Der Traum aus Sicht der Psychologie

Die Psychologie als empirische Wissenschaft beschäftigt sich mit dem Erleben und Verhalten von Menschen. Aus diesem Grunde sind die Fantasie-Erlebnisse die wir Menschen im Schlaf haben auch in jüngster Forschung zu einem Kernthema geworden. Insbesondere treibt Forscher die Frage an, warum wir eigentlich träumen und warum diese nächtlichen Fantasien so real sind. Eine weitere grundlegende Frage, die in der Psychologie Beachtung findet, ist die Erinnerung an das Geträumte: einige Menschen erinnern sich an Ihre Träume sehr gut, andere wiederum nicht. Kant stellte die These auf, dass jeder Mensch träumt nur die Erinnerung an das Geträumte fehle.

All diese Theorien sind Gegenstand der modernen Traumforschung, die durch Sigmund Freud eingeleitet wurde.

Die Geschichte der Traumforschung

Die Schlüsselfigur Sigmund Freund

Den Grundstein der modernen Traumforschung legte Sigmund Freud, dem die Idee über die Wichtigkeit des Träumens im Jahre 1895 kam, als er im Schloss Belle Vue in Wien nächtigte. Aufgrund seiner Eingebung verfasste er das Buch „Die Traumdeutung“, in dem Freud die erste wissenschaftliche Traumtheorie im Jahre 1899 vorstellte. Freud war ein persönlichkeitsbezogener Mensch und deshalb lag der Fokus seiner Theorie auf dem Zusammenhang zwischen bereits Erlebtem und dem Geträumten, also der Psychoanalyse. Die Traumdeutung trägt auch den Beinamen „die Via regia“, was so viel wie „der Königsweg“ bedeutet. Darauf basierend glaubt Freud, dass die Traumdeutung der Schlüssel zur Erkenntnis des Un- und Unterbewusstem im Seelenleben eines jeden Menschen ist. Träume sind somit verschlüsselte Tiefenbotschaften des Menschen, die laut Freud dechiffriert werden können. Auch wenn so manch ein Traum nicht sinnvoll erscheint, kann der Traum als Ganzes, im Sinne einer Wunschfindung gedeutet werden. Damit man versteht, dass Freud für die Entstehung der Traumdeutung von immenser Bedeutung ist, sollte erwähnt werden, dass sein Buch „die Traumdeutung“ als eines der einflussreichsten und meistgelesenen Bücher im 20. Jahrhundert ist.

Die Neurophysiologie und Neurobiologie

Freuds Hypothesen um das Thema Träumen waren bis zum Jahr 1953 ausschließlich Hypothesen, zu denen es keinerlei Beweise gab (auch wenn eine Vielzahl von Freuds Thesen widerlegt werden konnte, darf die Wichtigkeit seiner Arbeit nicht unterschätzt werden). Dies änderte sich mit der erstmaligen Entdeckung der REM-Phase (Rapid Eye Movement) im Schlaf, die in Chicago von Eugene Aserinsky entdeckt wurde. Der Schlaf rückte mit dieser Entdeckung zunehmend in den Fokus der Forscher und bereits 1962 gelang es Forschern an der Universität Lyon einen Bereich im Gehirn zu lokalisieren, der „Pons“ genannt wird, der für die Steuerung der Schlafphasen verantwortlich ist. Erst aufgrund dieses Wissens konnten Psychologen nach und nach die Bedeutung der Schlafphasen analysieren und interpretieren. 1971 wurde das reziproke Interaktionsmodell von McCarley und Hobson entwickelt. Jenes versucht zu beschrieben, wie der Wechsel zwischen der REM- und der NREM-Phase während des Schlafens abläuft. Auf Basis dieses Modells entwickeln Sie 6 Jahre später die Aktivierungs-Synthese-Hypothese, die erstmalig das Zustandekommen des Traumes an sich erklärt. Demnach sind zufällig produzierte Erregungsmuster, die von Neuronen im Hirnstamm produziert werden, der Grundbaustein des Traumes. Während des Schlafes ist der Cortex im Hirn aktiv und interpretiert diese Muster in einen sinnvollen Zusammenhang. Dies ist die Entstehung eines Traumes. Das Ergebnis des Modells löste heftige Reaktionen in vielen Forschungsfeldern aus, besonders in der Psychoanalyse, da die Kernaussage des Modells war, dass Träume keine Bedeutung haben, da es zufällige Interpretationen des Kortex von niederen Gehirnfunktionen seien. Eine Hypothese hat in der Psychologie so lange bestand, bis Sie einmalig widerlegt wird. Gänzlich widerlegt wurde diese These nie, jedoch wies sie immer häufiger Anomalien und Diskrepanzen auf. Insbesondere bizarre Trauminhalte sprechen gegen das Modell und Hobson selbst schränkte sein Modell ein und führte weiter aus, dass Gedächtnisinhalte beim Träumen eine entscheidende Rolle spielen und von seinem Modell nicht berücksichtigt werden. Darüber hinaus behandelt das Modell ausschließlich Träume in der REM-Phase, während das Träumen außerhalb dieser Phase nicht erklärt werden kann. Heutzutage dient das Modell lediglich zum Beschreiben des Wechsels der Schlafepisoden dient. Mark Solms ist der Ansicht, das kein direkter Zusammenhang zwischen REM-Schlaf und Träumen besteht, sondern Träume höheren Gehirnfunktionen zuzuordnen seien. Dies begründete er dadurch, dass Traumata-Patienten, die keine REM-Träume haben, dennoch von Träumen berichteten und er greift wiederum Freuds Theorie des Traumes als Schlafhüter auf.

Insbesondere der Psychoanalytiker und Neurobiologe Sheyrin befürwortete Freuds Ansatz um die psychoanalytische Traumtheorie. Sheyrinm hatte nach einer Vielzahl von Experimenten die Erkenntnis gewonnen, dass das Unbewusste ein Abwehrmechanismus des Menschen ist und Träumen somit in einen größeren Kontext, als die physiologische Ursache einzuordnen ist. Vielmehr bestätigen viele psychologische Experimente die Vermutung von Freud, dass beim Träumen Erlebtes und Erwünschtes unbewusst verarbeitet werden. Gut 100 Jahre nach der Traumdeutung versucht die moderne Traumforschung Biologie und Psychologie zu verbinden um eine Erklärung des Träumens und der Trauminhalte zu finden.

Viele psychologische Theorien

Bezüglich des Träumens gibt es viele Theorien in der Welt der Psychologie, ob nun der Mensch als selbstregulierendes System betrachtet wird, welches versucht seine Kohärenz aufrecht zu halten versucht. Spannend ist aber weniger die Betrachtung des Systems, welches träumt, sondern der Traum an sich. Der Traum gilt als psychische Aktivität, die in den häufigsten Fällen im Schlaf auftritt und von Bildern und starken Gefühlen begleitet wird. Nach Strickgold (2001) ist der Traum eine „bizarre oder halluzinatorische mentale Aktivität […]die während eines Kontinuums an Schlaf- und Wachstadien einsetzt.“

Aber so wirklich greifbar ist der Traum nicht, ist er doch lediglich eine Vorstellung des inneren Ichs, bei dem zwischen dem geträumten, dem erzählten und dem gedeuteten Traum unterschieden wird. Der geträumte Traum ist Ausdruck neurophysiologischer Funktionen und er enthält weder Worte noch eine Bedeutung. Der gedeutete Traum hingegen ist der empfundene Traum, der mit tiefgreifenden Emotionen aus Sicht der eigenen Person einhergeht. Der erzählte Traum hingegen kann zum besseren Verständnis, ähnlich einem Zuhörer einer Geschichte beschrieben werden.

Die Überzeugungskraft und der Wirklichkeitscharakter von Träumen werden von Mensch zu Mensch und von Traum zu Traum in verschiedenen Intensitäten erlebt. Wie bereits erwähnt, können sich nicht alle Menschen an Ihre Träume erinnern, was daran liegt, dass die Phase zwischen Traum und Wachzustand eine zu große zeitliche Spanne aufweist. Dies kann aber durch ein Aufwecken im richtigen Moment umgangen werden, denn wird ein Mensch direkt in seiner Traumphase geweckt, so kann er über seinen Traum berichten. Der verpasste Traumabschnitt wird in der nächsten folgenden Schlafphase nachgeträumt. Wacht ein Individuum auf natürlichem Wege auf und kann sich an einen Traum erinnern, spricht man von den Morgenträumen. Diese entstehen durch das erwachen des Großhirns, das während der Schlafphase inaktiv ist. Erinnert sich ein Individuum an einen Traum bedeutet dies auch, dass das Großhirn, wenn auch nur mit geringer Aktivität, am Traumgeschehen beteiligt war.

Bewusstseinszustände

Im Regelfall erleben Individuen Träume sehr real und durchleben dabei verschiedenste Szenarien, die aufgrund des Vergessens, nicht bewusst reflektiert werden können. Die Wahrnehmung des Traumes erfolgt überwiegend bildlich, aber auch alle anderen Sinne können während des Traumes erlebt werden. Der Träumer an sich unterliegt während des Träumens einer Vielzahl von Gefühlen und Gemütszuständen, über die er im Regelfall keine Kontrolle hat. Darüber hinaus ist ein gravierender Unterschied zwischen geträumten und der Realität, die Selbstreflexion. Im Traum unterliegt ein Individuum einem häufigen Rollenwechsel, welches es nicht bewusst kontrollieren kann und auch die Entscheidungsfreiheit ist nicht vorhanden oder wenn, dann nur äußerst begrenzt.

Das Traumgeschehen ist ein innerpsychischer Prozess, dessen Ursache, Wirkung und Notwendigkeit bislang nicht ausreichend erforscht wurden. Aus psychologischer Sicht macht es keinen oder nur einen wenig merklichen Unterschied, ob ein Individuum einen Traum während des REM-Schlafes, des NREM-Schlafes oder im Wachzustand hat. Über all diese Träume hinweg ist der oben beschriebene Bewusstseinszustand eines Individuums anzunehmen.

Dem bewussten Verarbeiten von erinnerten Träumen wird in verschiedenen psychologischen Disziplinen eine hohe Bedeutung für die psychische Gesundheit beigemessen.

Bisherige Untersuchungen und Erkenntnisse

Grundsätzlich sind die Erkenntnisse der Traummessung immer eng an neurobiologische Prozesse gekoppelt. Um den Traum besser zu verstehen, arbeiten Psychologen mit Neurobiologen zusammen und erkunden so das Fachgebiet des Traumes. Reine psychologische Traumanalysen werden lediglich bei Individuen durchgeführt, die von Ihren Träumen belastet werden, oder durch Traumata ein belastetes Schlafbild haben. Warum also arbeiten Psychologen eng mit Neurobiologen zusammen? Um diese Frage zu beantworten, muss man wissen, dass durch ein EEG nachgewiesen wurde, das eine psychische Aktivität während des Träumens vorhanden ist und das die REM-Schlafphase überwiegend von bildhaften Träumen geprägt ist.

Psychologen beschäftigen sich seit Langem mit der Handlung von Träumen, aus diesem Grund werden Probanden in Schlaflaboren geweckt und zu Ihren nächtlichen Träumen befragt. Während des Schlafens werden die Aktivitäten im Gehirn aufgezeichnet. Somit können Ursache-Wirkungs-Beziehungen der Gehirnströmungen in Träumen festgestellt werden. Es handelte sich bei diesen Erkenntnissen nur um sehr allgemeine Aussagen, die bis zu einer Untersuchung im Jahr 2011 nicht konkreter festgehalten werden konnten.

Im Max-Planck-Institut wurde erstmalig eine Analyse der Hirnaktivitäten während eines Traumes ermöglicht. Somit wurde erstmalig nachvollziehbar, ob ein Proband träumt oder nicht. Um einen besseren Einblick in die kognitiven Vorgänge eines Menschen zu gewinnen, untersuchten Forscher Menschen mit luziden Träumen. Diese stellen eine Besonderheit dar, da Menschen Menschen mit luziden Träumen bewusst Ihre Träume steuern und Ihre Handlungen anpassen können. Dazu wurden zwei luzide Träumer im Kernspintomografen untersucht. Sie sollten bewusst träumen, d. h. eine vorgegebene Handlung im Traum nachstellen. Damit die Forscher erkannten, ob es sich um einen luziden Traum handelt, sollten die Träumer, während ihres luziden Zustandes, diesen mit speziellen Augenbewegungen melden. Das ist im Übrigen die einzige Möglichkeit, ein Signal an die Außenwelt abzugeben, während man in der REM-Schlafphase ist. Anschließend sollte der luzide Träumer zuerst die Handlung träumen die linke und dann die rechte Hand für einen gewissen Zeitraum zu ballen.

Überaus faszinierend ist die Tatsache, dass die gemessenen Hirnströme des vereinbarten Traumes, in der sensomotorischen Großhirnrinde die gleichen sind, wie sie für das Ausführen der tatsächlichen Bewegung nötig wären. Zur Überprüfung wurde die Gehirnaktivität der Probanden im Wachen Zustand erneut gemessen und es konnten ähnliche Reaktionen der sensomotorischen Großhirnrinde festgestellt werden. Diese Überschneidung zeigt erstmalig, dass eine Messbarkeit von Trauminhalten möglich ist. Die Entdeckung an sich ist stellt einen Durchbruch in der Traumforschung dar, da so zukünftig, Aktivierungsmuster bei visuellen Traumwahrnehmungen gemessen werden können. Im Klartext bedeutet dies, dass der Inhalt von Träumen bereits während des Schlafens analysiert werden kann. Mittels der sogenannten Nah-Infrarot-Spektroskopie konnte weiterhin beobachtet werden, dass Individuen den Bereich Ihres Gehirnes aktivieren, der für das Planen und Ausführen von Handlungen zuständig ist. Somit ist träumen aus Sicht der Psychologie kein passives Geschehen, das nur beobachtet wird. Traumhandlungen schließen also relevante Regionen des Gehirnes mit ein die für die jeweilige geträumte Handlung relevant sind.

Natürliche Faktoren für die Erinnerung an Träume

Grundsätzlich werden in der Psychologie zwei Faktoren für die Erinnerung an Träume aufgegriffen. So werden diese in Trait- und State-Faktoren unterschieden. Trait-Faktoren sind stabile Merkmale eines Individuums und beinhalten die Persönlichkeit, Intelligenz, Kreativität und Ähnliches. Die State-Faktoren sind jede, die eher interessant bei psychiatrischen Untersuchungen sind, da diese kurzfristig wirkende Einflüsse und wichtige Lebensereignisse aufgreifen. Die Unterscheidung zischen den beiden ist aber nur in den wenigsten Fällen exakt möglich. Was ein Traum ist, wieso wir eigentlich träumen und welche Ursachen für einen bestimmten Traum zugrunde liegen, an diesen Fragen arbeiten Psychologen rund um die Welt und machen um das Mysterium Traum kleine Fortschritte.

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