Stolperstein Perfektionismus: 3 Tipps für Hochsensible

Sie kennen lange Tage im Büro, wenn die Arbeit fertig werden muss, aber für Sie noch nicht gut genug ist? Dann sind Sie wahrscheinlich ein Perfektionist – ein Mensch, der den Anspruch hat, Aufgaben erst dann abzugeben, wenn sie wirklich 200 Prozent perfekt sind. Bis dies der Fall ist, wird „herumgefeilt“ und da vergeht natürlich viel Zeit. An sich ist Perfektionismus sogar eine recht gute Eigenschaft, denn schließlich werden die Dinge immer zur Zufriedenheit aller Beteiligten erledigt. Das Problem ist jedoch, dass oftmals die Hälfte der Zeit ausreichen würde, um ein optimales Ergebnis zu erzielen. Anders beim Perfektionisten: Er findet Fehler, die anderen Menschen meist gar nicht auffallen und arbeitet solange an seinem Werk, bis er vollkommen überzeugt ist. Dies verursacht Stress, denn der Perfektionist ist sehr genau und achtet auf jeden noch so kleinen Fehler.

„Es ist kein Fisch ohne Gräten und kein Mensch ohne Mängel.“ – Julius Wilhelm Zincgref

Die Wahrheit ist jedoch, dass die Dinge im alltäglichen Leben nicht immer perfekt sein müssen. Es ist sehr menschlich, auch Fehler zu machen und sich zu irren in seinen Annahmen. Man wird nicht dafür verurteilt, wenn die Dinge einmal nicht perfekt sind. Gerade diese Schwäche, Fehler zu machen und diese auch zuzulassen, macht einen Menschen durchaus sympathisch. Und auch für das eigene Seelenleben ist eine gewisse Entspannung nützlich und vor allem gesund. Wenn wir immer perfektionistisch an unseren Aufgaben arbeiten, verwenden wir meist zuviel Zeit, erleben Stress und fürchten uns dennoch vor Kritik. Zeit also, das Leben entspannter angehen zu lassen und den Perfektionismus auszubremsen. Natürlich heißt dies nun nicht, dass Sie Ihre Aufgaben ohne Leidenschaft oder gar schludrig ausführen sollen – ein wenig mehr Entspannung und weniger Fixierung auf das Endergebnis lauten die Zauberworte.

Abstand von alten Gewohnheiten nehmen

Den Perfektionismus ganz abzulegen ist schier unmöglich. Immerhin gilt dieser Wesenszug als Persönlichkeitseigenschaft, die viele Menschen beim Rückblick sogar schon in Kindertagen bei sich beobachten konnten. Viele assoziieren mit dieser Eigenschaft auch ihren schulischen und beruflichen Erfolg, beispielsweise: „Wäre ich nicht so verbissen in meine Aufgaben gewesen, dann hätte ich nichts erreicht“ oder „Durch meine genaue und fehlerfreie Arbeitsweise konnte ich meine beruflichen Ziele erreichen“. Ganz klar, Perfektionismus ist nicht die schlechteste aller Eigenschaften, wenn es um Erfolg geht. Allerdings geht dies meist mit einem persönlichen Leiden einher. Nie fertig zu werden, immer immens viel Zeit in seine Arbeit zu stecken, gründlich zu sein und Fehler zu vermeiden kann sich auf die Psyche schlagen. Besonders hochsensible Menschen fühlen sich schnell überfordert und fürchten, den persönlichen Ansprüchen nicht gerecht werden zu können. 

„Der Perfekte muss lernen, wie man einen Fehler macht.“ – Rupert Schützbach

Neues Verhalten muss trainiert werden

Neue Verhaltensweisen lassen sich nicht über Nacht erlernen. Gerade dann, wenn der Perfektionismus schon seit vielen Jahren oder gar Jahrzehnten zu unserem Selbstbild gehört, ist es schwer, hier eine Veränderung zu bewirken. Eine Aufgabe dann abzugeben, wenn sie dem eigenen Maßstab eigentlich noch nicht genügt, erscheint unmöglich und macht den Perfektionisten nervös. Psychologen gehen davon aus, dass wir mindestens 21 Tage benötigen, um neue Verhaltensweisen in unser Repertoire aufzunehmen – 21 Tage tägliches Training, welches sich auch kognitiv vollziehen muss. Das bedeutet, dass wir auch selber eine Veränderung erreichen wollen.

Entspannung im Leben ist das A und O


Gerade für hochsensible Menschen ist es wichtig, dass sie ihr Umfeld entspannt wahrnehmen und sich nicht von Kleinigkeiten gestresst fühlen. Umso wichtiger ist es, auch an seiner inneren Einstellung zu arbeiten und sich von Dingen eben nicht stressen zu lassen. Somit kann es durchaus sinnvoll sein, dem Perfektionismus mal eine Pause zu gönnen. Damit dies gelingt, sollten Sie das Gefühl aushalten, welches dann entsteht, wenn Sie eine Aufgabe mal etwas eher abgeben, obwohl diese in Ihren Augen noch nicht perfekt vollendet ist. Zunächst wird dieses Gefühl Sie nicht mehr loslassen und in einen unangenehmen Zustand versetzen. Wenn Sie jedoch die Erfahrung machen, dass Ihre Arbeit trotzdem anerkannt und nicht kritisiert wird, lernen Sie, dass das Endergebnis nicht immer perfekt sein muss. Testen Sie dies aus und legen Sie die Brille des Perfektionisten für 21 Tage ab. Sie werden sehen, dass sich schon bald ein ganz neues Lebensgefühl entwickelt…und zwar eines
, das Ihnen mehr Zeit und Entspannung lässt. Vielleicht machen Sie dann auch die Erfahrung, dass „perfekt“ ebenso subjektiv ist wie Schönheit, die ja bekanntlich im Auge des Betrachters liegt.  

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