Traumdeutung: Katze

Im alten Ägypten als Göttin verehrt wurde die Katze im europäischen Spätmittelalter zu einem ambivalenten Wesen. Einerseits schützte sie vor Ratten und Mäusen, die Krankheiten übertrugen oder die Kornvorräte bedrohten, galt daher als Segen für jedes Haus. Andererseits geriet sie in den Ruf, die beste Freundin von Hexen und anderen „bösen“ wilden Frauen zu sein. 

Diese Doppeldeutigkeit des Katzenbildes ist es auch, die in der Traumdeutung bedeutend ist. Sie ist die Vertreterin einer nicht domestizierten, einer ungezähmten Weiblichkeit, die sich mal sanftmütig und anschmiegsam, mal kratzbürstig und launisch offenbart. 

Entsprechend ist für die Deutung von Katzenträumen nicht nur das Aussehen, sondern auch das konkrete Verhalten der Katze entscheidend. Handelt es sich beispielsweise um eine Katze, die sich wie eine herrische Gebieterin aufführt, deutet der Traum darauf, dass eine zu starke Fixierung auf bestimmte Persönlichkeitsmerkmale oder Wünsche im Leben des Träumenden vorliegt. Zeigt sich die Katze verspielt und anschmiegsam verweist dies auf den Wunsch nach einer Beziehung, in der Erotik spielerisch und zärtlich ausgelebt wird. Eine streunende Katze sehnt sich womöglich nach einer festen Behausung, sowohl im echten als auch im übertragenen Sinn in Form einer dauerhaften Bindung. Die Katze als gut gepflegtes Luxuswesen kann darauf deuten, dass der Träumende Lebewesen wie einen materiellen Besitz betrachtet.

Die Katze im Traum: Ein Beispiel

Im Traum steigt Lisa eine lange Treppe hoch. Endlich oben angekommen ist sie ein wenig aus der Puste und gönnt sich eine Verschnaufpause. Da sieht sie in einem Körbchen eine völlig abgemagerte und leicht verwundete Katze liegen. Neugierig nähert sie sich ihr, aber die Katze beachtet sie nicht. Erst als sie dem Tier ein Schälchen mit Futter reicht – von dem sie nicht weiß, wie es in ihre Hand gekommen ist – reagiert diese, und zwar mit einem Pfotenschlag, der eine böse Kratzspur an Lisas Arm hinterlässt. Erschrocken weicht sie zurück. In diesem Moment kommt ein kleines Mädchen hinzu. Furchtlos nähert es sich der Katze und diese lässt sich ohne Gegenwehr von dem Mädchen streicheln.

Die eigene Weiblichkeit leben

Lisa wird im Traum von der Reaktion der Katze überrascht. Statt das Hilfsangebot anzunehmen, statt sich dankbar zu erweisen, „belohnt“ die Katze Lisas Futtergabe mit einer abwehrenden Aggression. Bezeichnend ist jedoch zunächst das Aussehen der Katze: Alles deutet darauf hin, dass sie lange Zeit vernachlässigt wurde. Und zwar in einem Haus, das von Lisa bewohnt wird. Das Haus aber symbolisiert im Traum den eigenen Leib. Lisa ersteigt die Treppe zu ihrem Bewusstsein und findet dort einen Hinweis darauf, dass sie einen Teil ihrer Persönlichkeit lange Zeit geleugnet, ja ausgehungert hat. Ihre Weiblichkeit ist abgemagert und verletzt, versteckt sich hinter einem aggressiven und selbstschädigenden Verhalten. Hilfsangebote lehnt sie ab. Doch der Traum bietet ihr zugleich eine Lösung an. Denn alle Weiblichkeit beginnt mit dem kleinen Mädchen, das auch Lisa einmal war. Naiv, vertrauensvoll, furchtlos teilt sie sich der Welt mit und besänftigt dadurch auch das eben noch aufbegehrende Tier. Die Aufforderung, die der Traum enthält, scheint daher klar: Statt ihre Weiblichkeit weiterhin auszuhungern und zu verbergen, muss sie zu einem bewussten und souveränen Umgang damit finden, der ihrer Art, sich auszudrücken und nach außen zu präsentieren, gerecht wird.

Ihre individuellen Deutungsmöglichkeiten von Katzenträumen

Doch was für Lisas Traum gilt, darf nicht leichthin verallgemeinert werden. Haben Sie unlängst von einer abgemagerten Katze geträumt, so sollten Sie zunächst danach fragen, wen oder was dieses Tier symbolisierte. Nicht immer sehen wir uns selbst im Traum. Eine kranke oder misshandelte Katze kann auf einen Angehörigen oder Freund deuten, dem es nicht gut geht. Hält sie sich im Verborgenen auf, so hat man Sie vielleicht noch nicht darüber informiert oder aber Sie haben ein schlechtes Gewissen, weil Sie momentan keine Zeit finden, sich angemessen um die Person zu kümmern. 

Um der individuellen Deutung Ihres Katzentraumes näherzukommen, können Sie sich zunächst mit folgenden Fragen befassen:

  • Deutet das Wesen der Katze auf eine Emotion, einen Konflikt, auf dominierende oder unterdrückte Wesensmerkmale, mit denen ich mich bewusster auseinandersetzen muss?
  • Lebe ich meine weiblichen Aspekte – und das gilt auch für Männer – angemessen aus?
  • Gibt es in meiner näheren Umgebung Menschen, die auf Hilfe von mir warten, oder Personen, die mir schaden wollen?

Fühlt eine Katze sich wohl und wird sie ihrer Art entsprechend gut behandelt, so zeigt sie ein unabhängiges, aber sanftmütiges und harmonisches Wesen. Ist dies nicht der Fall, so kann sie zum Raubtier werden. Im Traum symbolisiert sie daher Ihre Chancen im Leben ebenso wie die Gefahren, die sich im Hinterhalt verbergen. Durch Fürsorge und Aufmerksamkeit wird aus der kleinen Schoßkatze eine souveräne Katzendame, die schließlich Weisheit und spirituelle Erfahrung in ihr Leben integriert. Auch darin äußern sich Stationen und Formen der Weiblichkeit, die ebenso beachtet werden wollen wie Liebe, Lust und Leidenschaft.

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