer, der nur die Hälfte an Informationen verarbeitet. Dementsprechend sind die Akkus schneller leer, im wahren und im übertragenen Sinn.

Der hochsensible Mensch (HSM) reagiert auf diesen Zustand oft mit andauernder Müdigkeit, die auch durch ausreichendes Schlafen nicht beseitigt werden kann, da die Akkus im Wachzustand sofort wieder extrem stark belastet werden.
 Dabei sind es nicht etwa nur starke Belastungen im Beruf oder im Privatleben, die dafür sorgen, dass der HSM einer ständigen Reizüberflutung ausgesetzt ist, sondern es sind die ganz alltäglichen Reize, die nahezu 24/7 auf jeden Menschen einströmen.
Dazu gehören unter anderem:

  • Geräusche und Lärm
  • Licht
  • Gerüche
  • Wärme
  • Kälte
  • Stress
  • Taktile Reize durch Berührungen oder Kleidungsstücke
  • Druck in beruflichen und persönlichen Situationen
  • das Wahrnehmen von Stimmungen zwischen anderen Personen

Wer beispielsweise einmal eine gewisse Zeit unmittelbar neben einer Großbaustelle gewohnt oder gearbeitet hat und mindestens 8 Stunden am Tag das laute Rattern von Presslufthämmern ertragen musste, während er versucht hat, sich dabei auf seine Arbeit und seinen Alltag zu konzentrieren, der kann sich vielleicht einen kleinen Eindruck davon machen, was im Gehirn eines HSM vor sich geht und wie dieser sich fühlt, wenn er den alltäglichen Umweltreizen unserer modernen Welt ausgesetzt ist.

Schlafstörungen

Hochsensible Menschen sind sehr anfällig für Schlafstörungen. Da es dem Gehirn, das quasi ständig auf der Überholspur unterwegs ist, um mit all den Eindrücken und Reizen klar zu kommen, sehr schwer fällt, zur Ruhe zu kommen und ein paar Gänge herunterzuschalten. Das Nervensystem ist dauernd überlastet und lässt den Körper nicht zur Ruhe kommen.
 Dadurch stellt sich die für einen gesunden und erholsamen Schlaf so wichtige Entspannung nicht ein und der hochsensible Mensch kommt nur schwer oder gar nicht in den Schlaf.

Einmal eingeschlafen, können auch besonders intensive Träume, zu denen hochsensible Menschen verstärkt neigen, die dringend notwendige Nachtruhe stören.

Betrachtet man diese Wechselwirkungen von Reizüberflutung, überlastetem Nervensystem, Schlafstörungen und intensiven Träumen, so erstaunt es nicht weiter, dass viele hochsensible Menschen unter ständiger Müdigkeit leiden.

Was aber können Sie als hochsensibler Mensch tun, wenn Sie täglich dieser Reizüberflutung ausgesetzt sind, unter Schlafstörungen leiden, sich dauernd müde fühlen und dadurch keine Energie mehr haben, um den Alltag zu bewältigen?

5 Tipps für mehr Energie im Alltag

Hochsensibilität ist keine Krankheit, weswegen man es unbedingt vermeiden sollte, Schlafstörungen oder Müdigkeit mit Medikamenten zu behandeln.
Vielmehr ist es wichtig, dass Sie als hochsensibler Mensch lernen, mit der Hochsensibilität zu leben und diese als ganz normalen Aspekt Ihrer Persönlichkeit anzunehmen.

Haben Sie als hochsensibler Mensch Probleme mit dem Einschlafen oder Durchschlafen, so gibt es einige bewährte Tipps und Tricks, die helfen können, abends leichter zur Ruhe zu kommen.

  • Das Schaffen immer gleicher Abendrituale – wozu ein heißes Bad mit beruhigenden Essenzen, ein Nachtgebet oder für nicht religiöse Menschen das Rezitieren eines Gedichts gehören können – wirken beruhigend auf Seele und Geist
  • Beruhigungstees wie Baldrian, Hopfen oder andere beruhigende Mischungen verhelfen ebenfalls zu mehr Ruhe.
  • Am Abend sollten keine schweren Mahlzeiten mehr gegessen werden, keine aufregenden Filme geschaut und keine aufwühlenden Diskussionen geführt werden
  • Wer nicht durchschlafen kann und nachts immer wieder aufwacht, dem kann ein kaltes Fußbad helfen
  • Ein Stift und Notizblock am Bett können ebenfalls helfen. Wer mit aufwühlenden Gedanken oder nach intensiven Träumen mitten in der Nacht aufwacht, schreibt die Gedanken nieder, muss sie so nicht mehr im Kopf behalten und kann wieder die nötige Ruhe finden, um weiterzuschlafen.

Noch ein Tipp

Ein weitaus modernerer Ansatz als diese meist altherbrachten Hausmittel ist es, durch binaurale Klänge den Überschuss an Cortisol abzubauen. Diese Klänge erzeugen durch leicht unterschiedliche Frequenzen eine akustische Täuschung in Form eines pulsierenden Tons im Gehirn, der zur Entspannung führen kann. Die binauralen Klänge sollten abends vor dem Einschlafen oder nachts über Stereokopfhörer gehört werden.

Um der alltäglichen Reizüberflutung des Nervensystems entgegenzuwirken, empfiehlt sich außerdem eine deutliche Stressreduktion im Alltag, die durch Achtsamkeit, Selbsterforschung und Selbstmanagement erreicht werden kann. 
Da Reize und Stress sehr individuell wahrgenommen werden, gibt es hier nicht den einen, richtigen Weg, der für alle HSM zum Erfolg führt. Mit Meditation, Yoga oder anderen Techniken können der Stresslevel und die damit einhergehende Reizüberflutung jedoch fast immer eingegrenzt werden.

Auch ist es als HSM wichtig herauszufinden welchen Situationen man sich stellen kann und muss, um nicht in Vermeidungsstrategien zu verfallen, die sich langfristig negativ auf die Lebensqualität auswirken, und welche Situationen man optimieren oder durch andere ersetzen kann, um die Reizüberflutung möglichst gering zu halten.
Schulungen und Seminare zu diesen Themen werden unter anderem von Heilpraktikern, Lebensberatern und Coaches angeboten.

Nützen all diese Tipps nichts, muss natürlich auch immer in Erwägung gezogen werden, dass eine Erkrankung, die nichts mit der Hochsensibilität zu tun hat, hinter den Schlafstörungen und der andauernden Müdigkeit steckt.
In dem Fall ist eine eingehende Untersuchung bei einem Arzt oder in einem Schlaflabor angeraten.

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