Halluzinationen – Das Träumen auf einer anderen Ebene

Halluzinationen und luzide Träume – sogenannte Klarträume – ähneln sich vielfältig. Schlafforscher haben daher das methodischen Problem, wenn es um die genaue Analyse hinsichtlich Beginn und Dauer eines luziden Traumes ihrer Probanden geht, dass deren Traumerinnerungen oft verzerrt sind und die luziden Träume mit Halluzinationen, die beim Aufwachen entstehen, vermischt werden. Um solche Fehldeutungen auszuschließen und den Zeitpunkt des Klarträumens möglichst genau bestimmen zu können, nutzen Schlafforscher die Augenbewegungen der Teilnehmer in der REM-Phase.

Dies wirft die Frage auf, was eigentlich die Kennzeichen und Ursachen von Halluzinationen sind. Hallzinationen sind Sinnestäuschungen und Trugbilder, bei denen die Betroffenen sehen, riechen, schmecken, hören oder gar fühlen können, ohne dass die Reize real im „Außen“ existieren. Halluzinationen werden deshalb auf den ersten Blick sehr leicht mit einem Traum gleichgesetzt, bei dem die Erlebnisse ebenfalls auf einer nicht „realen“ Ebene – sondern inneren Ebene – stattfinden. Der Unterschied besteht jedoch in den Ursachen dieser Sinnestäuschungen. Die Trugwahrnehmungen werden oft durch seelische oder körperliche Erkrankungen auslöst. Ein Traum hingegen ist ein „natürlicher“ Vorgang des Unterbewusstseins erlebte Erfahrungen zu verarbeiten.

Die Ursachen

Die Ursachen von Halluzinationen sind vielfältig. Sie können durch psychische Erkrankungen wie Psychosen oder Schizophrenie ausgelöst werden. Alkohol- und Drogeneinfluss, allen voran Halluzinogene wie Marihuana, Kokain, oder LSD können ebenfalls Sinnestäuschungen hervorrufen – ebenso deren Entzug. Außerdem sind Halluzinationen auch bei physischen Erkrankungen wie Hirntumoren eine weit verbreitete Begeleiterscheinung.

Weitere Ursachen von Halluzinationen

  • Fieber
  • Erblindung oder Gehörverlust
  • Phantomschmerz bei Amputation
  • Situationen extremer Einsamkeit

In der ärztlichen Diagnose müssen Halluzinationen von Illusionen unterschieden werden. Eine Illusion ist eine Form der Trugwahrnehmung: So kann beispielsweise ein Busch als kauernde Person missinterpretiert werden. Weiters müssen Halluzinationen von Pseudohalluzinationen unterschieden werden: Der Betroffene ist sich bei Pseudohalluzinationen vollkommen darüber bewusst, dass seine erlebte Sinnestäuschung nicht real existiert. Meist wird diese durch akuten Schlafmangel oder Alkoholeinfluss hervorgerufen.

Arten von Halluzination

Halluzinationen lassen sich durch ihre Ursachen und unterschiedlichen Auswirkungen in Kategorien einordnen. Die verschiedenen Formen der Sinneswahrnehmungen umfassen akustische, optische, olfaktorische, gustatorische und taktile Halluzinationen.

Sinnestäuschungen hören

Akustische Halluzinationen umfassen Sinnestäuschungen im Bereich des Hörens. Man unterscheidet an dieser Stelle zwischen dem Hören von Stimmen und den sogenannten Akoasmen. Letztere sind elementare Wahrnehmungen – sie sind einfach und ungeformt. Betroffene hören Geräusche wie Knacken, Pfeifen, Schritte oder Musik. Die Stimmen hingegen kommentieren das Verhalten des Patienten oder fordern ihn direkt zu Handlungen auf. Sie haben in ihren Ausprägungen dialogischen, imperativen oder kommentierenden Charakter. Beim dialogischen Aspekt hört der Patient beispielsweise mehrere Stimmten in seinem Kopf, die sich über ihn unterhalten. Bei den Akoasmen hört der Betroffene dagegen Musik in seinem Kopf, die wie im Radio abgespielt wird.

Sinnestäuschungen sehen

Optische Halluzinationen sind Trugwahrnehmungen im Bereich des Sehens. Man unterscheidet zwischen elementaren und ungeformten Sinnestäuschungen sowie den sogenannten Photomen. Während erstere das Sehen von farbigen Flächen, Lichtblitzen und Schatten umfassen, sieht der Patient bei den Photomen bildhafte Szenen wie Menschen, Tiere oder Gegenstände, die in der Realität nicht existieren.

Olfaktorische und gustatorische Halluzinationen

Diese Form der Halluzinationen umfasst das Riechen und Schmecken von Trugwahrnehmungen. Patienten geben in ihren Erfahrungsberichten an, Gas zu riechen, einen Verwesungsgeruch wahrzunehmen oder Gift im Essen herauszuschmecken.

Die drei unbekanntesten Halluzinationsformen

Die sogenannten Zonästhesien sind Trugwahrnehmungen im Bereich der eigenen Körperwahrnehmung. Diese werden nicht von außen beeinflusst. Der Betroffene erfährt die Halluzination, dass seine Leber immer weiter wächst oder dass sich sein Herz wie eine Eisenkugel in der Brust anfühlt.

Eine weitere und gleichsam noch sehr unbekannte Form ist die Leibhalluzination. Im Gegensatz zu den Zonästhesien werden die Sinnentäuschungen hier in der körperlichen Selbstwahrnehmung von äußerlichen Faktoren hervorgerufen. Patienten haben beispielsweise das Gefühl, ihre Schmerzen im Rücken seien durch Bestrahlungen ausgelöst.

Sinnestäuschungen, die in den Bereich des Fühlens fallen, nennen sich taktile Halluzinationen, welche die gesamte Bandbreite an Modalitäten – Berührung, Vibration, Temperatur oder Schmerz – umfassen. Patienten halluzinieren beispielsweise, dass warmes Wasser über ihre Hände läuft.

Keine Angst vor Halluzinationen haben

Hat ein Mensch Halluzinationen, dann sollte er in der Regel professionelle Hilfe aufsuchen, denn die Ursachen liegen meist in psychischen Störungen, Halluzinogenen, Entzug von Rauschmitteln oder im harmlosesten Fall in Schlafentzug.

Der Psychologe Erich Kasten ist anderer Meinung: Seiner Meinung nach kann jeder Mensch Trugbilder sehen, welche in der Regel völlig harmlos sind. Menschen im hohen Alter beispielsweise, die sehr oft alleine sind und wenig soziale Kontakte haben, hören nicht selten Stimmen, obwohl sie psychisch vollkommen gesund sind. Dieses Phänomen wird verstärkt, wenn die Betroffenen über ein schlechtes Gehör verfügen. Laut Kasten lassen sich diese Erlebnisse nicht von krankhaften Halluzinationen unterscheiden, denn sowohl die soziale Isolation als auch die Schizophrenie können dazu führen, dass jemand Stimmen hört oder Bilder sieht. Eine Unterscheidung zwischen normalen und krankhaften Halluzinationen würde nach Meinung Kastens keinen Nutzen bringen. Nur ein Bruchteil der Betroffenen sei psychisch erkrankt oder schizophren.

Professionelle Hilfe suchen

Halluzinationen können auch erschreckenden Charakter annehmen: Familienangehörige in einer Badewanne voller Blut, im Kleiderschrank erdrosselte Menschen am Seil oder Bäume mit Ästen die wie Arme um sich greifen. Diese Halluzinationen sind nicht selten auf eine Borderline-Persönlichkeitsstörung zurückführen und man sollte sich dringend in ärztliche Beratung begeben.

Menschen, die stark unter ihren Halluzinationen leiden, sind generell am besten mit einer medizinischen und psychotherapeutischen Behandlung beraten. Darüber hinaus können die Betroffenen aber auch lernen, ihre Sinneswahrnehmungen zu akzeptieren und mit ihnen zu leben. Der Psychologe Erich Kasten berichtet von einer jungen Patientin, die dies seit 5 Jahren schafft: Wenn das Mädchen nach Hause kommt und eine schwarze Figur auf dem Sofa sitzt, begrüßt sie sie einfach freundlich. Das Wichtigste sei nach Meinung von Kasten, den Menschen im Gespräch ihre Angst und Panik zu nehmen.

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