Carl Gustav Jung und sein Ansatz der Traumforschung

Carl Gustav Jung wurde am 26. Juli 1875 in Kesswil in der Schweiz geboren. Er studierte Medizin und arbeitete von 1900 bis 1909 an der psychiatrischen Klinik der Universität Zürich. In den Jahren von 1905 bis 1913 war er Dozent an der Universität Zürich, ehe er von 1933 bis 1942 Titularprofessor an der ETH und daraufhin 1943 Ordentlicher Professor für Psychologie in Basel wurde.

Carl Gustav Jung zählt neben Sigmund Freud und Alfred Adler zu den drei bedeutendsten Wegbereitern in der modernen Tiefenpsychologie. Nachdem er die Zusammenarbeit mit Sigmund Freud 1913 abgeschlossen hatte, entwickelte er seine eigene Schule – die analytische Psychologie. Carl Gustav Jung verstarb am 6. Juni 1961 im Alter von 86 Jahren in Küsnacht.

Jung und sein Ansatz der Traumforschung

Die Traumdeutung gehört zum Kern der Psychoanalyse. Der Schweizer Psychiater und Begründer der modernen analytischen Psychologie Carl Gustav Jung hat mit seinem Werk bis heute einen bedeutenden Einfluss auf die Psychotherapie und auf die moderne Traumdeutung erlangt. Er hat nicht nur den Bereich Psychologie maßgeblich beeinflusst sondern darüber hinaus die Theologie, Völkerkunde, Literatur, Kunst und die sich daraus entwickelte Kunsttherapie. Die Psychoanalyse Jungs umfasst die Ansicht, dass der Traum eine symbolische Ausdrucksform der spontanen Selbstdarstellung des Unterbewussten in der gegenwärtigen Situation ist. Hinsichtlich der Deutung der Bildersprache griff Jung auf einen breiten Kontext zurück, bei dem er sogar individuelles Material wie Märchen, Mythen, Kunst, Religion und Dichtung einfließen ließ. In seiner Persönlichkeitstheorie über den Menschen ist C.G. Jung vor allem auf die Begriffe Komplex, Introversion, Extraversion und Archetypus eingegangen.

Der Komplex

Unter dem Komplex ist eine Konstellation von Gedanken, Gefühlen, Wahrnehmungen und Erinnerungen zu verstehen, die in Abhängigkeit von dem sogenannten Kernkomplex stehen. Der Kernkomplex setzt sich hauptsächlich aus den Archetypen zusammen, welche das kollektive Unterbewusstsein bezeichnen. In Abhängigkeit des Kernkomplexes, können Komplexe somit bewusst oder unbewusst sein. Komplexe, die in das Unterbewusste verdrängt sind, können im Bewusstsein als „Affekt“ erscheinen. Der Mutterkomplex gilt hier als exemplarisch. Alle Gefühle, Gedanken, Wahrnehmungen und Erinnerungen, die direkt oder indirekt mit der eigenen Mutter zu tun haben, werden von dem Kernelement des Komplexes angezogen und sind mit ihm assoziiert.

Die Persönlichkeitsstruktur

In der Psychoanalyse Jungs ist das Ich beziehungsweise das Ich-Bewusstsein das Zentrum des Bewusstseins und zeichnet sich durch eine starke Identifikation mit sich selbst aus. Da das Ich-Bewusstsein aus einem Komplex von unterbewussten Vorstellungen und Identifikationen besteht, spricht Jung auch vom Ich-Komplex. Bewusst wahrnehmen können wir folglich nur Dinge, die mit diesem begrenzten Ich-Komplex assoziiert werden.

Neben diesen bewussten Ich-Komplexen existieren außerdem einige Ich-nahe-Komplexe, die unterbewusst sind und in ihrer Gesamtheit als das persönliche Unterbewusste bezeichnet werden. Nach Ansicht von Jung sind die unbewussten psychischen Inhalte eng mit den individuellen Lebensgeschichten der Menschen verbunden und lassen sich in zwei verschiedene Bereiche einteilen. Zum einen handelt es sich um Inhalte, die ehemals bewusst waren, jedoch im weiteren Verlauf des Lebens aus dem Ich-Bewusstsein als Vergessenes oder Verdrängtes entfernt wurden. Zum anderen kann es sich bei den unbewussten psychischen Inhalten um tatsächlich unbewusste Elemente handeln, die bisher noch nie ins Bewusstsein des Patienten gelangt waren. Exemplarisch gelten hier unterschwellig Wahrgenommenes und frühkindliche Engramme – also das frühkindliche Gedächtnis.

Der Gegensatz zu Freud

In der Psychoanalyse von Freud galt der Traum in erster Linie als ein Mittel des Unterbewussten, um unterdrückte oder nicht ausgelebte Libidos – das heißt Begehren und Begierden – deutlich zu machen. Der Begriff Libido stammt aus der Psychoanalyse und beschreibt psychische Energien, die mit den natürlichen Trieben der Sexualität verknüpft sind. Jung grenzt sich mit seinen Theorien davon ab. Für ihn sind Träume ganz allgemein die nächtliche Aufarbeitung von Alltagsproblemen, welche er als die „unbedeutenden“ Träume betrachtet. Das Hauptinteresse von Jung galt an dieser Stelle den „bedeutenden“ Träumen wie beispielsweise die Wiederholungsträume.

Für Jung war der Traum darüber hinaus eine symbolische Ausdrucksform der spontanen Selbstdarstellung des Unterbewussten in seiner aktuellen Situation. Im Hinblick auf die Deutung der im nächtlichen Geschehen vorkommenden Bildersprache, stellt er einen sehr breiten Kontext her, indem er überindividuelles und kulturelles Material wie Mythen, Märchen, Religion, Kunst und Dichtung mit einbezog.

Die Psychoanalyse von C.G. Jung

In der Psychoanalyse führt C.G. Jung Wiederholungsträumen, kompensatorischen Träumen und den archetypischen, präkognitiven Träumen eine große Bedeutung zu, die im Folgenden näher erklärt werden.

Die Wiederholungsträume

Die Wiederholungsträume gehörten für Jung zu den bedeutenden Träumen. Die nächtliche Aufarbeitung von alltäglichen Problemen und Erfahrungen schrieb er den unbedeutenden Träumen zu. Wiederholende Träume werden durch eine immer wiederkehrende psychische Situation hervorgerufen. Das Unterbewusstsein des Menschen möchte die wiederholende Aufarbeitung dieser speziellen Situation in das Bewusstsein bringen, um sie zu verarbeiten und eine Lösung zu finden. Ein Lösungsansatz ist im Traumgeschehen bereits integriert. Die Auslöser für das Problem liegen meist weit in der eigenen Vergangenheit zurück.

Kompensatorische Träume

Wenn die Einstellung des Bewusstseins zur Lebenssituation besonders einseitig ist, stellt sich der Traum auf die Gegenseite. Jung bezeichnete diesen Vorgang als „Autonomie des Unbewussten“. Im Traum entsteht somit durch das selbstständig agierende Unterbewusste eine Gegenwelt des tatsächlichen und damit nicht ausgeschöpften, kargen Lebensstils in der Realität. Die Kompensation ordnet Jung in drei verschiedene Stufen ein. Bei einem bedenklichen Lebensstil wird eine totale Gegenwelt geschaffen und bei einem eher ausgewogenen Lebensstil entsteht eine Gegenwelt mit Varianten. Bei der letzten Stufe werden hauptsächlich die Erlebnisse aus dem täglichen Leben aufgegriffen, wodurch der Mensch für Jung korrekt, adäquat und damit „wirklich“ lebt. Exemplarisch für die Schaffung einer Welt der totalen Gegensätze erzählt Jung von einer Aristokratin, die immer wieder von schmutzigen Fischweibern und betrunkenen Prostituierten träumte.

Archetypische Träume

Archetypische Träume bezeichnen allgemeingültige Seelenbilder – beispielsweise so, wie sie in der Alchemie oder im Tarot festgehalten sind. Greift das Unterbewusste im Traum auf das Stammhirn, das heißt auf das Gehirnbereich zu, wo die gesamte Menschheitsentwicklung verankert ist, will es dem Träumenden etwas Grundsätzliches bis hin zu Individuum-Übergreifendes mitteilen. Träume, die aus diesem kollektiven Unterbewusstsein entstehen, sind in erster Linie Offenbarungen der uralten Stammes- und Menschheitsgeschichte. Sie sind Ausdruck einer längst vergangenen, nicht vergessenen Weisheit, die neben der Gegenwart auch Allgemeingültigkeit für die Zukunft hat. Exemplarisch für archetypische Träume sind Begegnungen mit einer alten weisen Frau, Abstiege in Erdlöcher, auftauchende archetypische Symbole, die im Alltag nicht auftreten sowie Reisen in Länder und Zeiten, die man noch nicht bewusst gesehen oder durchdacht hat.

Präkognitive Träume

In seiner Psychoanalyse hat Jung die Welt des Unterbewussten in seinen Tiefen ergründet. Im Hinblick auf die präkognitiven Träume hat er sich über die wissenschaftliche Gültigkeit hinausbewegt und dem Übernatürlichen eine Rolle zugeschrieben. Der Begriff „präkognitiv“ bezeichnet eine außersinnliche – das heißt hypothetische – Art von Wahrnehmungen, für die es bisher keine wissenschaftlich bestätigten Nachweise gibt und die durch bekannte sinnliche Wahrnehmungen, Erfahrungen oder Wissensquellen nicht erklärbar sind.

In seiner langjährigen Erfahrung der Traumarbeit hatte Jung oftmals mit prophetischen Träumen zu tun. Die nächtlichen Bilder von Jungs Patienten waren nicht klar, eindeutig und gaben keine direkten Hinweise auf das zukünftige Weltgeschehen. Durch komplexe Analysen der Bilder waren sie für Jung nichtsdestotrotz Hinweise für ernsthafte Warnsignale der Seele, den gegenwärtigen Lebenszustand zu analysieren und unterbewusste Probleme zu ändern, um katastrophale Folgen zu vermeiden. In seinen Aufzeichnungen beschreibt Jung einen Fall, bei dem ein Karrieremensch ihn aufgrund von Atemnot und Schwindel konsultiert. Der Traum dieses Mannes, handelt von einem zu schnell fahrenden Zug, der aus den Gleisen geworfen wird. Jung diagnostizierte diese Symptome im Traum als typische Bergkrankheitssymptome. Im Hinblick auf die präkognitiven Träume war es ein Warnsignale des Unterbewussten, im Lebensstil kürzer zu treten, nicht zu ehrgeizig zu agieren und mit dem bisher Erreichten zufrieden zu sein. Trotz des Rats von C.G. Jung änderte der Patient nichts an seiner ungesunden Lebenssituation und erlitt einen beruflichen Absturz.

Die Bedeutung der Traumsymbole für Jung

Als wichtigster Wegbereiter der modernen Psychoanalyse schrieb C.G. Jung den Traumsymbolen als einer der Ersten eine zentrale Bedeutung im Bereich der Bewusstseinserweiterung zu. Es sind psychische Kraftfelder, die das Bewusstsein weiten und dem Menschen neue Erlebnismöglichkeiten zugänglich machen. Der Traum ist eine spontane Selbstdarstellung der gegenwärtigen Lebenssituation des Betroffenen, welches in der Symbolik vom Unterbewussten aufgegriffen und in aneinandergereihten Bildern Ausdruck finden. Nach Meinung von Jung zeigt die Symbolsprache in bemerkenswert verdichteter Ausdrucksform zahlreiche Aspekte des menschlichen Denkens auf, die beim Betroffenen im Wachzustand durch die Anforderungen des Alltags nicht ins Bewusstsein gelangen.

Die Traumdeutung aus Sicht von C.G. Jung

Die Analyse des Traumes dient dem Zweck, Unterbewusstes aufzudecken, versteckte Probleme zu entschlüsseln und die gegenwärtige Lebenssituation des Menschen zu durchleuchten, um im Anschluss Lösungsmöglichkeiten zu entwickeln. Für Jung bezeichnete die Traumdeutung einen Weg vorwärts, um im Leben auf den richtigen Weg zurück zu finden. Die Auseinandersetzung mit den eigenen Träumen war für Jung eine Form der Selbsterfahrung, was durch den sinnvollen Umgang der Traumbilder und –symbole zu einer Bewusstseinserweiterung führen könne.

Die drei Stufen der Trauminterpretation

Die Träume können auf verschiedenen Ebenen interpretiert werden. Die erste Stufe bezeichnet die Objektstufe – man bezieht die im Traum auftretende auf die objektiv-reale Person. Auf der zweiten Stufe, der Subjektstufe, wird die im Traum auftretende Person auf den subjektiven Zustand des Träumers bezogen. Träume können auf einer dritten Stufe eine mythologische Ebene aufzeigen. Jung vertrat die Ansicht, dass jeder Traum Erfahrungen aus der Vergangenheit beinhaltet und repräsentiert und das diese bei wiederholenden Vorgängen Hinweise auf die persönliche Ziele sowie Ambitionen geben.

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