Traumdeutung: Maus

„Ist die Katze aus dem Haus, rührt sich die Maus“, sagt eine in mehreren Varianten bekannte Redensart, die sich auf die Traumdeutung der Maus ebenfalls gut anwenden lässt. Denn die Maus symbolisiert häufig eine Charaktereigenschaft, die wir als eher negativ bewerten und an der wir noch arbeiten müssen, damit sie sich nicht zu einer Persönlichkeitsstörung ausweitet. 

Auch kleinere Probleme oder Ärgernisse, die sich zu einem größeren Problem entwickeln können, wenn wir ihnen nicht mit Achtsamkeit begegnen, werden durch das Erscheinen der Maus im Traum angezeigt. Dabei ist zu unterscheiden zwischen einer Maus als Identifikationsfigur und einer solchen, vor der der Träumende zurückschreckt.

Identifiziert sich die Person mit der Maus, erkennt sie sich selbst darin wieder, so deutet dies auf eine Störung in der Entwicklung. Diese kann beispielsweise in einem geringen Selbstwertgefühl (das kleine graue Mäuschen), in einer Neigung zur Naschsucht, in übertriebener Neugier, im Hang zu Selbstzweifeln und Grübeleien oder in dem Wunsch, sich versorgen zu lassen – und damit der Gefahr, sich abhängig zu machen – bestehen. 

Tritt die Maus dem Träumenden dagegen als Verkörperung eines Problems oder einer anderen Person entgegen, so liegt darin ein Hinweis, dass der Träumende eine negative Entwicklung, die sich direkt vor seinen Augen abspielt, nicht wahrhaben will. Doch die Katze muss ihr Haus hüten und genau hinschauen, will sie verhindern, dass die Mäuse ihr auf der Nase herumtanzen. Rote Mäuse werden in der Traumdeutung im Allgemeinen als ein Hinweis auf eine Triebstörung gedeutet, weiße Mäuse dem Erleben von Alkoholikern zugeordnet, wobei dies eher auf Halluzinationen im Wachzustand bzw. im Delirium zutrifft.

Die Maus im Traum: Ein Beispiel

Im Traum sitzt Lisa an ihrem Schreibtisch. Sie will etwas schreiben, doch das Blatt vor ihr ist leer und sie kaut nur auf einem Stift herum. Plötzlich bemerkt sie eine Art Kribbeln an den Füßen. Sie bückt sich leicht herab, um unter den Schreibtisch zu schauen. Zu ihren Füßen huscht eine Vielzahl an Mäusen in allen erdenkbaren Grauschattierungen herum. Lisa zieht rasch die Füße hoch, winkelt die Knie an – und erwacht mit einem kleinen Schrei und in der Embryonalstellung.

Herausforderungen annehmen und bewältigen

Lisa sitzt am Schreibtisch und müht sich ab, doch das weiße Blatt will sich einfach nicht mit Worten oder Gedanken füllen. Auffällig ist, dass sie an einem Stift kaut – was sich auch als „nagen“ interpretieren lässt. Lisa nagt an etwas herum – es besteht also ein direkter Zusammenhang zwischen ihrem momentanen Erleben und dem Erscheinen der Mäuse. Dass es sich gleich um eine Vielzahl handelt, deutet darauf hin, dass Lisa in ihrer Kreativität durch eine Menge an kleinen Problemen, an Selbstzweifeln oder unnötigen Grübeleien eingeschränkt wird. Statt diese zu vertreiben und sich beherzt an die Umsetzung ihrer Pläne zu machen, zieht sie sich auf die Position des Neugeborenen, des ohnmächtigen Kindes zurück. Der Traum drückt damit Lisas Sehnsucht aus, ein anderer möge ihr die zu bewältigende Aufgabe abnehmen – und damit zugleich die Notwendigkeit, am eigenen Selbstbewusstsein und am Reifeprozess zu arbeiten. Die Angst vor dem Versagen kennt wohl jeder. Da Lisa sich aber bereits auf den Weg gemacht hat, sollte sie versuchen, dem, was da an ihr nagt, keinen Raum zu geben und sich stattdessen klare Ziele setzen.

Die Maus in Ihren Träumen

Fühlen Sie sich auch manchmal wie ein kleines graues Mäuschen, das niemand beachtet? Oder würden Sie sich gern in ein Mauseloch verkriechen? Sofern daraus kein Dauerzustand wird, nehmen Sie dies als harmlose Verstimmung. Wir können nicht jeden Tag in Topform sein. Gleiches gilt für Träume, in denen Mäuse eine Rolle spielen. Nehmen Sie diese als einen Hinweis, dass es etwas zu regeln oder zu überdenken gibt, aber lassen Sie sich von den kleinen Nagern, die auch auf Gewissensbisse deuten können, nicht ins Bockshorn jagen. 

Träumen Sie von Mäusen und wissen nicht so recht, wie dieser Traum zu deuten ist, können Ihnen die folgenden Fragen als Anregung für eine erste Interpretation dienen:

• Nagen Sorgen an Ihnen, Zweifel, Gewissensbisse oder tragen Sie in einer Angelegenheit Bedenken – beispielsweise, dass Sie nicht kompetent genug sein könnten?
• Fühlen Sie sich einer anderen Person gegenüber klein, hilflos, ohnmächtig?
• Oder würden Sie sich im Gegenteil gern klein machen; besteht die Notwendigkeit, an einer Charaktereigenschaft, dem eigenen Reifungsprozess zu arbeiten?

Entscheidend ist letztlich, mit welchem Gefühl Sie aus dem Traum erwacht sind. Waren die Mäuse nur Mäuse oder haben Sie sie als Gefahren wahrgenommen? Vielleicht haben Sie Ihnen aber auch etwas ganz anderes, ebenfalls Wichtiges zu zeigen versucht: Nämlich wie groß und erwachsen, wie überlegen Sie tatsächlich schon sind? Auch das ist ein Umstand, den wir allzu oft ausblenden.

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