Traumdeutung: Augen

Um Augen in der Traumdeutung interpretieren zu können ist es wichtig, sich folgende Grundlagen ins Bewusstsein zu rufen: Mit den Augen erkennen wir die Welt um uns herum. Und aus den Augen strahlt der Welt unser inneres Licht entgegen. Auf diese Weise ließe sich die mit dem Sehorgan verbundene Metaphorik, die Aufklärung und Erkenntnis, aber auch seelische Befindlichkeit umfasst, kurz zusammenfassen. Und da zumindest sprachlich „sehen“ und „erkennen“, „Licht“ und „Bewusstsein“ so stark miteinander verbunden sind, drückt sich diese Symbiose auch in unseren Träumen aus. 

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, ist ihr zugetan. Wer die Augen vor etwas verschließt, will oder kann es nicht sehen. Blindheit wird symbolisch dagegen oft mit Unwissenheit oder Unkenntnis in Verbindung gebracht. Doch gibt es seit der griechischen Antike auch die Figur des blinden Sehers, die zwar nicht ihre direkte Umwelt, dafür aber in die Zukunft sehen kann. Während also die geöffneten Augen das Wachbewusstsein symbolisieren, verweisen die geschlossenen Augen bzw. das Nichterkennen auf eine besondere Fähigkeit, Ereignisse innerlich zu visualisieren. 

Für die Deutung von Träumen, in denen Augen eine zentrale Rolle spielen, heißt dies, dass es in besonderem Maße erforderlich ist, die Umstände und Details des Traumgeschehens zu berücksichtigen, damit die Deutung nicht einer vorschnellen Gleichsetzung von Sehen und Erkennen bzw. Blindheit und Unkenntnis verhaftet bleibt. Von besonderer Bedeutung ist dabei auch, ob die Augen des Träumenden im Vordergrund standen oder ob er sich durch die Augen eines anderen beobachtet fühlte.

Augentraum: Ein Beispiel

Lisa träumt, dass sie über einen Friedhof spaziert. Sie trägt eine Augenbinde und auch ihre Hände sind gebunden. Lisa versucht, die Augenbinde durch die Macht ihrer Gedanken hochzuschieben. Tatsächlich gelingt es ihr, die Augenbinde rutscht ein Stück nach oben. Doch kaum ist dies geschehen, bemerkt sie, dass sie ihre Augen nicht öffnen kann. Dann spürt sie, wie sie jemand sanft am Arm fasst und sie in Richtung Ausgang schiebt. Als sie dort angekommen sind, hebt sich der Schleier und sie kann wieder klar erkennen, wo sie sich befindet. Im selben Moment erwacht sie.

Die Grenzen des Sehens

Betrachten wir die genaueren Details aus Lisas Traum, so fällt zunächst der ungewöhnliche Ort auf, an dem sie sich befindet, nämlich der Friedhof. Dort, wo die Toten ruhen, sind Lisa Hände und Augen ge- bzw. verbunden. Sie kann also weder handeln noch erkennen. Mit der Kraft ihrer Gedanken, mit ihrem Verstand, ihrer Ratio kann sie sich manches erklären. Diese Kraft ist so ausgeprägt, dass es ihr sogar gelingt, den Schleier der Erkenntnis zu verschieben. Doch mit diesem vermeintlichen Erwachen ist nur erneut die Feststellung verbunden, dass sie nicht sehen kann, was sie nicht sehen soll. 

Aus psychologischer Sicht ließe sich Lisas Traum als unbewusste Angst vor der Konfrontation mit dem Tod deuten. Möglicherweise leugnet Lisa den Tod eines ihr nahestehenden Menschen. Doch der Traum verweist auch auf eine spirituelle Dimension. Was Lisas mögliche Ängste betrifft, kann nur sie selbst Auskunft geben, ob sie diese empfindet oder nicht. 

Im Traum erscheint sie eher tapfer und wild entschlossen, den Schleier zu lüften. Sie erfährt jedoch, dass es den Lebenden nur bis zu einem bestimmten Grad erlaubt ist, hinter den Vorhang des Todes zu schauen. Sie weigert sich nicht, zu sehen, sie kann die Augen an diesem Ort nicht öffnen. Und wird – auch dieses Detail ist wichtig – von einer sanften Berührung zum Ausgang geschoben, in die Welt der Lebenden also, in der ihr ihre Augen sofort wieder gute Dienste leisten.

Traumdeutung Augen: Ihre individuelle Deutung

Nicht immer führen Augen-Träume so tief in die spirituelle Dimension, wie es bei Lisa der Fall war. Geschieht dies, so weiß der Träumende in der Regel intuitiv, dass er einen ganz besonders außergewöhnlichen Traumeindruck empfangen hat. Häufiger aber steht das Auge im Traum symbolisch für ein Erwachen oder Nicht-sehen-Wollen im diesseitigen Leben. Der Träumende erfährt, wie er die Welt sieht, was zu sehen er sich weigert und umgekehrt, wie er wahrgenommen wird. 

Wollen Sie einen Traum, in dem das Symbol „Auge“ eine wichtige Rolle spielte, deuten, so können Sie sich dem Inhalt anfänglich mit den folgenden Fragen nähern:

• Waren es Ihre eigenen Augen, mit denen sich eine besondere Wahrnehmung verband? Welche Emotionen begleiteten den Traum?
• Falls Sie im Traum nicht sehen konnten: Konnten oder wollten Sie die Augen nicht öffnen? Oder war eine Verletzung – ein Begriff, der sich hier im übertragenen Sinne deuten lässt – Grund für Ihre Unfähigkeit, etwas zu erkennen?
• Lag im Traum eine Aufforderung, mehr nach außen oder mehr nach innen zu blicken?

Erkenntnis findet nicht immer im Blick nach außen statt, Erkenntnis folgt auch auf den nach innen gerichteten Blick. Nicht umsonst unterschieden die Ägypter ein Sonnen- und ein Mondauge – wenngleich sich diese mythologische Deutung auf unsere heutige Links-rechts-Zuordnung nicht geradlinig übertragen lässt.

Weblinks:

Fiona Rohde. Das sagt deine Augenfarbe über deinen Charakter aus. gofeminin.de.

Mit dieser Anleitung gelingt dir in 8 Schritten ein realistisch gezeichnetes Auge. daskreativeuniversum.de.

Kathrin Mehner: Augenzucken – Was tun?. gesundheit.de.

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