Traumdeutung: Zug

Eine Annäherung an die Bedeutung des Traumsymbols Zug lässt sich gut über die Suche nach verwandten Wörtern verwirklichen. „Zug“ kommt von „ziehen“ – und darin erkennen wir die Erziehung ebenso wie das Weiterziehen, die eigene Aktivität wie das Gezogenwerden. Mit dem Zug lässt sich also alles verbinden, was unsere Sozialisation ausmacht; die Art, wie wir im Leben stehen, und das, wovon wir angezogen werden. 

Der Bahnhof, von dem unser Zug losfährt, ist der Punkt in unserer Biografie, an dem wir uns gerade befinden. Der Bahnhof, den der Zug erreicht – oder auch nicht – beschreibt das Ziel, das wir uns gesetzt haben oder das wir anstreben. Auf dem Weg dorthin kann allerhand passieren, was auf unsere Lebensumstände deutet. 

Sehen wir beispielsweise im Traum einen leeren Bahnhof oder sitzt der Träumende ganz allein im Zug, dann deutet dies auf Verlassenheit und Einsamkeit. Es kann aber auch sein, dass der Träumende es versäumt, sich in einer wichtigen Angelegenheit beraten zu lassen. 

Verpasst der Träumende seinen Zug, so verpasst er damit auch die Chance, neue Erfahrungen zu machen, sein Ziel zu erreichen. 

Wird er im Zug von jemandem oder etwas verfolgt, das ihn ängstigt, und verlässt er daher den Zug, bevor er sein Ziel erreicht hat, kann auch dies auf eine reale Lebenssituation in genau dieser Bedeutung übertragen werden: Ein Ziel wird nicht erreicht, weil die Ängste oder Probleme auf dem Weg dorthin zu übermächtig werden.

Der Traum vom Zug: Ein Beispiel

Lisa befindet sich in einem überfüllten Bahnhof. Überall sind Menschen, die gesamte Situation ist hektisch und chaotisch. Sie schiebt sich durch die Menschenmenge zu den Gleisen; es gibt nur eine Treppe, aber oben angekommen bietet sich ihr wieder ein unübersichtliches Bild. Sie sieht viele Züge, die in ganz verschiedene Richtungen abfahren werden, weiß aber nicht, welcher davon ihrer ist. Dann ertönt ein Pfiff und alle Züge setzen sich in Bewegung. Lisa sieht eine offene Tür an einem der Waggons, sprintet dem Zug kurz hinterher und springt dann dann auf.

Auf den richtigen Zug aufspringen

Lisa befindet sich zu Beginn ihres Traumes in einer großen Menschenmenge. Doch für sie ist es in diesem Moment wichtig, ihren Weg, ihren Zug zu finden. Wie soll sie sich zurechtfinden? Lisa gibt nicht auf, bahnt sich ihren Weg. Dass es nur eine Treppe gibt, könnte ein Verweis darauf sein, dass es in ihr selbst momentan sehr chaotisch aussieht. Doch sie steigt auf, versucht sich einen Überblick zu verschaffen. Welchen der Züge soll sie wählen? 

Die chaotische Situation, die sich ihr dann an den Gleisen darbietet, spiegelt sehr klar eine Lage, in der sich heute viele Menschen befinden: Es scheint, als böten sich unendlich viele Gelegenheiten, die eigene Lebensreise zu gestalten. Sodass man vor lauter Möglichkeiten den eigenen Weg aus den Augen verliert. Doch schließlich muss Lisa eine Entscheidung treffen, bevor alle Züge abgefahren sind. Und in dem Moment, da sie genauer hinschaut, da alles in Bewegung ist, entdeckt sie die für sie offenstehende Tür.

Lisas Traum offenbart eine positive Aufbruchstimmung und ein gutes Gelingen. Gleichzeitig kann darin aber auch der Hinweise gesehen werden, dass sie frühzeitiger eine bewusste Wahl treffen sollte, statt auf einen zufällig vorbeifahrenden Zug aufzuspringen.

Ihre Reise durchs Leben – individuelle Deutung

Wo befinden Sie sich gegenwärtig auf Ihrer Lebensreise? Wählen Sie Ihren Zug mit Bedacht oder fahren Sie lieber spontan irgendwo mit? In welche Richtung soll es gehen? Träumen Frauen von Zügen, die durch einen Tunnel fahren, so wird dies häufig als sexuelle Symbolik gedeutet. Das kann gemeint sein, muss aber nicht. Denn der Zug ist ein Symbol für alle Arten des Zusammentreffens mit anderen Menschen auf dem Weg zu unserem nächsten Ziel – oder aber für die völlige Isolation in einem leeren Abteil. Wenn Sie vor Kurzem von einem Zug träumten, vergegenwärtigen Sie sich noch einmal die gesamte Situation:

• Lief alles nach Plan oder haben Sie Ihren Zug verpasst, den falschen Zug erwischt?
• Gab es unterwegs Komplikationen, entgleiste der Zug?
• Gab es einen schwerwiegenden Unfall, wurden Sie oder eine andere Person gar vom Zug überrollt?

Wie immer in der Traumdeutung kommt es auf die Details ebenso an wie auf Ihre Assoziationen und Ihre Empfindungen zu dem Traumerleben. Versuchen Sie, die Situation zudem aus einer übergeordneten Perspektive zu beschreiben. Wovon handelt der Traum? Wohin bringt Sie der Zug? Was verpassen Sie? Wovon fühlen Sie sich überrollt – oder, falls Sie selbst ein „Hans Dampf in allen Gassen“ sind: Wen oder was überrollen Sie womöglich gerade?

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