Traumdeutung: Nacktheit

Nacktheit in der Traumdeutung ist das stärkste Symbol für Schutzlosigkeit und bezeichnet doch zugleich jenen paradiesischen Zustand, nach dem sich die Natur des Menschen sehnt. 

Doch treffen Kultur und Natur im Angezogen- bzw. Nacktsein aufeinander. Als kulturelle Wesen, als Mitglieder einer Gemeinschaft ist uns das Nacktsein – bekennende Nudisten einmal ausgenommen – eher fremd geworden. Nackt zeigen wir uns nur in intimen Situationen oder an besonders ausgewiesenen Orten. 

Insofern deuten Träume, in denen wir uns unserer körperlichen Nacktheit bewusst werden, darauf hin, dass wir uns für irgendetwas schämen, was sich im Körperlichen äußert und was wir nach außen zu verbergen suchen. Das kann ein erotischer oder sexueller Wunsch sein, lässt sich aber auch tiefer gehend deuten. 

Im übertragenen Sinne deutet Nacktheit auch auf den Wunsch oder die Angst, erkannt zu werden, genau so gesehen zu werden, wie man ist, ohne irgendeine Möglichkeit, sich zu schützen oder zu verbergen. Steckt ein Wunsch dahinter, so zeigt der Träumende in der Realität den starken Hang, sich nach außen bedeckt zu geben oder aber er fühlt sich von Personen in seinem Umkreis nicht ausreichend gewürdigt. 

Überwiegt die Angst, so nimmt der Träumende sich selbst wie einen Betrüger wahr, der seine Umgebung über seinen wahren Charakter im Unklaren lässt. Wird dem Träumer erst am Ende seines Traumes bewusst, dass er nackt ist, so kann eine dritte Deutungsmöglichkeit eintreffen: Wie der Protagonist in Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ sieht er sich in irgendeiner Form als getäuscht oder betrogen an und schämt sich dann beispielsweise für seine Leichtgläubigkeit.

Traum vom Nacktsein: Ein Beispiel

Im Traum befindet sich Lisa unter den Zuhörern eines Rockkonzertes. Fröhlich feiert sie das Eintreten der Band, als ihr plötzlich auffällt, dass sie nackt ist. Zu ihrem großen Erschrecken wird sie nun auch noch vom Leadsänger auf die Bühne gezogen. Erstarrt erwartet sie Buhrufe, doch scheint sich außer ihr selbst niemand an ihrer Nacktheit zu stören. Nach dem Erwachen plagen sie dann Scham und Selbstzweifel: Trägt sie etwa tief verborgene exhibitionistische Neigungen in sich?

Nacktheit als Selbstausdruck

Doch wie immer sind es die Details, die bei der Deutung eines Traumes zählen. An Lisas Traum fallen zwei Besonderheiten auf. Da wäre zum einen der Umstand, dass sich niemand außer ihr an ihrer Nacktheit stört, dass man sie also gar nicht zu bemerken scheint. Dies steht in starkem Kontrast zu ihrer Erwartungshaltung. 

Lisa befürchtete, ausgebuht zu werden. Der Traum lässt sich diesbezüglich wie eine Aufforderung an Lisa verstehen, sich mutiger nach außen zu präsentieren, der eigenen Person, dem eigenen Charakter klare Konturen zu verleihen, statt sich ängstlich zu verbergen. Und ein zweites Detail fällt auf. Lisa befindet sich auf einem Rock-Konzert. 

Mit dem Begriff „Rock“ bezeichnen wir aber nicht nur eine Musikrichtung, sondern auch das gleichnamige Kleidungsstück. Und da dieses in unserem Kulturkreis eindeutig dem weiblichen Geschlecht zugeordnet ist, kann die allgemeine Aufforderung, die der Traum Lisa übermittelt, auch als ein spezieller Aufruf verstanden werden, sich in ihrer Weiblichkeit zu präsentieren respektive zu akzeptieren.

Nacktheit und Schuld

In Andersens Märchen „Des Kaisers neue Kleider“ ist es ein kleiner Junge, der die große Wahrheit gelassen ausspricht: Der Kaiser, der sich in edlem Tuch gekleidet wähnt, ist in Wirklichkeit nackt. Die Scham, die er empfindet, gilt allerdings weniger seiner Körperlichkeit, sie ist viel eher seiner Geltungssucht und der damit einhergehenden Anfälligkeit für Lug und Betrug geschuldet. 

So kann der Traum von Nacktheit eben auch auf unsere Schuldgefühle deuten, uns nach außen zu tarnen oder auf die Angst, uns eine Blöße zu geben, wenn wir eingestehen, dass wir etwas, was man von uns erwartet, nicht können oder wollen. Der Wunsch lautet dann: Nimm mich an, wie ich bin, verspotte mich nicht für meine Unzulänglichkeit. Ist dagegen das Erleben von Panik mit dem Nackt-Traum verbunden, so spiegeln sich darin häufig reale Erlebnisse aus der Vergangenheit, die wir im Traum zu verarbeiten versuchen.

Nacktheit im Traum individuell deuten

Haben Sie in der Vergangenheit geträumt, in einer unpassenden Situation nackt zu sein, so gibt es also keinen Grund, sich zu schämen oder gar verbotene Neigungen oder Wünsche zu vermuten. Um zu einer individuellen Deutung zu gelangen, sollten Sie sich insbesondere verdeutlichen, welche Gefühle mit dem Nacktsein einhergingen. War es ein Angsttraum, empfanden Sie Erschrecken oder Panik? Oder fühlte es sich im Gegensatz gut an, sich einmal ganz nackt zu zeigen? Spürten Sie sexuelle Erregung? Wie reagierte Ihre Umwelt auf Ihre Nacktheit? 

Versuchen Sie zusätzlich, sich folgende Fragen zu beantworten:

  • Befinde ich mich gerade in einer besonders verletzlichen Seelenlage, habe ich Angst, entblößt oder gar gemobbt zu werden?
  • Stimmen Selbst- und Fremdbild angemessen überein?
  • Was verbinde ich mit Nacktsein? Erotische Fantasien, kindliche Unschuld oder paradiesisches Wohlgefühl?

Träume von Nacktsein kommen häufiger vor, als wir denken – viele Menschen sprechen nur nicht gern darüber. Nutzen Sie die Botschaft Ihres Unbewussten, um mit sich selbst in all Ihren Wesenszügen ins Reine zu kommen.

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