Sigmund Freuds Theorie der Trauminterpretation

Sigmund Freud war neben Alfred Adler und Carl Gustav Jung einer der bedeutendsten Begründer der Tiefenpsychologie. Der österreichische Arzt und Psychoanalytiker wurde am 6. Mai 1856 im tschechischen Freiberg als Sohn jüdischer Eltern geboren.

Alte Antike und moderne Psychoanalyse

Die Traumdeutung bildete sich bereits bei den alten Völkern der Antike als hohe Kunst und spezielle Begabung aus, die in der Neuzeit durch weitere Forschungen und Experimente weiterentwickelt wurde. Während die Trauminterpretation von zahlreichen Skeptikern als ein Aberglaube betrachtet wurde, schrieb Sigmund Freud aufgrund seiner wissenschaftlich begründeten Auffassungen der Psychoanalyse wieder eine ernstzunehmende Bedeutung zu.

Sigmund Freud interessierte sich besonders für das menschliche Seelenleben. Seine spätere Methode der freien Assoziation entwickelte sich durch den Arzt Josef Breuer, dessen Vorgehensweise Freud faszinierte. Eine Patientin von Joseph Breuer litt unter Lähmungserscheinungen sowie Angstattacken. Breuer hatte den Verdacht, dass die körperlichen Beschwerden durch Seelenprobleme der Patientin hervorgerufen worden sind. Der Arzt sah die Lösung in einer Sprechbehandlung zwischen Arzt und Patientin, bei der durch das genaue Nachfragen Breuers die verschlüsselten, seelischen Ursachen der wahren Probleme aufgedeckt werden konnten. Die Patientin litt unter unterdrückten Gefühlen und Erfahrungen, die der Grund für die körperlichen Symptome waren.

Freud entwickelt die Sprachbehandlung weiter

Durch seine Faszination an der Sprachbehandlung von Joseph Breuer entwickelte Freud diese Methode weiter und ließ die Suggestion sowie Hypnose einfließen. Während seiner Arbeit als Arzt an einer psychiatrischen Pariser Klinik konnte der Psychoanalytiker durch die Hypnose und Suggestion wertvolle Erfahrungen in der Behandlung von seelischen Störungen sammeln. Die Suggestion geht auf das lateinische Wort „suggestio“ zurück, was „Einflüsterung“ und „Eingebung“ bedeutet. Mit Hilfe der gezielten Beeinflussung von Geist und Seele sollten dabei bestimmte Gedanken, Verhaltensweisen und Gefühle des Patienten hervorgerufen werden.

Die freie Assoziation

Die freie Assoziation war eine von Freud entwickelte Technik, bei der der Psychologe den Patienten über das reden lässt, was ihnen spontan in der momentanen Situation in den Sinn kommt. Dadurch sollen verdrängte Erinnerungen und Gefühle des Menschen aufgedeckt werden. Die Zeitdauer bis zu diesem Erfolg konnte sich je nach Patient unterschiedlich lang hinauszögern. Diese Technik ging auf Freuds Auffassung zurück, dass der Mensch im Laufe seines Lebens oftmals schlimme Erlebnisse aus der Kindheit verdrängt oder vergisst und diese aus dem Bewusstsein in das Unterbewusstsein verlagert.

Freud und die Traumdeutung

Die Traumdeutung war für Sigmund Freud der Weg, um das Unterbewusstsein und damit die menschliche Psyche offen zu legen und zu verstehen. Er nahm an, dass die Träume der Schlüssel zum individuellen Unterbewusstsein seien und dass mit der richtigen Deutung, seelische Probleme, Konflikte und Krankheiten gelöst werden könnten.

Die unterbewussten Begehren und Begierden

Für Freud galt der Traum in erster Linie als ein Mittel des Unterbewussten, unterdrückte oder nicht ausgelebte Libidos, das heißt Begehren und Begierden, deutlich zu machen. Der Begriff Libido ist ein Bestandteil der Psychoanalyse und beschreibt psychische Energien, die mit den natürlichen Trieben der Sexualität verbunden sind. Hier grenzt sich Sigmund Freud von den Theorien von Carl Gustav Jung ab, der in Träumen vielmehr die nächtliche Aufarbeitung von Alltagsproblemen, den sogenannten „unbedeutenden“ Träumen, sah. Freud ging davon aus, dass sich in den menschlichen Träumen Impulse des „Es“ äußern und demnach unterbewusste Wünsche und Triebe verarbeitet werden. Der Patient verliert allerdings die Erinnerung an die nächtlichen Ereignisse und deren unterbewusste Bedeutung meist nach dem Übergang in den Wachzustand. Er erinnert sich ausschließlich an die Rahmenhandlung.

Mit Hilfe der freien Assoziation wollte Freud an die verborgenen Inhalte der Träume seiner Patienten gelangen sowie ihre Bilder und verschlüsselte Symbolik deuten und verstehen. Dabei sollte sich der Patient vom Alltag lösen und frei heraus darüber sprechen, was ihm in der momentanen Situation in den Sinn kommt. Mit einer Kette aus Assoziationen sollten so verdrängte Gefühle und Erinnerungen vom Unterbewusstsein an die Oberfläche gelangen und die verschlüsselten Botschaften gelöst werden. Der Grund für die Verschlüsselung von Traumbotschaften erklärt Freud damit, dass sich der Mensch, je älter er wird, zunehmend strengeren Regeln untergibt und sich seine wahren Wünsche und Ängste oftmals nicht bewusst eingestehen will. Im Traum würde dieser „Verdrängungsmechanismus“ nur noch in abgeschwächter Form agieren. Aus diesem Grund hat die Trauminterpretation eine wichtige Bedeutung, um wahre Botschaften, Ängste und Hoffnungen des Menschen aufzudecken.

Die Ergründung psychischer Probleme

Die Freudsche Psychoanalyse von 1923

In dem berühmten Werk der Psychoanalyse aus dem Jahr 1923 unterschied Sigmund Freud drei Bedeutungen, die diese Analyse einnimmt. Erstens ist die Psychoanalyse ein Verfahren zur Untersuchung seelischer Vorgänge, welche dem Bewusstsein nicht zugänglich gemacht werden kann. Zweitens stellt sie eine Behandlungsmethode neurotischer Störungen dar, die sich auf diese Untersuchung gründet. Drittens ist es ein Lehrgebäude mit einer Reihe von psychologischen Einsichten, die zu einer neuen Disziplin zusammenwächst. Diese drei Bedeutungen sind in der Psychoanalyse eng miteinander verknüpft.

Die Hypnose-Behandlung neurotischer Störungen

Neurosen sind psychische und körperliche Erkrankungen des Menschen, deren Ursachen in der erlebnisbedingten Störung der Person-Umwelt-Beziehung liegen. Um Neurosen behandeln zu können, müssen die Erlebnisse, die zur Störung der Person-Umwelt-Beziehung geführt haben, aufgedeckt werden. Freud griff hier auf die Behandlung durch Hypnose zurück, durch die der Patient das Vergessene wieder an die Oberfläche holte. Im Anschluss konnte die konfliktauslösende Ursache zwischen Freud und der betroffenen Person in einer Sprachbehandlung untersucht werden.

Dadurch, dass es Freud im Laufe seiner Hypnosemethode einerseits nicht gelang, alle Krankenheiten weg zu hypnotisieren und andererseits die Behandlungserfolge nur von kurzer Dauer waren, lag nur noch die frei Assoziation im Fokus von Freuds Behandlung. Der Verzicht auf das bewusste Nachdenken und die Mitteilung spontaner Einfälle – auch wenn sie scheinbar unsinnig, unwichtig oder anstößig erschienen – hoben unterdrückte Denkinhalte des Patienten erfolgreich hervor. Dieses unbewusste und vergessene Gedächtnismaterial brachte Freud wichtige Kenntnisse über die Ursachen der psychischen und körperlichen Neurosen.

Das Wesen und die Funktion des Traums

Freud war in seiner Auffassung im Bereich Traum seiner Zeit weit voraus. Er ging im Gegensatz zur Medizin und Psychologie davon aus, dass jedes Traumerlebnis ein sinnvolles psychisches Gebilde ist und eine Bedeutung hat. Die verworrene Darstellung und Fremdartigkeit des Traumes sei ausschließlich die Folge von Entstellungen, die an seinem ursprünglichen Sinn vorgenommen worden sind. Freud entwickelte in diesem Zusammenhang eine Technik, wie der Mensch von seinem verworrenen Traum – dem sogenannten „manifesten Trauminhalt“ – zu seinem versteckten, entschlüsselten Sinn – dem „latenten Traumgedanken“ – gelangen kann. Die latenten Traumgedanken sind in der Regel unbewusste Wünsche und Begierden, die nicht in das Bewusstsein des Menschen gelangen können. Die einzige Möglichkeit, die sogenannte „Traumzensur“ zu überwinden, ist nach Freuds Auffassung die Entstellung der latenten Traumgedanken durch die Traumarbeit.
Die Technik, die den Menschen vom verschlüsselten Sinn des Traums – das heißt vom latenten Traumgedanken – hin zum manifesten Trauminhalt führt, bezeichnete Freud als die Traumdeutung. Die Traumdeutung ist damit der entgegengesetzte Prozess der Traumarbeit. Kennt man demnach die Mechanismen der Traumarbeit, so ist aus Sicht von Freud jeder Traum deutbar.

Durch die Deutung des Traumes beispielsweise durch die Deutung von Traumsymbolen, wird der Vorgang der Traumarbeit rückgängig gemacht. Dafür müssen mehrere Vorstellungen des Patienten im Traum zu einer Einzigen verdichtet oder man muss auf die Symbolik zurückgreifen.

Die Bedeutung der Symbolik

Sigmund Freud schrieb der Traumsymbolik ein großes Kapitel in seinen Traumtheorien zu. Aus Sicht von Freud sei ein sorgfältiges Studium in diesem Bereich notwendig, um die manifesten Trauminhalte zu entschlüsseln und transparent werden zu lassen. Mit Hilfe der Traumsymbolik ist es möglich, den Sinn einzelner Elemente der nächtlichen Erlebnisse oder des gesamten Traums als solchen zu verstehen, ohne die betroffene Person nach seinen Einfällen befragen zu müssen.

Freud versuchte eine Theorie der universalen Traumsymbolik aufzustellen, die auf der Vorstellung beruhte, Träume stammen hauptsächlich aus dem seelischen Bereich des Menschen, die sich in der früheren Kindheit bildet. In dieser seelischen Schicht werden ebenfalls grundlegende Erfahrungen mit dem Körper und seinen Funktionen gemacht und gelernt, eine Beziehung zu Eltern und Geschwistern herzustellen.

Freuds Theorie von der universalen Symbolik wurde jedoch hinfällig durch die moderne Forschung, die bewies, dass sich Träume in erster Linie von Kindheitserlebnissen herleiten lassen. Freuds Theorie würde lediglich geringe Hinweise darauf geben, was einige Traumsymbole bedeuten könnten. Schlimmstenfalls sind sie jedoch nur irreführend, da sie Menschen dazu verleiten, in ihren Träumen nach einer einzigen Bedeutung Ausschau zu halten. Das Ziel sollte es stattdessen jedoch sein, alle möglichen Bedeutungen aufzuspüren, die auf die gegenwärtige Situation des Träumenden zutreffen könnten.

Sein Erbe für die Moderne

Sigmund Freud wollte die Psychoanalyse mit der Naturwissenschaft verknüpfen und war seiner Zeit weit voraus. Heute prüfen zahlreiche Hirnforscher seine Theorien im Experiment, um die Psychoanalyse erfolgreich weiterzuentwickeln.

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