Träume in der keltischen Kultur

Der keltische Kulturkreis ist in die so genannte Eisenzeit (800 – 1. Jahrhundert vor Christus) sowie in das Mittelalter einzugrenzen. Dieser Kulturraum erstreckte sich nicht nur über die britischen Inseln, sondern dehnte sich zudem über Frankreich, Böhmen, Polen, Zentraleuropa, die Iberischen Halbinsel, Norditalien sowie den Balkan aus. Allerdings bilden Schottland, Republik Irland, Nordirland, Isle of Man, Wales, Cornwall und die Bretagne die großen „sechs keltischen Nationen“. In diesen Regionen werden auch heute noch keltische beziehungsweise gälische Sprachen gesprochen. Dazu zählen Irisch (70.000 Muttersprachler), Schottisch-Gälisch (60.000 Muttersprachler), Manx (2.800 Muttersprachler), Walisisch (700.000 Muttersprachler), Bretonisch (300.000 Muttersprachler) sowie Kornisch (3.000 Muttersprachler). Manx ist eine Sprache, die vorwiegend auf der Insel Isle of Man gesprochen wird und mit dem Irischen und Schottisch-Gälischen verwandt ist. Die kornische Sprache dagegen wird in Cornwall gesprochen und hat eine enge Verwandtschaft mit dem Bretonischen und Walisischen. Heute weiß man, dass die kulturelle Struktur der Kelten sich nach Klassen und Königreichen richtete. Hierbei kristallisierten sich drei Klassen besonders heraus: Die Krieger, die Intellektuellen und der Pöbel. Zusätzlich ist bekannt, dass Sklaverei zu Zeiten der Kelten ein wichtiger Bestandteil derer Kultur gewesen war, über die sogar detailliert Buch geführt wurde. Die einzelnen keltischen Gemeinschaften waren über Handelsrouten direkt miteinander verbunden und pflegten einen engen Kontakt untereinander. Allerdings betrieben die Kelten auch mit den Römern intensiven Handel mit Blech, Blei, Silber und Gold, woraus die Kelten edlen Schmuck und hochwertige Waffen anfertigten. Ein interessanter Fakt über die Kultur der Kelten ist auch, dass einige männliche Kelten sexuelle Beziehungen mit anderen Männern eingingen und dass dies öffentlich geduldet wurde. Zusätzlich hatten die Frauen eine bedeutendere Rolle als dies in anderen Kulturen zu dieser Zeit üblich war und bestritten so oftmals hohe Ämter – zum Beispiel fungierten sie als Kriegerinnen oder Königinnen.

Religion bei den Kelten

Wie viele ethnische Gruppen zur Eisenzeit gingen die Kelten ebenfalls einer polytheistischen Verehrung nach. Dies bedeutet, die Kelten huldigten nicht nur einen einzigen Gott, sondern hatten mehrere Götter, die sie anbeteten und verehrten. Die keltischen Priester – die so genannten Druiden – führten an Schreinen oder in Tempeln keltische Riten und Gebetspraktiken aus. Allerdings konnten auch heilige Bäume oder geweihte Wasserstellen als Gebetsorte dienen. Doch Druiden dienten der Gesellschaft nicht nur als Priester, sondern auch als Richter, Lehrer und Verbreiter von keltischen Sagen- und Märchengut. Druiden organisierten und führten religiöse Zeremonien und Opfergaben in Form von Tieren oder Nahrungsmitteln aus und studierten und lehrten den keltischen Kalender. Dieser geht sogar bis auf das 2. Jahrhundert zurück und beinhaltet 62 Monate über einen Zeitraum von 5 Jahren. Viele der keltischen Gottheiten, darunter Götter und Göttinnen, sind heute noch bekannt. Diesen Göttern wurde jeweils eine Fähigkeit oder ein Naturereignis zugesprochen, so ist zum Beispiel Artio die Göttin der Wildnis oder Babd Catha die Göttin des Krieges. Jedoch gab es in der keltischen Kultur weit über 100 verschiedene Gottheiten, wobei manche von ihnen allseits bekannt waren und andere wiederum nicht. Nichtsdestotrotz gab es sogar keltische Götter, die weit über die keltischen Grenzen hinaus an Bekanntheit erlangten, wie zum Beispiel der keltische Gott Lugh – der Gott der Stürme, des Blitzes und der Kultur – oder die Göttin der Pferde, Epona.

Träume in der keltischen Kultur

Das Thema Traum war in der keltischen Kultur sogar von so großer Bedeutung, dass es eine Göttin gab, die nur für Träume zuständig war. Diese Göttin trug den Namen Caer Ibormeith. Sie war so beliebt, dass über sie einige Geschichten niedergeschrieben wurden. Die bekannte Geschichtssammlung „Early Irish Myths and Sagas“ von Jeffrey Gantz beinhaltet einige Mythen über diese Göttin. Laut diesen Geschichten war Caer Ibormeith die Tochter des Prinzen Ethal Anubail von Sid Uamiun in Connacht – eine Provinz im Westen Irlands. Laut einer Sage verwandelte sich Caer Ibormeith jeden zweiten Samhain – ein keltisches Erntefest, das meist am 31. Oktober abgehalten wurde und den Ursprung des heutigen Halloweenfestes darstellt – in einen Schwan. Ein Jahr hindurch musste sie in dieser Gestalt leben, bis sie am nächsten Samhain wieder ein Mensch wurde. Schließlich heiratete Caer Ibormeith Aengus von Tuatha de Dannan, der Caer Ibormeith zu aller erst aus einem Schwarm von 150 Schwänen erkennen musste. Dies geschah der Sage nach am Loch Bel Dragon, dem heutigen Lough Muskry in den Galtee Bergen in Irland. Als er den richtigen Schwan auswählte, wurde Aengus ebenfalls zu einem Schwan und die beiden flogen zum Fluss Boyne und sangen ein Lied, das die gesamte Bevölkerung für drei Tage und drei Nächte in einen Schlaf verfallen ließ. Die Vorgeschichte dieser Sage baut auf einen Traum von Caer auf, den Aengus erlebt hatte. Auch diese Sage findet in der Geschichtssammlung von Jeffrey Gantz ihren Platz und nennt sich „The Dream of Óengus“. Die schöne Caer erscheint dem jungen Aengus in einem Traum und fleht ihn an, sie von ihrem Fluch als Schwan zu erlösen. Infolge des Traumes bittet Aengus seinen Bruder Bodb Derg, den König des Berglandes der südlichsten Provinz Irlands, ihn bei der Suche nach seiner Traumfrau zu unterstützen. Doch Caer erschien nicht nur ihrem Gatten Aengus im Traum, sondern das keltische Volk glaubte, alle Träume wurden von dieser Göttin gesendet. Aufgabe der Druiden war es dann, die Träume zu deuten.

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