Das Schlafwandeln

Das Schlafwandeln, auch als Somnambulismus bezeichnet, wird in der Schlafforschung als ein Zustand veränderten Bewusstseins verstanden, bei dem man gleichzeitig wach ist und träumt

Schlafwandeln findet in der Tiefschlafphase statt, ein Stadium, bei dem normalerweise die Muskeln erschlafft sind und die Skelettmuskulatur sogar weitgehend unterdrückt wird. Dies soll sowohl Energie sparen als auch die heftigen Bewegungen unterdrücken, die vom Traum in die Realität übertragen werden könnten. 

Beim Schlafwandeln verhalten sich die Betroffenen, als ob sie wach wären, jedoch zeigen die Gehirnströme, dass sich die Person im Tiefschlaf befindet. Die meisten Schlafwandelepisoden dauern nur einige Sekunden bis wenige Minuten. Am nächsten Morgen hat der Betroffene meist keine Erinnerungen an die nächtlichen Ereignisse.

Wie gefährlich ist das Schlafwandeln wirklich?

Meist ist es nur eine wirre Vorstellung im Schlaf jemanden zu töten, ohne es im eigenen Bewusstsein mitzubekommen. Im Sommer 2008 in Wales wurde jedoch das Gegenteil bewiesen. Der Familienvater Brian Thomas erwürgte seine friedlich neben ihm schlafende Frau, kurz vor ihrem 40. Hochzeitstag. Obwohl der Familienvater die Tat zugab, ließ das Gericht die Anklage gegen den pensionierten walisischen Stahlarbeiter fallen. So verließ er am 20. November 2009 an der Seite seiner zwei Töchter den Swansea Crown Court als freier Mann. Wenn jemand, der seine Ehefrau tötet, ohne Strafe den Gerichtssaal verlassen kann, muss es dafür eine gute Entschuldigung geben. Im Falle von Thomas ist es Schlafwandeln. Zahlreiche Psychiater hatten ihn begutachtet und ihn zum Zeitpunkt seiner Tat als unzurechnungsfähig erachtet. Ein „nicht geistesgestörter Automatismus“ lautete der genaue Befund, der Thomas zu einem geständigen, geistig gesunden und damit unschuldigen Schlafwandler macht. Dieser Fall wirft erneut die Frage auf, die seither wissenschaftlich nicht zu 100 % beantwortet werden konnte: handelt man bewusst oder unterbewusst wenn man träumt oder gar Schlafwandelt?

Das Phänomen: Schlafwandler

Warum sich allerdings die Schlafwandler in dieser sonst starren Tiefschlafphase so koordiniert bewegen können, ist den Schlafforschern bisher noch ein unerklärliches Phänomen. Schlafmediziner können lediglich vermuten, dass die wissenschaftliche Erklärung mit dem bestimmten Zusammenspiel mehrerer Gehirnareale zusammenhängt. Insbesondere bei Kindern tritt das Phänomen häufiger auf. Studien nach kommt das Wach-Schlaf-Phänomen am häufigsten zwischen dem 4. und 8. Lebensjahr vor. So auch im Falle des walisischen Pensionärs Brian Thomas, der bereits im Kindesalter an Schlafwandeln litt. Dieses wache Träumen nimmt im Laufe des Älterwerdens immer mehr ab, wodurch nur noch etwa drei bis vier Prozent der Erwachsenen noch im Schlaf herumwandern.

Die Liste der möglichen Ursachen ist lang und bietet Raum für Spekulationen

Für Schlafforscher ist die Frage nach der genauen Ursache für den wachen Traum immer noch spekulativ. Es kann kein einheitliches Erklärungsmuster für die Patienten geben, die über unterschiedliche Ausgangs- und Verlaufsformen in ihrem Leben verfügen. Untersuchungen weisen darauf hin, dass eine familiäre Vorbelastung eine Rolle spielt, Schlafwandeln demnach genetisch ist und vererbt werden kann. Rund 20 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden nach eigenen Angaben unter diesem nicht erholsamen Schlaf.
In den zahlreichen Untersuchungen in der Schlafforschung wurde bereits festgestellt, dass Schlafwandler oft die Tendenz haben, zu Lichtquellen zu gehen. Das Wach-Erlebnis kann in diesem Zusammenhang mit dem Lunatismus, der Mondsüchtigkeit, gleichgesetzt werden, bei der der Betroffene sich vom Mondlicht angezogen fühlt und sich diesem nähern will. Früher war der Mond die alleinige Lichtquelle in der Nacht. Heutzutage gibt es mehrere Lichtquellen, zu denen sich der Schlafende hingezogen fühlt.

Der Stress ist ebenfalls ein Faktor, der als entscheidende Ursache in der Schlafforschung gewertet werden kann. Wenn der Betroffene im Alltag sehr vielen Stressfaktoren ausgesetzt ist, hat dies meist auch psychische Folgen, die den Schlaf stören können. Schlafmediziner setzen, um Abhilfe zu schaffen, insbesondere auf Entspannungsmethoden.

Natürlich ist es nicht abzustreiten, dass sich beim Schlafwandeln ein erhöhtes Verletzungsrisiko für die Betroffenen ergibt. Es kann vorkommen, dass sie nachts die Wohnung verlassen und auf die Straße gehen oder eine Tür mit einem Fenster verwechseln. In Ausnahmefällen verhalten sich Schlafwandler auch aggressiv oder gereizt.

Die Kombination mit pavor nocturnus: der „Schlafterror“

Nicht selten tritt das Schlafwandeln mit dem pavor nocturnus auf. Diese Art des Traumes betrifft nur Kinder und wird nachweislich im späteren Alter nicht mehr wahrgenommen. Bei diesem sogenannten „Schlafterror“ erwachen die Betroffenen urplötzlich aus der Tiefschlafphase mit einem gellenden Schrei auf und weisen Zeichen intensiver Furcht auf. Meist wird auf keinerlei Zuspruch der Anwesenden reagiert. Nach wenigen Minuten ist die Erregung des Betroffenen verschwunden. Wie auch beim Schlafwandeln weiß der Betroffenen am nächsten Morgen von seinem „Schlafterror“-Erlebnis nichts mehr. Sowohl das Schlafwandeln als auch das pavor nocturnus werden, wie das Zähneknirschen, gewisse Formen des Einnässens und des Um-sich-Schlagens im Schlaf zur Gruppe der Parasomnien gezählt. Sollten bei diesen Schlafstörungen sowohl eine Verletzungsgefahr der eigenen Person oder des Bettpartners drohen oder außerdem epileptische Anfälle im Schlaf vermutet werden, sollte der Betroffene im Schlaflabor untersucht werden.

Tipps für die stillen Beobachter

Wie sollte sich ein Beobachter beim Schlafwandler verhalten? Meist ist keine medikamentöse Behandlung notwendig. Kommt es aber zu selbst- oder fremdgefährdeten Handlungen, ist eine spezifische medikamentöse Behandlung zu empfehlen.

Ansonsten stehen in der Regel Maßnahmen zur Sicherheit der betroffenen Person im Vordergrund. Wenn jemand schlafwandelt, dann ist dieser orientierungslos und ist sich nicht im Klaren, was im Augenblick passiert. Damit also keine Unfälle passieren, sollte ein Beobachter zurückhaltend und vorsichtig eingreifen. Der beste Weg ist, den Schlafwandelnden behutsam wieder zum Bett zu führen, um so Gefahren zu verhindern. Insbesondere sollte man Aktionen vermeiden, die den Betroffenen abrupt aus dem Schlaf reißen würden. Dazu gehören sowohl das Schütteln des Körpers als auch das laute Zurufen. Der Schlafwandelnde würde sich erschrecken, eine für ihn ungewohnte Umgebung wahrnehmen und damit in eine Orientierungslosigkeit verfallen. Durch die Tatsache, dass sich die Schlafwandler insbesondere zu hellen Lichtquellen hingezogen fühlen, muss auch hier eine Lösung gefunden werden. Somit raten Schlafmediziner dazu, die Wohnung so zu gestalten, dass man nur im Schlafzimmer ein Licht sehen kann und somit erst gar nicht auf die Idee kommen, in andere Räume zu wandeln oder gar auf die beleuchtete Straße zu wandern. Sollte das Schlafwandeln im erwachsenen Alter keine Ausnahme bleiben, sondern sich als fester Bestandteil im Schlafrhythmus integrieren, sollte man unbedingt einen Psychotherapeuten aufsuchen. Schlafwandeln kann als eine Begleiterscheinung von häufig wiederkehrenden und intensiven Albträumen gesehen werden, die in ihrer psychischen Ursache professionell behandelt werden müssen.

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