Voodoo – viel mehr als nur Schwarze Magie und Hokuspokus

Wenn man den Begriff „Voodoo“ hört denkt man sofort an Voodoo-Puppen oder Schwarze Magie, mit deren Hilfe anderen Menschen Schmerzen hinzugefügt werden soll. Doch Voodoo ist keine Hexerei, sondern eine offizielle Religion in vielen Teilen der Welt und wird von vielen Menschen praktiziert. Voodoo hat seinen Ursprung in Westafrika und kam in der Sklavenzeit bis nach Amerika und auf die Westindischen Inseln, wo dieser Kult heute vor allem auf Haiti praktiziert wird und 2003 zur offiziellen Staatsreligion erhoben wurde. Voodoo wurde in Afrika bereits vor mehr als 2000 Jahren praktiziert und auch bewusst verbreitet.

Grundlagen des Voodoo

Wie bei anderen Religionen gibt es bei Voodoo ebenfalls einen Gott. Dieser ist der allmächtige und gewaltige „Bondieu“ (französisch für „guter Gott“). Da dieser Gott jedoch so mächtig und daher sehr beschäftigt ist, kann der Gläubige sich nicht direkt an ihn wenden, sondern kontaktiert die Vermittler „Loa“. Loa sind Geisterwesen die ebenfalls über große Macht verfügen. Meist hat jede Familie ihre eigenen Loa und betet diese an. Außerdem gibt es Rituale bei denen Tieropfer dargebracht werden die als spirituelle Ernährung der Loa dienen. Heutige Opfergaben sind zum Beispiel Rum und Tabak sowie spezielle Feste und Tänze und gewisse Trommel-Rhythmen und Gesänge.

Im Voodoo gibt es keine geschlossenen Glaubensgemeinschaften, sondern die Gläubigen teilen sich in einzelne Gruppen auf, die alle eigene Traditionen und Loa haben.

Trancetanz

Besessenheit spielt im Voodoo eine große Rolle und ist nichts Negatives, sondern es ist für Gläubige eine Ehre, wenn sie von einem Geist oder Gott besessen sind und von ihm geleitet werden. Dieser Vorgang kommt vor allem bei „Trancezeremonien“ oder „Trancetänzen“ vor, bei denen ein Gott für eine kurze Zeit in den Körper des sich in Trance befindenden Menschen schlüpft. Besessenheit verbindet den Gläubigen ein Leben lang mit der Gottheit und gilt als besonders erstrebenswert. Typisch für einen in Trance gefallenen Gläubigen sind die nach oben gerollten Augen und abgehackte Tanzbewegungen. Eine Trance wird nicht, wie vielleicht vermutet, durch Einsatz von Drogen eingeleitet, sondern ist die Folge von rituellem Tanz. Die Menschen in Trance befinden sich in einem schlafähnlichen Bewusstseinszustand oder Traum. Sie bekommen von dem Geschehen um sich herum nichts mit und empfinden keinen Schmerz.

Schwarze Magie

In der westlichen Welt wird Voodoo sehr oft nur als „Schwarze Magie“ eingeordnet. Es gibt Gerüchte über Kindstötungen, bei denen man das Blut der Kinder bei geheimnisvollen Zeremonien verwendet. Ob diese Gerüchte jedoch der Wahrheit entsprechen, ist nicht bekannt und können wahrscheinlich auf „Gräuelpropaganda“ anderer Religionen zurückgeführt werden. Magie wird jedoch für die Kontaktaufnahme mit Toten verwendet.

Voodoo-Puppen

Die meisten Menschen verbinden mit Voodoo nur die sogenannten Voodoo-Puppen. Diese entstanden aber erst im Laufe der Zeit unter den Sklaven, die ihre Religion nicht praktizieren durften. Da Abbildungen und Statuen der Voodoo-Gottheit und der Loas von Sklavenhändlern verboten wurden, tarnte man sie einfach als Puppen. Später dann wurde die Voodoo-Puppe fester Bestandteil mancher Rituale. Vor allem in Haiti benutzten Priester die Puppen um Kranke zu heilen. Die Annahme, Voodoo-Puppen werden verwendet um Menschen zu verletzen, ist somit nicht richtig.

Die Entwicklung des Voodoo

Wie bereits erwähnt stammt Voodoo aus Afrika und verbreitete sich während der Sklavenzeit bis nach Amerika und Westindien. Dort vermischte es sich mit anderen Religionen und so nahmen beispielsweise manche Menschen katholische Rituale in die Voodoo-Religion mit auf.

Heute wird Voodoo hauptsächlich in den afrikanischen Ländern Benin, Ghana und Tongo, aber auch in der Dominikanischen Republik und Haiti praktiziert (in Haiti ist Voodoo seit 2003 Staatsreligion). Außerdem kann man viele Voodoo-Anhänger in den Südstaaten der USA (allen voran Louisiana) finden. Besonders bekannt ist die in New Orleans geborene Voodoo-Priesterin Marie Laveau, die 1794 als Mischlingskind eines weißen Farmers und einer Farbigen zur Welt kam. Sie schaffte es den als Teufelsanbetung angesehenen Voodoo mit dem Katholizismus zu vermischen. Im 19. Jahrhundert war Laveau eine der einflussreichsten Einwohner von ganz New Orleans. Sie kämpfte für die offizielle Anerkennung des Voodoo und sollte dafür mehrfach vor Gericht gebracht werden. Jedoch halfen ihr ihre vielen Beziehungen und die besonderen Kenntnisse über die Gesellschaft von New Orleans immer wieder, einer Verurteilung zu entkommen. Wegen ihrer Bemühungen und ihrer Taten ist Marie Laveau eine Kultfigur für Voodoo-Anhänger. Ihr Grab in New Orleans ist heute eine Touristenattraktion, die auch viele Voodoo-Gläubige besuchen.

Haiti: Staat mit Voodoo-Religion und Sinn für Unabhängigkeit

Haiti ist der Staat mit den meisten Voodoo-Anhängern. Paradoxerweise bekennen sich rund 70% der Einwohnen zum Voodoo, 90% aber auch gleichzeitig zum Katholizismus.

In Haiti gibt es zwei verschiedene Voodoo-Gruppen, die Rada und die Petro. Der Rada-Kult orientiert sich an den Traditionen des afrikanischen Ursprungs und die Loa dieser Gruppe sind sanfte Wesen und haben eine aufbauende Wirkung. Der Petro-Kult entstand während der Befreiungskriege der haitianischen Sklaven Ende des 18. Jahrhunderts und die Petro-Loas haben deshalb eine „aggressivere“ Natur. Haiti war im 18. Jahrhundert die reichste französische Kolonie, doch schon bald folgten die ersten Sklavenaufstände. Schließlich endete alles in einem Bürgerkrieg den die schwarze Bevölkerung gewann. Dieser Krieg endete am 1. Januar 1804 mit der Unabhängigkeit Haitis von Frankreich. Frankreich selbst erkannte die Unabhängigkeit Haitis erst 1824 an. Haiti war das erste unabhängige Land einer schwarzen Sklavenbevölkerung und engagierte sich seit seiner Unabhängigkeit ebenfalls für die Abschaffung der Sklaverei in Venezuela, Peru und Kolumbien und wirkte auch aktiv in deren Unabhängigkeitskämpfe mit.

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