Traumdeutung: Fisch

Wasser ist das Element der Fische, die damit als Symbol für die Verbindung zwischen bewusstem Ich und unbewusstem Selbst stehen. Erst durch diese Verbindung erfahren wir Ganzheit. So auch in der Traumdeutung:

Wer sich wie ein Fisch im Wasser tummelt, der geht ganz in seinem Element auf, dem ist es gelungen, eine Harmonie zwischen Denken, Fühlen und Handeln zu erlangen. Zeigt der Traum jedoch Störungen in diesem Verhältnis an, ist beispielsweise das Wasser getrübt, sind die Fische hungrig, krank oder gar tot, so liegt darin der genau gegenteilige Hinweis. Der Träumende wird dann auf eine Einseitigkeit aufmerksam gemacht. Je nach Symbolgehalt kann diese in einer zu hitzigen Emotionalität, in einer Trübung des Bewusstseins oder des seelischen Empfindens oder aber in einer einseitigen Ausbildung seiner kühlen Verstandeskräfte liegen. 

Diese Einseitigkeit führt zu einem Handeln, das den Träumenden nicht weiterbringt, ihn behindert, ihn ins Stocken geraten lässt. Erst der Ausgleich führt dazu, dass alles wieder im Fluss ist, dass er sich wie der Fisch im Wasser frei und dynamisch bewegen kann. 

Für eine weitere Interpretation spielt zudem das Aussehen des Fisches oder der Fische eine Rolle. Glänzen die Schuppen oder sind sie aus Gold, so deutet dies auf einen materiellen oder seelischen Reichtum. Ein kranker, farbloser Fisch dagegen deutet auf Mangel. Stellt ein riesiger Fisch eine Bedrohung dar, so wirft der Traum die Frage auf, wovon der Träumende sich verschlingen lässt.

Der Traum von den Fischen: Ein Beispiel

Im Traum durchwandert Lisa einen dunklen Wald. Sie trägt einen schweren Rucksack. Endlich gelangt sie an eine Lichtung, an der sich ein stiller Teich befindet. Das Wasser ist ruhig, doch unterhalb der Wasseroberfläche entdeckt sie bunt glitzernde Fische, die hungrig zu sein scheinen. Erschrocken bemerkt Lisa, dass sie kein Fischfutter dabei hat. Sie durchwühlt ihren Rucksack, kann aber nichts finden. Schließlich erblickt sie auf der anderen Seite des Teiches eine hell gekleidete Frau, die ihr zuwinkt. Lisa lässt den schweren Rucksack einfach liegen und läuft zu der Frau. Als sie erwacht, fühlt sie sich einen Moment lang schwerelos.

Spirituelle Wiedergeburt

Betrachtet man den gesamten Traumverlauf vor diesem Hintergrundwissen, so kann sich Lisa durchweg glücklich schätzen. Nach einer belasteten Wanderung gelangt sie zu ihrem stillen, tiefen Selbst. Dort bemerkt sie, dass sie etwas Wichtiges vergessen hat – die Verbindung zwischen Unbewusstem und Bewusstem scheint gestört. Doch das Wühlen im Gepäck – in dem, was sie auf ihrem Lebensweg bereits eingesammelt hat – bringt keine Lösung. 

Schließlich zeigt sich ihr eine Gestalt, die in der Mythologie als weiße Frau bekannt ist. Dabei handelt es sich nicht etwa um ein Gespenst, sondern um eine weise Frau, der im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Fähigkeiten und Aufgaben zugesprochen wurden. So soll sie für die Fruchtbarkeit und Ernte stehen und sich der Seelen verstorbener Kinder annehmen. 

In Lisas Traum deutet sie auf die Leichtigkeit einer spirituellen (Wieder-)Geburt, die eintreten kann, wenn wir den Ballast, der sich in unserem Rucksack befindet, abgelegt haben. Statt darin nach Futter für unser Unbewusstes zu suchen, ist es an der Zeit, sich von vergangenen Ereignissen freizumachen, um auf neue Art ganz zu werden.

Individuelle Deutung des Traumes von Fischen

Traumsymbole haben als Archetypen eine allgemeine, von der Persönlichkeit unabhängige Bedeutung und unterliegen doch zugleich immer der individuellen Interpretation. Nicht anders verhält es sich beim Symbol des Fisches. Die einen verbinden damit Kälte und Nässe, für die anderen drücken sich darin Urinstinkte und die Nähe zu unserer Herkunft aus dem Wasser aus. Wer mit der christlichen Symbolik vertraut ist, wird im Fisch das Symbol für Jesus erblicken. Für die Interpretation entscheidend ist es also letztlich, wie der Träumende das Allgemeine im Symbol selbst bewertet, welche Emotionen und gedanklichen Assoziationen damit einhergehen. 

Haben Sie von einem Fisch oder von mehreren geträumt, können Sie sich der individuellen Deutung beispielsweise mit den folgenden Fragen nähern:

• Wie sah der Fisch aus? Fühlte er sich wohl oder litt er an einer Krankheit, einem Mangel?
• In welchem Verhältnis stand ich als Träumender zu dem Fisch? Zeigte er mir etwas oder bestand ein Handlungsbedarf?
• War der Fisch allein oder in Gesellschaft? Wer und was spielte im Traum noch eine Rolle?

Fische im Wasser drücken eine ähnlich positive Lebensstimmung aus wie junge Hunde, die auf einer Wiese herumtollen. Da ihr Element aber das Unbewusste ist, deuten sie auch auf einen tief greifenden Wandel. Dieser kann im emotionalen oder aber im spirituellen Erleben zu finden sein. In jedem Fall sollten Sie als Träumende/r davon ausgehen, dass es in naher Zukunft zu einer bedeutenden Erkenntnis kommen wird, die – sofern Sie diese zulassen – Ihr Leben entscheidend verändern kann.

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