Hirnforschung: Wieso vergisst der Mensch seine Träume?

Ein Mensch schläft nach Einschätzung von Schlafwissenschaftlern rund ein Drittel seines gesamten Lebens. Eine Zeit, die sehr oft keine bewusste Erinnerung hinterlässt, denn Träume vergisst der Mensch zumeist. Der Schlaf festigt Erinnerungen und schafft, durch die Verarbeitung der Tageserlebnisse, Ordnung in der Psyche.

Alle Menschen träumen. Wer behauptet, nie zu träumen, liegt falsch, denn meistens kann man sich einfach nicht an seine nächtlichen Träume erinnern – wahrscheinlich ein Schutzmechanismus des Gehirns. Dies ist so zu erklären, dass die menschliche Psyche bizarre Träume genauso real wahrnimmt, wie die wach erlebte Wirklichkeit. Der Träumende erlebt und lernt demnach nicht weniger als der Wache. Beides zusammen bildet das Bewusstsein des Menschen. Genau an dieser Stelle könnte die Psyche eine Sperre eingerichtet haben. Denn wäre die wirre Traumwelt ebenfalls ein Teil des Gedächtnisses, würde man sich in einem ständigen, unentwirrbaren Hin und Her zwischen Realität und Traum bewegen. Was ist real und wann ist der Mensch am Träumen – es wäre nicht mehr klar abzugrenzen. Es wäre ein wirres Durcheinander bei dem Gefahr droht, dass das ganze menschliche „Sein“ im puren Chaos versinkt . Aus diesem Grund sorgt das Gehirn dafür, dass man sich nur an Träume erinnert, wenn man direkt aus dieser Traumphase erwacht.

Traumerlebnisse durch wissenschaftliche Methoden real erleben

Um wissenschaftlich belegen zu können, wer sich an Träume erinnert, hat die Schlafforschung die sogenannten Trait- und State-Faktoren entwickelt: Die Charaktereigenschaften (Traits) werden in Bezug zum momentanen Zustand (State) gesetzt. Die Trait-Faktoren sind feste Merkmale im individuellen Persönlichkeitsmuster und umfassen das Schlafverhalten, Fantasiebegabung, visuelles Gedächtnis und die innere Einstellung zum Träumen. Unter State-Faktoren fallen äußere Einflüsse die den Schlaf beeinflussen, wie z.B. Medikamente, Alkoholkonsum, Stress und Krankheiten. Es ist bewiesen, dass kreativ veranlagte Personen, die ein bildhaftes Vorstellungsvermögen besitzen und zudem frei von Stress sind, gute Chancen haben ihre Träume in den Wachzustand hinüber zu leiten. Es ist in der Schlafforschung immer noch ungeklärt, ob genetische Faktoren, wie Geschlecht und Alter die Traumerinnerungen beeinflussen. Wissenschaftler sind jedoch schon so weit sagen zu können, dass Männer ihre Träume häufiger vergessen als Frauen, während Kinder intensivere Traumerlebnisse haben als Erwachsene. Sicher ist auch, dass man mit Hilfe von bestimmten Methoden trainieren kann, Träume bewusst wahrzunehmen und sich an diese erinnern zu können. So gibt es zahlreiche Testpersonen, die durch Training häufiger von ihren Schlaferlebnissen berichten können. Traumforscher empfehlen das Anlegen eines persönlichen Traumtagebuches, in das man diszipliniert die Trauminhalte am Morgen nach dem Erwachen einträgt. Diese Methode schafft Systematik und Ordnung und sorgt für eine Steigerung des Traumerinnerungsvermögens. Träume wahrhaftig und bewusst durch Training oder durch einen kreativen, stressfreien Geist wahrzunehmen oder lenken zu können, nennt man luzides Träumen. Eine gängige Bezeichnung dafür ist auch der Klartraum.

Der Versuch, das Schlafphänomen „Vergessen“ wissenschaftlich erklären

Der Traum ist für Wissenschaftler noch immer ein in vielen Teilen unerforschtes Phänomen. Um erklären zu können, wie genau Erinnerungen geformt und im Gehirn gespeichert werden sowie warum der „Schutzmechanismus des Traumvergessens“ biologisch zustande kommt, haben amerikanische Forscher am California Institute of Technology an schlafenden Ratten untersucht. Im Wachzustand feuern die Nervenzellen verschiedener Hirnregionen vermehrt Impulse ab die gut aufeinander abgestimmt sein müssen, damit sich das Gehirn im sogenannten Hippocampus erinnern kann. Anhand des Rattenversuches haben die amerikanischen Forscher festgestellt, dass besonders in der Traumphase, das heißt der REM-Phase, die Nervenzellen ihre Impulse kaum koordiniert abgeben, was für das Erinnern essentiell wäre. REM bedeutet „rapid eye movement“, die Phase in der der Mensch großteils träumt. Es ist bereits bewiesen, dass Erinnerungen im Hippocampus gebildet, jedoch an einem anderen Ort des Gehirns gespeichert werden. Aufgrund neuesten Ergebnissen vermuten Schlafforscher, dass der Neocortex, die äußere Schicht des Gehirns, als Speicherort dient. Möchte man also erreichen, dass sich der Mensch nach dem Aufstehen an seine Traumgeschichten erinnert, ist eine gute Abstimmung zwischen dem Abfeuern der Neuronen der beiden Gehirnregionen wichtig. Der Rattenversuch führte zum Ergebnis, dass die Nervenzellen in der REM-Phase unkoordiniert abgefeuert werden und sich damit negativ auf die Traumerinnerung auswirken. Sie stellten fest, dass das Timing während dieser Phase fast vollständig verschwunden war.

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