Traumdeutung im Alten Ägypten

Dass die Alten Ägypter vor 4000 Jahren ein besonders bemerkenswertes Volk waren, weiß jedes Kind. Ihre Kultur war äußerst hoch entwickelt und sie hatten schon lange vor den Europäern eine zivilisierte Verwaltung, eine organisierte Gerichtsbarkeit und einen Kalender mit 365 Tagen. Die vier wichtigsten Kennzeichen der damaligen ägyptischen Kultur waren Schreiber und Beamte, die Armee, Recht und Ordnung sowie der ägyptische Kalender. Religion war natürlich der bedeutendste aller Bereiche, fließt aber in alle anderen vier mit ein.

Die Struktur der damaligen Gesellschaft

Jeder Beamte musste lesen, schreiben und rechnen können und hatte große Verantwortung. In jedem nur erdenklichen Bereich gab es solche Beamte (Schreiber), die über alles Buch führten. Die Armee war ebenfalls sehr strukturiert und effizient, auch wenn die Ägypter kein besonders kriegsfreudiges Volk. Die Pharaonen bemühten sich lieber, ihre eigene Person durch pompöse Tempel- und Grabanlagen unsterblich zu machen.

Im Alten Ägypten gab es eine große Anzahl an Polizisten und Ordnungshüter, die für die Einhaltung der Gesetzte verantwortlich waren. Für die Rechtssprechung existierte ein obersten Gerichtshof, bei dem der sogenannte Wesir Vorsitzender war und den Pharao vertrat. Neben Mord und Totschlag war Grabräuberei eines der schlimmsten Vergehen in dieser Zeit und wurde hart bestraft. Doch nicht nur Straftaten, sondern auch notarielle Angelegenheiten wie zum Beispiel Landbesitz, Eheverträge oder Adoption wurden im Gericht bearbeitet. Je nach Delikt waren die Strafen sehr vielfält und so konnte man von Schadensersatzzahlungen und Schlägen über Zwangsarbeit bis hin zur Todesstrafe mit allem verurteilt werden. Besonders brutal war das Abschneiden von Nasen und Ohren oder das Pfählen bei lebendigem Leib, was etwa bei Ehebruch üblicherweise verhängt wurde.

Die alten Ägypter waren äußerst gebildete Menschen. Bereits vor 4000 Jahren haben sie mit Hilfe der jährlichen Nilüberschwemmungen und des Mondes die ersten Kalender angefertigt und konnten somit ein Jahr bestimmen. Außerdem teilten sie das Jahr in Jahreszeiten ein, benannten Monate nach Göttern und gliederten den Tag in 24 Stunden. Genau wie bei uns heute gab es für die Ägypter 12 Tag- und 12 Nachtstunden – Minuten und Sekunden kannten sie jedoch nicht.

Götter und Religion im Alten Ägypten

Schon damals hatten die Ägypter bei anderen Völkern den Ruf als Gottfanatiker. Zum Beispiel war der griechische Schriftsteller und Reisende Herodot der Meinung, dass die Ägypter „höchst gottesfürchtig“ wären, „mehr als alle anderen Völker“. Im Alten Ägypten gab es über 1500 Götter die in allen möglichen Gestalten auftraten. Einer der bedeutendsten Götter war zum Beispiel der Windgott Amun, der Theben zu Ruhm und Macht verhalf. Er tritt in Menschengestalt mit einer hohen Federkrone gekleidet auf. Besonders bekannt ist auch der Gott Anubis, der für die Einbalsamierung und Mumifizierung der Toten zuständig war und einen Schakalkopf hat. Die Göttin Bastet in Gestalt einer Frau mit Katzenkopf war die Göttin der Freude und schützte die Menschen vor bösen Mächten. Der Himmelsgott Horus – ein Mann mit Falkenkopf – hatte eine besonders wichtige Stellung, denn jeder Pharao wurde mit Horus gleichgesetzt. Die Mutter von Horus, Isis, wurde sogar weit über Ägypten hinaus verehrt, denn sie galt als die Mutter- und Schutzgottheit. Die Verehrung der Götter war besonders pompös und ehrfürchtig. Jeder Gott hatte eine eigene Tempelanlage und eigene Priester und Assistenten, die zu der Gottheit beteten und verschiedene Zeremonien mit Opfergaben veranstalten, um die Gottheit zu besänftigen und zufriedenzustellen. Eines der faszinierendsten Themen im Alten Ägypten war der Glaube an ein Leben nach dem Tod. Pharaonen ließen die herrlichsten Bauten errichten, in denen sie nach ihrem Tod bestattet werden sollten. Die bekanntesten dieser Grabmäler sind die ägyptischen Pyramiden.

Orakel und Traumdeutung im Alten Ägypten

Da die Ägypter so besonders ehrfürchtig waren wollten sie selbstverständlich auch wissen, wie ihre Zukunft aussieht und was ihnen bevorsteht. Dazu befragten sie diverse Orakel oder ließen sich ihre Träume deuten. Die Menschen damals glaubten, dass Götter durch die Träume mit den Menschen in Kontakt treten und ihnen so die Zukunft zeigten. Außerdem nahm man an, dass die Seele im Schlaf aus dem Körper in ein himmlisches „Traumland“ wandert und dort die Informationen von den Göttern aufnimmt. Da die Ägypter sowieso glaubten, es existiere ein Leben nach dem Tod, galt es für sie auch als selbstverständlich, in ihren Träumen verstorbene Verwandte und Bekannte wieder zu sehen und mit ihnen zu kommunizieren. Die Kunst der Traumdeutung war sogar so wichtig, dass Priester viele Jahre studieren mussten, um ein Traumdeuter zu werden, denn damals wurde die Traumdeutung als ein besonders kunstvolles und intellektuelles Wissen angesehen. Alle Deutenden wurden in einem sogenannten Lebenshaus – ein kulturelles Zentrum in der Tempelanlage – intensiv unterrichtet und ausgebildet. Außerdem befand sich in diesem Lebenshaus eine riesige Bibliothek mit vielen hunderten Traumbüchern. Heute gibt es nur noch ein einziges erhaltenes Traumbuch aus dieser Zeit. Das Buch wurde in einer Arbeiter- und Künstlersiedlung in Theben gefunden und von verschiedenen Wissenschaftlern genau analysiert und übersetzt. In diesem Buch wurden in etwa 200 Traumsymbole erklärt und erläutert. Hier zwei Beispiele aus diesem Traumbuch:

  • Wenn ein Mann sich selbst im Traum sieht und Gott über ihm schwebt, dann hat dies eine gute Bedeutung und es besagt ein großes bevorstehendes Mahl.
  • Wenn ein Mann auf Papyrus schreibt, dann ist das schlecht, denn Gott rechnet gerade seine Missetaten zusammen.

Da die in dem Traumbuch verwendete Sprache noch älter als Papyrus selbst – also über 3000 Jahre – ist, kann man davon ausgehen, dass diese Traumdeutungen schon lange vorher geschrieben und immer wieder kopiert wurden. Außerdem spricht dies dafür, dass die Texte dieses Buches für die Ägypter von großer Bedeutungen gewesen sein müssen.

Durch das große Ansehen der ägyptischen Traumdeuter wurden viele Deutungen auch in der griechischen Mythologie übernommen und finden somit auch in Mitteleuropa ihren Platz. Einige Hinweise lassen sich heute noch in der modernen Traumdeutung erkennen.

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