Wie entstehen Albträume und was können Sie dagegen tun

Erstickt, erhängt, verfolgt, geschlagen – für viele Menschen gleicht das nächtliche Sehen im Traum einer nicht enden wollenden Horrorstory. In regelmäßig wiederkehrenden Albträumen erleben sie, wofür andere ein 3D-Kino aufsuchen: Den hautnahen Schrecken, an ein dämonisches Wesen oder an eine Gefahr ohnmächtig ausgeliefert zu sein. Wehrlosigkeit ist ein typisches Merkmal für den Hauptdarsteller im Albtraum – aber sind es nur wehrlose Menschen, die Albträume erleben? Was ist überhaupt ein Albtraum und wie entsteht er? Gibt es bestimmte Typen, die anfälliger dafür sind und was verspricht Heilung oder doch zumindest Linderung von Albträumen? Der folgende Beitrag wird auf all diese Fragen eingehen.

Was ist ein Albtraum?

Es ist 2:30 Uhr. Im Traum läuft Lisa einen langen dunklen Gang entlang. Sie spürt, dass sie von einem unheimlichen Wesen verfolgt wird. Als sie das Ende des Ganges erreicht hat, findet sie dort einen offenen Fahrstuhlschacht vor. Schon kommt das Wesen, das sie verfolgt näher, sie spürt, wie es ihr die Hand an den Hals legt und versucht, sie in den Schacht zu stoßen. Lisa beginnt zu röcheln, die Angst wird schlimmer und schlimmer, bis sie schließlich schweißgebadet und mit stark klopfendem Herzen erwacht.

Merkmale von Albträumen

Lisas Traum weist die wesentlichen Merkmale von Albträumen auf. Es handelt sich um Träume, in denen wir bedrohliche Situationen erleben. Die Intensität, in der wir die Gefahr und alle damit verbundenen negativen Emotionen wahrnehmen, nimmt im Laufe des Traumes zu, bis wir sie schließlich nicht mehr ertragen können und erwachen. Nicht immer muss es dabei in einem Albtraum so unheimlich zugehen, wie in Lisas Fall.

Aus medizinischer Sicht stellen Alpträume eine Form der Schlafstörung dar. Die Ursachen können körperlicher, seelischer, geistiger Natur sein oder auch in Ereignissen liegen, die sich während des Schlafes in unserer unmittelbaren Umgebung abspielen. Im Volksglauben werden Albträume seit jeher als von außen initiiert beschrieben. So ist die Bezeichnung „Alb“ mit dem germanischen und dem lateinischen Begriff für Elfen (Alben) verwandt, unter denen eine bestimmte Gruppe (Nachtalben) ein strenges Regiment über unsere Träume führte. Im europäischen Mittelalter wurden daraus dämonische Wesen, die die Menschen nachts bedrückten, ihnen aufsaßen oder auch gegen ihren Willen mit ihnen kopulierten. Der Träumende hatte keine Handhabe, sich dagegen zu wehren, war diesen Wesen willenlos ausgeliefert. In vielen Naturreligionen dagegen werden Traumerlebnisse dem bewussten und willentlichen Handeln unterstellt. Der Albtraum wird entsprechend als eine Herausforderung betrachtet, der sich der Träumende zu stellen hat.

Die Ursachen von Albträumen

Albträume stellen sich regelmäßig in den Traumphasen der tiefen Nacht ein – also zwischen 2 und 4 Uhr. Während dieser besonders aktiven Traumphase scheint der Körper tatsächlich in eine Art Starre zu fallen. Das Gehirn übernimmt die Führung, die Muskeln erschlaffen, dennoch steigt die Atemtätigkeit an und auch die Blutdruckwerte klettern in die Höhe. Alles deutet also auf einen körperlichen Zustand hoher Erregung, wobei unsere Beugungsfähigkeit eingeschränkt ist. Eine hervorragende Grundlage, um sich in Gefahr zu begeben und darin umzukommen. Doch erklärt diese äußere Beobachtung noch nicht, warum wir Menschen überhaupt von Albträumen geplagt werden und warum es die einen häufiger, die anderen aber nie trifft.

Bezogen auf ihre Ursachen lassen sich Albträume in die folgenden Gruppen klassifizieren:

  • Träume, in denen tagesaktuelle Geschehen verarbeitet werden. Die Erlebnisse können entweder direkt im Traum wiederholt werden oder sich indirekt äußern, indem beispielsweise betroffene Muskelpartien im Trauminhalt eine Rolle darin spielen. Auch auf starke Stressphasen reagieren manche Menschen mit Albträumen.
  • Träume, in denen Erlebnisse aus der Vergangenheit verarbeitet werden. Manche frühkindlichen Erlebnisse waren so intensiv, dass sie uns ein Leben lang begleiten. Andere durften wir als Kinder nicht bewusst erfahren; erst als Erwachsene fühlen wir uns fähig, sie in unserer Erinnerung noch einmal zu erleben. Gewalt, Missbrauch in jeder Form, Alkohol- oder Drogensucht der Eltern, Mobbing in der Schule oder generelle Versagensängste können sich dann in Albträumen ihren Weg in die Erinnerung bahnen.
  • Träume, die durch körperliche Ursachen ausgelöst werden, beispielsweise durch Atemprobleme oder ein starkes Druckgefühl im Bauchbereich. Auch Medikamente können unser Traumerleben beeinflussen.
  • Träume, die durch äußere Reize ausgelöst werden. Ein ungewohntes Geräusch, ein leises Ticken, ein Flugzeug, das irgendwo in der Ferne startet und dessen Brummen vom Wind zu uns herübergetragen wird, kann im Traum in beängstigende Bilder umgewandelt werden.
  • Träume, in denen spirituelle oder religiöse Erfahrungen verarbeitet werden. Großen Einfluss auf Albträume, die spirituelle oder religiöse Inhalte aufgreifen, hat sicher eine Erziehung, in der Gott als ein strafendes Wesen geschildert wird, dem wir als böse Sünder gegenüberstehen. So glauben viele Menschen beispielsweise an Engel, scheuen aber die Begegnung, da sie sich als unrein betrachten.

Während sich die Träume ihren Ursachen nach klassifizieren lassen, fällt die Antwort auf die Frage, warum manche Menschen häufiger als andere Albträume erfahren, weniger eindeutig aus. Die Zwillingsforschung geht davon aus, dass Vererbung hierbei eine Rolle spielt. Doch ist eine körperliche oder genetische Disposition allein noch nicht ausschlaggebend. Hinzu kommen ein oder mehrere der genannten Faktoren, die zur Entstehung von Albträumen beitragen. Liegt aktuell eine instabile Lebenssituation vor oder befindet sich der Träumende in einem besonderen Reifungsprozess, so können Albträume ebenfalls vermehrt auftreten.

Tipps zum besseren Umgang mit Albträumen

Mit den Albträumen ist es ein wenig wie mit hohem Fieber: Keiner möchte es gern durchleben, aber jeder weiß, dass es zuweilen notwendig ist, um zu gesunden. Erst wenn eine bestimmte Belastungsgrenze überschritten wird, ist es angesagt, fiebersenkende Mittel einzusetzen. Nicht anders sollten wir mit unseren Albträumen verfahren. Statt ihnen auszuweichen, statt sie als Symptome aus dem Weg räumen zu wollen, sollten wir sie als unsere Verbündeten begreifen. Albträume sind Botschafter des Unbewussten. Eine Leugnung oder Verdrängung kann zu einer Verschlimmerung der zugrunde liegenden Ursache führen.

Das Traumtagebuch als Wegbegleiter

Damit Sie Ihre Albträume besser verstehen lernen und deren Ursachen erkennen können, empfiehlt es sich, ein Traumtagebuch zu führen. Legen Sie sich abends vor dem Einschlafen ein Tagebuch und einen Stift auf den Nachttisch. Stellen Sie eine Lampe auf, die Sie ohne aufstehen zu müssen, einschalten können. Erwachen Sie aus einem Albtraum, heißt es schnell sein. Verharren Sie nicht beim Sinnieren über ein einzelnes Detail, sondern versuchen Sie, den gesamten Traumverlauf so deutlich und detailreich wie möglich zu erinnern. Wichtig ist, dass Sie sich den Traum erzählen, dass Sie versuchen, ihn in Worte zu fassen und sich Details einzuprägen. Das kann tonlos oder laut geschehen. Während des Halbschlafes haben wir oft das Gefühl, uns auch ohne Worte zu erinnern. Doch spätestens am nächsten Morgen, wenn Ihr Wachbewusstsein das Zepter wieder übernommen hat, werden Sie feststellen, wie sehr dieses Gefühl trügt. Schreiben Sie daher Ihren gesamten Traum am besten sofort auf. Ihre Notizen werden Ihnen bei der Rekonstruktion und Deutung eine wichtige Hilfe sein. Fügen Sie außerdem etwas über die äußeren Umstände hinzu: die Zeit des Erwachens beispielsweise, ein Ort, an dem Sie besonders stark von Albträumen geplagt werden, eine besondere Situation (beispielsweise Abwesenheit des Partners, des Kindes), vorangehende Ereignisse (Ängste, Mahlzeiten oder Ähnliches). Haben Sie Ihren Traum aufgeschrieben, sagen Sie sich klar und deutlich, dass Sie diesen nun beiseitelegen werden und am nächsten Tag darüber nachdenken können. Und dann schlafen Sie! Ihre Aufzeichnungen unterziehen Sie am folgenden Tag einer Prüfung und Deutung. Hier auf unserem Portal finden Sie eine Vielzahl an Anregungen, wie bestimmte Trauminhalte und Motive zu deuten sind. Aber auch das freie Assoziieren kann zu aussagekräftigen Ergebnissen führen.

Heilung von Albträumen

Die Deutung unserer Albträume führt dazu, dass wir uns mit den in ihnen enthaltenen Botschaften auseinandersetzen. Erst anschließend können wir den nächsten Schritt wagen, nämlich uns selbst von unseren Albträumen zu heilen. Dies ist möglich, wenn wir anerkennen, dass wir auch im Traum Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten haben. Wie oben beschrieben, ist es das Gehirn, das unsere Träume lenkt, während der Körper sich in einer Art Hochdruckstarre befindet. Entsprechend können wir unser Gehirn trainieren, damit es die Trauminhalte zu unseren Gunsten verändert. Die hierfür angewandten Techniken werden als hypnotische Suggestion oder auch als luzides Träumen bezeichnet.

Auf Lisas Albtraum bezogen könnte dies beispielsweise bedeuten, dass Lisa sich fest vornimmt, dem unheimlichen Wesen, dass sie erdrücken und in den Tod stoßen will, gegenüberzutreten und sich zu wehren. Was sie sich bis dahin nicht vorstellen konnte, wird dann zur befreienden Realität: Sie wird ihre Angst besiegen und feststellen, dass das Traumbild ihr nichts antun kann. Der Albtraum verschwindet aus ihrem Leben.

Luzides Träumen, hypnotische Suggestion oder gar Imagery Rehearsal Therapy – all das klingt kompliziert und scheint ein intensives Fachwissen zu erfordern. Doch letztlich geht es um die Arbeit am eigenen Gedächtnis. So wie wir uns einen Weg einprägen, eine Telefonnummer oder ein Versteck, so können wir unserem Erinnerungsvermögen auch antrainieren, den Verlauf unserer Träume zu verändern. Nicht abtrainieren können wir uns dagegen organische Schäden oder Träume, die aufgrund eines Substanzengebrauchs eintreten. Auch eine starke Traumatisierung kann die Selbstheilungskräfte blockieren. In diesen Fällen, und insbesondere dann, wenn Kinder regelmäßig starke Albträume erleiden, die zu einer großen seelischen Belastung werden, sollten Sie sich nicht scheuen, professionelle Hilfe anzunehmen.
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