Traumdeutung: Tiger

Ähnlich dem Löwen symbolisiert der Tiger in der Traumdeutung Macht, Kraft, Leistung, Schnelligkeit und majestätische Würde. Er gehört zu den gleichermaßen gefürchteten wie bewunderten Raubkatzen.

In der Traumdeutung wird er häufig mit überbordender Triebenergie gleichgesetzt. Ein Mensch, der von einem Tiger träumt, sollte sich also veranlasst sehen, sich mit einer starken triebgesteuerten Energie auseinanderzusetzen. In der Regel geht es dabei auch um die Frage, wie sich diese Energie nutzen und lenken lässt. 

Dabei kann der Tiger sowohl den Träumenden als auch eine Person in seinem Umfeld symbolisieren. Identifiziert sich der Träumende mit dem Tiger, so sollte er den Traum als Warnung sehen. Bringt er seine Triebenergie auf unangemessene Weise zum Ausdruck? Schädigt er dadurch sich selbst oder andere? Oder verhält es sich genau umgekehrt und er weicht vor der Kraft seiner inneren Regungen ängstlich zurück? Muss er oder sie den Tiger in sich noch entdecken? 

Steht der Tiger im Traum für eine andere Person, so deutet dies häufig darauf, dass der Träumende sich vor diesem Menschen fürchtet, sich aber nicht aus dessen Bann lösen kann. Möglicherweise ist die Furcht aber auch unbegründet. Denn der Tiger ist zwar in der Realität ein Furcht einflößendes Tier; im Traum dagegen taucht er ebenso oft als Ratgeber, geistiger Führer und Freund auf.

Der Traum vom Tiger: Ein Beispiel

Kai ist im Traum in einer ihm unbekannten Gegend unterwegs. Es ist Abend, die Straßenlaternen leuchten bereits, aber er kann die Umgebung kaum wahrnehmen. Plötzlich hat er das Gefühl, verfolgt zu werden. An der nächsten Straßenecke sieht er sich von einer Gruppe junger Männer und Frauen umzingelt, die ihn allem Anschein nach ausrauben wollen. Die Jugendlichen kommen immer näher auf ihn zu, der Kreis wird enger. Da taucht aus dem Nichts ein Tiger auf. Mit kraftvollem Sprung hechtet er ins Innere des Kreises, die Jugendlichen laufen in alle Richtungen davon. Der Tiger sieht dem bewegungslosen Kai direkt in die Augen, dann ist er so plötzlich verschwunden, wie er zuvor aufgetaucht war.

Den Tiger als Freund akzeptieren und lenken

Ähnlich verhält es sich in Kais Traum. Kai tappt, was seine eigenen Kräfte und inneren Regungen angeht, noch im Dunklen. Er sieht sich mit Aggressionen und Angriffen konfrontiert, denen er nichts entgegensetzen kann. Doch der Kreis um ihn wird enger und enger – es bleibt ihm also nur die Wahl, sich berauben zu lassen oder einen Ausweg zu finden. In dieser Situation nimmt Kai den Tiger wahr, der ihm nun nicht als weitere Gefahr erscheint, sondern sich ihm beschützend zur Seite stellt. Mit anderen Worten: Der Traum zeigt Kai an, dass die Kräfte des Tigers nicht nur zerstörerischer Art sind, sondern ihm auch helfen können. Er fordert ihn dazu auf, sich mit diesen Energien, die ihm zur Verfügung stehen könnten, zu befassen. Der tiefe Blick, den beide gegen Ende des Traumes tauschen, deutet zugleich darauf hin, dass es Kai möglich sein wird, seine Instinkte und Triebregungen zu akzeptieren, sie zuzulassen, sich mit ihnen anzufreunden und sie zu bezähmen. Kai steht damit am Beginn eines wunderbaren Wandels.

Individuelle Traumdeutung Ihres Tiger-Traumes

Menschwerdung geht einher mit dem Bewusstsein für unsere leibliche, seelische und geistige Existenz. Doch zeigt sich oft ein Missverhältnis in der einseitigen Ausrichtung zu einem dieser Bereiche. Der Traumtiger mahnt uns zur Versöhnung und lehrt uns, die Befriedigung unserer leiblichen, seelischen und geistigen Gelüste auf ein harmonisches Maß zu bringen. Welche Bedeutung dem Tiger in Ihren Träumen zukommt, lässt sich daher nur individuell und mit Blick auf Ihren konkreten Traum interpretieren. Sind Sie ein Mensch, der „über Leichen geht“, der ohne Rücksicht auf Verluste eigene Projekte vorantreibt, kann der Tiger genau dieses Verhalten spiegeln und zur Mäßigung auffordern. Neigen Sie dazu, körperliche und sexuelle Regungen zu unterdrücken oder zu leugnen, kann der Tiger Sie ermutigen, Ihre Lust nicht als Gefahr zu betrachten. 

Haben Sie von einem Tiger geträumt, so können Sie mit den folgenden Fragen einer Deutung näherkommen:

• War ich selbst der Tiger oder symbolisierte er eine andere Person?
• Stellte der Tiger eine Bedrohung dar oder stand er mir zur Seite?
• Fürchte ich mich vor meinen eigenen Kräften oder Instinkten? Lebe ich in irgendeiner Weise maßlos/unausgewogen?

Der Tiger wird oft als Gefahr gedeutet, sollte aber vielmehr als eine Aufforderung zum Handeln betrachtet werden. Statt sich selbst der eigenen Kräfte zu berauben, sollten wir deren natürliche Schönheit anerkennen und uns damit versöhnen.

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