Der Traum in der Literatur

In der Literatur ist das Traummotiv ein wichtiger Bestandteil geworden. In der Romantik (1798-1835), dem Expressionismus (1905-1925) und dem Surrealismus (1922-1930) wurden Träume und Visionen als Elemente genutzt.

Der Traum in der Literatur 250x250

Der Ursprung in der antiken Literatur

Die griechischen Dramatiker und Philosophen Aischylos und Sophokles prägten das Traummotiv bereits in der Antike durch ihre literarischen Werke. In ihren Schriften erscheint der Traum in vielen unterschiedlichen Varianten. Er kündigt Katastrophen und Unheil an, er warnt die Charaktere und ruft Ängste hervor. Außerdem lassen sich aus dem Traum zukünftige Ereignisse deuten, sowie Lehren und Einsichten vermitteln. Der Reiz des Traummotivs in der Literatur liegt in seiner Möglichkeit, unterschiedlichste und widersprüchliche Deutungen aufstellen zu können. Daraus entwickelten sich vielseitige Ungewissheiten und Spannungen, die die Zuschauer in den antiken Theatern fesselten. In der heutigen Zeit wird diese Doppelfunktion des Traummotivs nicht nur zur bewussten Lenkung des Handlungsverlaufs genutzt, sondern hat ebenfalls Einfluss auf die Phantasie des Zuschauers.

Das Traummotiv in der weiteren Entwicklung

Durch den Einfluss der Antike wurde das Traummotiv in den weiteren literarischen Epochen mit anderen Motiven wie Doppelgänger, Sonderling und Rebell in Verbindung gesetzt. Auch Wahnsinn, die heimliche Liebe und die Alchemie waren Themen, mit denen der Traum in der Literatur eng verknüpft wurde. In der biblischen Erzählung von Joseph in Ägypten und in der deutschen Erzählung „Der träumende Bauer“ aus dem 16. Jahrhundert kommt dem Traummotiv ebenfalls eine wichtige Bedeutung zu.

Die Geschichte des träumenden Bauern

Die Geschichte des träumenden Bauern erzählt von einem einfachen Mann, der am Abend einen Schlummertrunk zu sich nimmt, ruhig einschläft und am nächsten Morgen in einem fürstlichen Bett erwacht. Sorglos lebt der einstige Bauer das Leben eines reichen Mannes, ohne sich an sein früheres Leben zu erinnern. Der reiche Mann erwacht eines Morgens wieder in seinem alten Stand als Bauer. Das Traummotiv ist in der Erzählung verbunden mit Sehnsüchten, dem Überwinden der Stände sowie versteckten Wünschen von einem besseren Leben. Bis heute lässt sich der Traum in verschiedenen Varianten in Geschichten wiederfinden.

Spannung zwischen Figuren und Leser aufbauen

Bereits seit der Antike ist das Motiv Traum eng mit der europäischen Literatur verbunden. Es wird nicht nur der rätselhafte Inhalt des Traumes geschildert, vielmehr werden auch widersprüchliche Deutungen aufgeworfen. In diesem Zusammenhang war oftmals die entscheidende Frage, ob und in welcher Weise sich das Geträumte im Verlauf der Handlung erfüllen wird. Dies war ein wichtiges Element, welches beim Leser Spannung aufbaute. In Friedrich Schillers „Wallenstein“ aus dem Jahre 1799 bestimmt dieses Thema exemplarisch den gesamten Handlungsverlauf.

Der Reiz des Autors, das Traummotiv in seinem Buch zu verwenden, liegt im Verhältnis des Wissens und Nichtwissens zwischen Leser und den Figuren im literarischen Werk begründet. Während der Leser meist besser über die Gründe des Traumes informiert ist, sind sich die Figuren über die Bedeutung ihres Geträumten meist nicht im Klaren. In einigen literarischen Werken wissen die Charaktere im Gegensatz zum Leser in der Handlung gar nicht, dass sich ihr gesamtes Denken, Fühlen und Erleben in einer Traumwelt bewegt. In seinem Roman „Der Baron Bagge“ von 1936, greift der Autor Alexander Lernet-Holenias diesen Kontrast auf.

Ungebunden an literarische Gattungen

Das Traummotiv spielt in der Epik, Lyrik sowie im Drama eine wichtige Rolle und ist somit an keine bestimmte literarische Gattung gebunden. Besonders häufig nahm der Traum in der Romantik (1798-1835), im Expressionismus (1905-1925) und im Surrealismus (1922-1930) Einfluss auf den Handlungsverlauf. Die wichtigsten Werke in diesem Zusammenhang sind der Roman von E.T.A. Hoffmann „Die Elixiere des Teufels“ (1815-1816), die Erzählung „Ein Traum“ (1920) von Franz Kafka, „Joseph und seine Brüder“ (1933-1943) von Thomas Mann sowie das Drama von Wolfgang Hildesheimer „Die Verspätung“ (1961).

Die Romantik, Freud und Eichendorff

In der Romantik des 19. Jahrhunderts spielt das Traummotiv eine entscheidende Rolle. Neue Variationsmöglichkeiten des Traums in Roman- und Dramenhandlungen wurden von Schriftstellern wie Clemens Bretano, Ludwig Tieck und Joseph von Eichendorff weiterentwickelt. Das sogenannte Dahindämmern stand insbesondere im Fokus der Autoren: Dabei befinden sich die Figuren in einem weichen, seelisch ruhigen Zustand zwischen Wachsein und Schlafen. Daraus entstanden hoch assoziative Traumbilder, denen im Spiel mit Farben, Stimmungen, Gefühlen, Sehnsüchten und dem typischen, krisenbewussten Geist der romantischen Epoche, literarisch keine Grenzen gesetzt waren. Auch Ängste, Ressentiments und Todesahnungen waren ein fester Bestandteil dieser Traumbilder.

Durch die Psychoanalyse von Sigmund Freud im Jahr 1890 befassten sich um die Jahrhundertwende zahlreiche Schriftsteller mit dem Traum und dessen Verbindung zum Unbewussten. In der Literatur ist die „Traumdeutung“ (1899) das bedeutendste Werk von Freud. Im 20. Jahrhundert galten die Dramen und Erzählungen von Arthur Schnitzler als Paradebeispiel für die Verbindung des Traummotivs mit dem Unbewussten. Die Handlung in der „Traumnovelle“ (1925) umfasst im hohen Maß die menschlichen Gedanken und Handlungen, die von verdrängten Erfahrungen, Wünschen und Sehnsüchten beeinflusst wurden. Erotik und Sexualität sind dabei als elementare Antriebskräfte anzuführen.

Das Traummotiv im Expressionismus und Surrealismus

Neben der Bedeutung in der Literatur des 20. Jahrhunderts, wird dem Expressionismus wie dem Surrealismus eine entscheidende Rolle in der modernen Kunst beigemessen. Bis in die heutige Zeit lassen sich die Techniken und Gedanken beider Epochen in der Malerei, bildenden Kunst, der Fotografie und im Film wiederfinden.

Das expressionistische Denken vom Ende der Welt

Im Expressionismus wurde vor allem der Albtraum thematisiert, der häufig in eine rauschhafte und zerstörerische Ekstase gesteigert wurde. Untergangsvisionen, die vom Zerfall des Individuums erzählten und das Ende der Welt verkündeten, wurden auch sehr oft aufgegriffen. Exemplarisch gelten hier die Gedichte von Gottfried Benn „Kokain“ und Johannes R. Bechers „Verfall“.

Die traumartige Überwirklichkeit des Surrealismus

Der Surrealismus war geprägt von Freuds Traumdeutung und den literarischen Werken der Expressionisten. Das Unbewusste galt in dieser Epoche als wichtigste Quelle der Kunst. Die surrealistischen Dichter suchten die Wahrheit in Visionen, Träumen und exzessiven Rauschzuständen. Die Verbindung von traditionellen Widersprüchen wie Leben und Tod, Tag und Nacht sowie die Erschaffung einer traumartigen Überwirklichkeit, die den Menschen aus inneren und äußeren Zwängen befreien sollten, waren Ziel des Surrealismus.

Alte Vorbilder für neuartiges Denken

Nach dem Zweiten Weltkrieg, befassten sich die Existenzialisten intensiv mit dem Traummotiv, um die Identitätskrisen des modernen Menschen in einer überzivilisierten und entfremdeten Welt darzustellen. Als ihre Vorbilder galten hauptsächlich die Literaten aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die dem Symbolismus, Expressionismus und Surrealismus zuzuordnen sind. Besonders Franz Kafka mit seinen albtraumartigen und anonym-bedrohlichen Werken, rückte in den Fokus vieler Schriftsteller. Die Existenzialisten schufen in ihren Werken mit Traummotiven keine eigenständigen Innovationen, sondern beriefen sich nach dem Zweiten Weltkrieg auf alte Literaturwerke vergangener Epochen.

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