Traumdeutung: Auto

Die griechische Vorsilbe „auto“ lässt sich mit „selbst“ übersetzen. Und so wundert es kaum, dass das Auto in der Traumdeutung häufig mit dem Selbst des Träumenden in Verbindung gebracht wird, insbesondere dann, wenn er oder sie selbst am Steuer saß. 

Es handelt sich um ein mobiles Selbst, das im Traum von seiner eigenen Antriebskraft rasant vorangebracht wird oder auch zum Erliegen kommt. Manchmal versagen die Bremsen, manchmal ereignen sich schwere Unfälle. Immer gibt es einen Bezug zu einem aktuellen Lebensereignis oder einer Situation, in der es besonders auf die eigenen Antriebskräfte ankommt. 

Doch das Fahren hat – vor allem, wenn es rasch vorangeht – auch etwas Rauschhaftes. Je nachdem, wie der Fahrer im Traum damit umgeht, erweist sich, wie er im Leben augenblicklich vorankommt, ob er beispielsweise sein Fahrzeug unter Kontrolle hat, ob sich ihm Hindernisse in den Weg stellen oder ob er verantwortungslos damit umgeht. Darin liegt letztendlich auch ein Verweis darauf, wie er mit sich selbst umgeht. 

Viel wesentlicher als das Fahrzeug sind zudem dessen einzelne Komponenten, die im Traum eine Rolle spielen. Bremsen sind ein Symbol für Kontrolle, der Motor für starke Antriebskräfte, die Sitze können auf den Wunsch nach Behaglichkeit deuten oder auch auf eine momentan „unbequeme“ Situation. Ebenso wichtig ist, ob sich der Fahrer allein im Auto befand oder in Begleitung war, ob der Träumende die Situation meistern konnte oder Hilfe benötigte – und ob er sie erhielt.

Das Auto im Traum: Ein Beispiel

Im Traum sitzt Lisa in einem Pkw, der langsam eine stark abfallende Straße hinunterrollt. Sie genießt das Fahrgefühl, fühlt sich, als würde sie schweben. Dann aber nimmt die Fahrt im Auto rasant an Geschwindigkeit zu. Lisa will bremsen, findet aber kein Bremspedal. Je hektischer sie danach sucht, desto schneller fährt das Auto. Schließlich gibt sie erschöpft auf und lehnt sich mit dem Gefühl, nichts mehr tun zu können, zurück. Das Auto fährt gegen eine Mauer. Lisa erwacht von dem Ruck und stellt erleichtert fest, dass sie wohlbehütet im Bett liegt.

Dem eigenen Tempo und dem eigenen Weg folgen

In Lisas Traum sehen wir, dass sie sich zunächst durchaus wohlfühlt, in ihrem eigenen Tempo vorankommt und dabei alles unter Kontrolle hat. Erst als ein Gefälle das Auto gegen ihren Willen beschleunigt, gerät alles außer Kontrolle. Lisa reagiert darauf mit dem Wunsch, die Fahrt anhalten zu wollen. Doch je mehr sie sich bemüht, sich dem Problem entgegenzustemmen, desto schlimmer wird es. Schließlich erkennt sie, dass sie nichts mehr tun kann, und das Auto wird von außen gestoppt. 

Lisas Traum deutet auf einen Konflikt mit Kräften aus ihrem Umfeld, denen sie nichts entgegenzusetzen hat. Eine solche Situation kann beispielsweise eintreten, wenn wir ein Projekt planen, es im eigenen Tempo umzusetzen beginnen, und uns dann von außen oder vom inneren Zensor angetrieben fühlen, schneller voranzugehen, als es uns lieb ist. Es entsteht dann eine Dynamik, die wir nicht mehr bremsen können, in der nur noch die Möglichkeit bleibt, loszulassen, einmal ganz anzuhalten, um anschließend wieder den eigenen Rhythmus zu finden. 

Umgekehrt ließe sich aber auch fragen, warum Lisa die zunehmende Geschwindigkeit so sehr ängstigt, dass sie unbedingt abbremsen will. Wächst ihr etwas über den Kopf, hat sie Angst die Kontrolle zu verlieren und ist diese Angst berechtigt oder sollte sie sich den Geschwindigkeitsrausch einfach mal gestatten? Die Antworten auf derlei Fragen, die Lisas Traum und ähnliche aufwerfen, lassen sich nur bei Kenntnis aller individuellen Details finden.

Individuelle Traumdeutung eines Auto-Traumes

Zulassen oder gegensteuern, selbst fahren oder passiv auf dem Beifahrersitz Platz nehmen, das Steuer herumreißen oder stur geradeaus fahren – Träume von Autos haben uns etwas mitzuteilen, was mit Durchhaltevermögen oder notwendiger Veränderung zu tun hat. Wenn Sie sich in einem Auto den Abhang hinunterrasen sehen, dann fragen Sie danach, welche Risiken oder unüberlegten Handlungen eine Selbstkorrektur oder eine Verhaltensänderung erforderlich machen. 

Um Ihrer individuellen Deutung näherzukommen, können Sie sich die folgenden Fragen stellen:

• In was für einem Fahrzeug sind Sie unterwegs? Ist es Ihr eigenes (private Dinge) oder ein Dienstfahrtzeug (berufliche Angelegenheiten)?
• Fahren Sie (aktiv) oder werden Sie gefahren (passiv)?
• Haben Sie die Situation unter Kontrolle und können Sie die Fahrt genießen oder müssen Sie das Fahrzeug wenden, die Fahrt unterbrechen, damit alles gut ausgeht?

Viele Menschen haben schon davon geträumt, in einem Auto zu sitzen, dessen Bremsen nicht funktionieren. Dabei handelt es sich in der Regel nicht um einen prophetischen Traum, sondern um ein symbolisches Geschehen, das auf eine Situation verweist, in der lenkendes Eingreifen dringend erforderlich, aber nicht immer möglich ist. Manchmal führen dann nur noch das Anhalten oder das Nicht-Tun zu einer angemessenen Lösung.

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