Das Traummotiv in der Literatur – Shakespaere und Macbeth

Der Traum wurde in der Literatur als ein wichtiges und beliebtes Motiv angesehen, um dem Leser Hinweise auf die Charaktere und den weiteren Handlungsverlauf zu geben. Der große Dramatiker und Lyriker William Shakespeare griff in seinem Stück Macbeth auf das Motiv des prophetischen Traums und des visionären Traums zurück. Besonders Autoren der Romantik, Expressionismus und Surrealismus bauen traumhafte Elemente gerne in ihren Handlungsverlauf ein.

Der reizvolle Gegensatz zwischen Wissen und Nichtwissen

In vielen literarischen Texten, in denen das Traummotiv eine entscheidende Rolle einnimmt, ist es charakteristisch, dass der Leser schlauer und besser informiert ist als die Figuren in der Erzählung. Dieser reizvolle Gegensatz ist u.a. auf die Verwendung des Traummotives zurückführen. Während die Leser über einen Wissensvorsprung verfügen und ahnen, was der Traum zu bedeuten hat, verweilen die Charaktere in völliger Unwissenheit. In manchen Werken sind sich die Figuren darüber hinaus überhaupt nicht im Klaren, dass ihr gesamtes Erleben, Fühlen und Denken ein Traum ist. Ein Beispiel hierfür ist der Roman „Der Baron Bagge“ von Alexander Lernet-Holenias aus dem Jahr 1936.

„Träume, die narren den Geist des Menschen mit flüchtigen Schatten“, dichtete Petronius bereits vor 2000 Jahren, ehe Freud den Traum in seiner Psychoanalyse untersuchte. Seitdem Träume nicht mehr als Schatten oder Satanismus abgetan werden, haben sie sich in der Literatur als ein fester Bestandteil integriert. Die Autoren der Traumerzählungen reichen von Dante und Heine über Hugo und Keller bis hin zum Meisterdichter William Shakespeare.

Das Motiv des Traums in Shakespeares ‚Macbeth‘

Macbeth ist eine von William Shakespeare verfasste Tragödie, die um 1606 geschrieben wurde und eines seiner bekanntesten Werke ist. Die Geschichte beschreibt den Aufstieg des königlichen Heerführers Macbeth zum König von Schottland, der sich im Verlauf der Handlung zu einem Tyrannen entwickelt und im Tod sein Ende findet. Charakteristisch für das Drama ist Shakespeares Verknüpfung geschichtlicher Fakten über den historischen Schottenkönig Macbeth und den zeitgenössischen König Jakob I. mit Mythologie, Aberglauben und Fiktion.

Der Traum in der Handlung

Das Drama in fünf Akten beginnt mit einem großen Gewitter, bei dem Macbeth mit seinem Gefolgsmann Banquo auf drei gespenstische Hexen trifft. Beide Reiter sind auf dem Rückweg von der letzten Schlacht der Truppen vom Schottenkönig Duncan gegen den norwegischen König Sweno, der vom Rebellen Macdonwald unterstützt worden war. Das Amt von Macdonwald als Thane of Cawdor wird Macbeth auf Befehl des Königs übertragen. Beim Zusammentreffen der drei Hexen nennen sie Macbeth „Thane of Cawdor“ und prophezeien ihm, dass er bald König von Schottland sein wird. Allerdings werde er nicht Stammvater der königlichen Linie sein. Macbeth ist sowohl verwirrt als auch angetan von der Weissagung. Auch Banquo gesteht, dass ihn die Weissagungen der Hexen noch immer verwirren und ihn im Traum verfolgt haben. Als Macbeth von der Entscheidung des Königs in Kenntnis gesetzt wird, er sei nun der Thane of Cawdor, erfüllt sich der erste Teil der Prophezeiung. Macbeth, der sich vom Gedanken, der König von Schottland zu sein, nicht mehr lösen kann, erzählt seiner Frau, Lady Macbeth von der unheimlichen Begegnung mit den Hexen auf dem Schlachtfeld. Auf von Lady Macbeth planen sie den Mord am schottischen König Duncan. Kurz vor dem Mordanschlag erscheint vor Macbeths Augen ein schwebender, blutbedeckter Dolch, den er als böses Omen deutet. Nichtsdestotrotz tötet er Duncan mit dem Dolch. Durch den Tod von Duncan wird Macbeth – als der dritte in der Thronfolge – zum König gekrönt. Ab diesem Zeitpunkt fürchtet Macbeth jedoch um seine Position als Schottenkönig. Zum einen, da Banquo um die Existenz der drei Hexen weiß, und zum anderen, weil deren Prophezeiung besagt, er werde nicht der Stammvater der königlichen Linie sein. Daraufhin schickt Macbeth drei Reiter aus, die Banquo ermorden. Da diese jedoch dessem Ehefrau Fleance verfehlen, muss Macbeth weiterhin in wahnhaften Vorstellungen um seine Position fürchten.

Im Verlauf der weiteren Handlung erscheinen Macbeth Tagträume und starke Halluzinationen. Am selben Abend nach der Ermordung von Banquo erscheint ihm dessen Geist, der auf dem Königsthron Platz nimmt und Macbeth in Panik und Angst verfallen lässt. Lady Macbeth entschuldigt sich vor der beunruhigten Gesellschaft, seine Halluzinationen seien ausschließlich eine harmlose Familienkrankheit.

Eine Prophezeiung im Traum

Im Allgemeinen beschreibt der prophetische Traum einen Traumtypen, bei dem der Betroffene Hinweise auf ein zukünftiges Geschehen erhält. Nach dem einschneidenden Erlebnis auf der Feier macht auch Macbeth die Erfahrung mit diesem Traumtypen. Er beschließt, die Hexen ein zweites Mal aufzusuchen, um sich Gewissheit über seine Zukunft zu verschaffen. In ihrer Grotte brauen die Hexen auf Wunsch des Königs einen Zaubertrank mit den Worten „Something wicked this way comes“ (Etwas Übles kommt des Weges) zusammen. Nachdem Macbeth den Trank getrunken hat, verfällt er in einen tiefen Traum, der ihm sein weiteres Schicksal in drei Erscheinungen weissagt. Die erste Erscheinung ist ein bewaffnetes Haupt, das ihn darauf hinweist, sich vor dem schottischen Edelmann MacDuff in Acht zu nehmen. Im zweiten Bild erscheint ihm ein blutiges Kind, welches ihm verkündet, dass kein Mensch, der von einer Frau geboren wurde, ihm je Schaden zufügen könnte. In der dritten Erscheinung sieht Macbeth ein gekröntes Kind mit einem Baum in der Hand, welches ihm prophezeit, dass er als König von Schottland nichts zu befürchten habe, solange nicht der Wald von Birnam nach Dunsinane komme. Mit dieser Vision verschwinden die Hexen und lassen Macbeth alleine zurück.

Das Stück Macbeth von William Shakespeare arbeitet im gesamten Verlauf der Handlung mit Visionen, Prophezeiungen und Mythen, die den König in seiner Furcht vor dem Verlust seines Amtes in Angst und Wahnvorstellungen treiben. Die drei Erscheinungen im prophetischen Traum von Macbeth erfüllen sich im fünften und letzten Akt. Macbeth wird im Zweikampf von MacDuff – der nicht auf natürlichem Wege sondern durch Kaiserschnitt geboren wurde – mit einem Schwert getötet. Der Ausgang der Handlung bestätigt das böse Omen um den blutigen Dolch, der Macbeth vor der Tötung seines Königs erschienen war und dessen Warnung er hätte folgen sollen.

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